Ein Gespann wie vor 150 Jahren: Vier Ochsen ziehen in Roggwil einen Pflug

Interessierte können sich am 15. August in Hofen ein Bild von Hochäckern machen: Eine jahrhundertealte Technik zum Pflügen. Ein solcher Anblick bietet sich heute nur noch selten.

Drucken
Teilen
Ochsengespanne – wie hier vor einem Gesellschaftswagen – sind in der Schweiz nur noch selten zu sehen.

Ochsengespanne – wie hier vor einem Gesellschaftswagen – sind in der Schweiz nur noch selten zu sehen.

Bild: PD

(red) Der Oberthurgau ist eine der letzten Regionen der Schweiz, in der jahrhundertealte Hochäcker erhalten sind. Diese seltene Kulturlandschaft kann nun neu entdeckt werden: Der Verein Landschaftsqualität Oberthurgau lädt auf den 15. August zu einem Informationsanlass ein, an dem unter anderem vier Ochsen mit einem 150-jährigen Pflug einen Acker bearbeiten.

Der Kanton Thurgau ist heute neben dem Obstbau für seine Milchwirtschaft bekannt. Doch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Kanton noch stark vom Getreideanbau geprägt. Dabei entstanden durch eine alte Pflügtechnik sogenannte Hochäcker. Diese langgezogenen, hügelförmigen Äcker sind heute allerdings nur noch als Relikte erhalten. Sie sind bis zu einem Meter hoch, 12 bis 24 Meter breit und mehrere hundert Meter lang.

Pflügen wie vor 150 Jahren

Der Verein Landschaftsqualität Oberthurgau (LQT) lädt die Bevölkerung dazu ein, das Kulturgut Hochäcker zu entdecken. In Hofen bei Roggwil sind auf den Wiesen der Obstsortensammlung Roggwil (OSSR) gut sichtbare Hochäcker erhalten. Dort vermitteln der LQT, das Thurgauer Amt für Raumentwicklung (ARE)sowie die OSSR vielfältige Informationen zu Hochäckern. Neben historischen und technischen Details kommt dabei die Praxis nicht zu kurz: An einem der Infoposten werden vier jeweils über eine Tonne schwere Braunvieh-Ochsen ein Feld mit der jahrhundertealten Technik pflügen, bei der die Hochäcker entstanden sind. Dabei kommt ein über 150-jähriger Pflug zum Einsatz, der aus dem Schaudepot St.Katharinental des historischen Museums Thurgau stammt. Zudem gibt es Führungen durch die OSSR, die im Auftrag von Bund und Kanton über 350 alte Obstsorten pflegt und bewahrt.

Hochäcker sind schweizweit selten

Dass es im Oberthurgau heute relativ gut erhaltene Hochäcker gibt, ist schweizweit eine Seltenheit. Viele der langgezogenen Hügel wurden von der modernen Landwirtschaft maschinell eingeebnet. Im östlichen Thurgau wurden ab dem 18. Jahrhundert auf den Hochäckern aber zahlreiche Obstgärten angelegt. «Diese Obstbäume bewahrten die Hochäcker vor der Einebnung», sagt Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im ARE. Die welligen Landschaftsformen erinnern laut Künzler an einen prägenden Abschnitt der Thurgauer Kulturgeschichte. Bund und Kanton stufen die Hochäcker als erhaltenswert ein: Seit 2015 erhalten regionale Bauern für die Bewahrung von Hochackerformen sogenannte Landschafsqualitätsbeiträge. Unter Schutz stehen die Erdformationen nicht.

Hinweis Besichtigung der Hochäcker am Samstag, 15. August, ab 10 bis 14 Uhr, Hofen bei Roggwil. Die ÖV-Haltestelle Steineloh, Sternen ist zu Fuss erreichbar. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig.