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Nach Freundschaftsvertrag zwischen Äthiopien und Eritrea: Romanshorner Lehrer mit Frau und Kind vereint

Ralph Klee hat vor zweieinhalb Jahren in Eritrea geheiratet. Kürzlich ist seine Frau mit dem gemeinsamen Kind in die Schweiz gekommen. Die Zeit dazwischen kostete das Ehepaar Nerven und brachte es an den Rand der Verzweiflung.
Markus Schoch
Glücklich vereint: Ralph Klee mit seiner Frau Senait und Tochter Ruth. (Bild: Andrea Stalder)

Glücklich vereint: Ralph Klee mit seiner Frau Senait und Tochter Ruth. (Bild: Andrea Stalder)

Für Ralph Klee war dieses Jahr bereits im September Weihnachten. Und Ostern gleich dazu. Er konnte seine Frau Senait und seine heute acht Monate alte Tochter Ruth endlich auf Schweizer Boden in den Arm nehmen. «Wir sind Gott unendlich dankbar.»

Klee und seine zweite Frau – die erste ist verstorben – haben in den letzten Jahren und Monaten oft gebetet und auf ein Wunder gehofft. Die beiden wollten endlich zusammen leben, nachdem sie im März 2016 geheiratet hatten. Doch das schien unmöglich. Denn Klee hat seine Frau in Eritrea kennen gelernt und gab ihr dort auch das Ja-Wort. Im Land, das ihm durch seine Arbeit als Lehrer einer Integrationsklasse an der SBW in Romanshorn zur zweiten Heimat geworden ist. Die meisten seiner Schüler waren Flüchtlinge aus Eritrea. «Es ist das Beste, was mir passieren konnte», sagt Klee. 2015 reiste er ein erstes Mal in den Nordosten Afrikas.

Der Staat liess nicht mit sich reden

Ralph Klee steht mit seiner Frau und der Tochter am Bodensee.

Ralph Klee steht mit seiner Frau und der Tochter am Bodensee.

Die Zeit nach der Hochzeit war weniger gut. Denn Klees Frau konnte nicht weg, weil sie die Bedingungen der Regierung nicht erfüllte: Sie hatte den Ehering noch nicht fünf Jahre am Finger, sie war noch nicht 40 Jahre alt, sie hatte den Militärdienst nicht absolviert und sie hatte kein Kind von ihrem Mann. Weil Senait nicht zu ihm kommen konnte, flog Klee in allen seinen Ferien zu ihr. «Es war hart. Immer wieder haben wir probiert, die Ausreisepapiere doch noch irgendwie zu erhalten.» Ohne Erfolg: Die Behörden wollten kein Auge zudrücken.

Im Juli des letzten Jahres dann die Erlösung. Senait wurde schwanger. Für Klee war es nicht der einzige Wendepunkt in seinem Leben. Gleichzeitig kündete er nach 14 Jahren seine Stelle bei der SBW, weil die Integegrationsklasse aufgelöst wurde. Ohne seine eritreischen Schüler wollte er nicht weiter machen. Doch das neue Glück liess lange auf sich warten. Über ein Jahr lang durchlebten der 64-Jährige und seine Frau eine äusserst schwierige Zeit – privat und beruflich.

Der bürokratische Hürdenlauf dauerte Monate

Ruth kam im April gesund zur Welt – im Beisein ihres Vaters. Bereits am Tag nach der Geburt konnten Mutter und Kind das Spital verlassen. Das Land zu verlassen, war dann aber einiges schwieriger. Der bürokratische Hürdenlauf dauerte Monate und brachte das Ehepaar an den Rand der Verzweiflung. Es war ein ständiges Auf und Ab.

Den Pass bekam Ruth innert Wochenfrist. Mit den Visa für Mutter und Kind ging es nicht so schnell. «Es war sehr, sehr mühsam», sagt Klee. Die Behörden in der Schweiz hätten ihm das Leben schwer gemacht. Er musste immer wieder neue Dokumente nachreichen, sodass sich das Verfahren in die Länge zog.

Das zweite Problem waren die Ansprechpartner auf eritreischer Seite: Sie sassen im Sudan, wo die nächstgelegene Botschaft des Landes liegt. Nicht nur liessen sich die zuständigen Beamten aufreizend viel Zeit mit den Formalitäten. Senait hätte auch nach Khartum reisen müssen, um die Visa abzuholen. Doch sie wollte auf keinen Fall dorthin, weil sie Angst hatte. Die Lage ist in vielen Teilen des Sudans angespannt. Es gibt nach wie vor bewaffnete Konflikte. Die Situation schien ausweglos.

Friedens- und Freundschaftsvertrag zwischen Äthiopien und Eritrea

Ralph Klee hat eine Frau aus Eritrea geheiratet, sie konnte aber lange nicht in die Schweiz einreisen. Jetzt ist sie endlich bei ihm mit dem gemeinsamen Kind Ruth Mercy. Das Ende einer Odyssee.

Ralph Klee hat eine Frau aus Eritrea geheiratet, sie konnte aber lange nicht in die Schweiz einreisen. Jetzt ist sie endlich bei ihm mit dem gemeinsamen Kind Ruth Mercy. Das Ende einer Odyssee.

Doch dann passierte, was viele nicht für möglich gehalten hätten, sagt Klee. Nach einem fast zwei Jahrzehnte dauernden militärischen Konflikt unterzeichneten die Staatschefs von Äthiopien und Eritrea Anfang Juli dieses Jahres einen Friedens- und Freundschaftsvertrag. Für Klee eine Fügung Gottes. «Er hat uns eine Türe geöffnet. Wir sind überglücklich.» Die Visa lagen plötzlich in Reichweite – in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Senait holte sie und konnte Anfang September mit Ruth in die Schweiz reisen – zweieinhalb Jahre nach der Heirat.

Auch beruflich hat sich alles zum Guten gewendet. Klee fand diesen Sommer wieder eine Stelle als Lehrer an einer christlichen Schule in Sirnach, nachdem er seit Anfang Jahr ohne Arbeit gewesen war. Viel besser hätte er es nicht treffen können. Über seine Frau fand Klee zum Glauben. Den Gottesdienst besuchen sie in der Pfingstgemeinde. «Es ist ein Glücksfall», sagt Klee.

Schönere Weihnachten könnten sich der Mann aus der Schweiz und die Frau aus Eritrea nicht vorstellen. Wenn nur nicht diese Kälte wäre, sagt Senait und lacht.

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