Ein Ermatinger Autor schreibt über einen bosnischen Flüchtling

Stoff zum Nachdenken bekamen die Besucher der Sonntags-Matinee im Forum B in Büren. Hier las der Ermatinger Autor Adolf Jens Koemeda aus seinem Roman «Die Absicht».

Judith Schuck
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Adolf Jend Koemeda (Mitte) liest aus seinem Roman «Die Absicht». Er wird vom Musiker und Schauspieler Helmut Vogel begleitet. (Bild: Andrea Stalder)

Adolf Jend Koemeda (Mitte) liest aus seinem Roman «Die Absicht». Er wird vom Musiker und Schauspieler Helmut Vogel begleitet. (Bild: Andrea Stalder)

Das Forum B in Büren, einem Weiler von Raperswilen, liegt zwar ein wenig versteckt auf dem Seerücken, bietet aber seit 20 Jahren ein zuverlässig hochkarätiges Kulturprogramm. Zu den Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten und Schauspiel laden Brigitte und Hans Joachim Güttler in ihr privates Wohnzimmer ein. Hier lauschten am Sonntag die Gäste Ausschnitten aus «Die Absicht».

Der Ermatinger Autor Jens Koemeda las im Wechsel mit Helmut Vogel, der nicht nur Schauspieler, sondern auch Musiker ist, und den Text immer wieder durch ein Intermezzo auf dem Flügel ergänzte. Die Einführung gab Manfred Hiefner, Chef vom Münster Verlag in Basel: Im Buch ginge es darum, «wie weit wir mit unserer Offenheit gegenüber Fremden gehen. Wo kippt unsere Vernunft, unsere Empathie?»

Unterscheidung von Flüchtlingen

Protagonist ist der 25-jährige Bosnier Simmi. Zwar ist er nicht bedroht von Krieg, Gewalt oder Folter, wie viele Flüchtlinge, die in Mitteleuropa Schutz suchen. Doch sieht er für sich keine Zukunft in der Heimat. «Er sucht etwas Neues, Veränderung, ein besseres Leben», erklärt der Autor die Figur.

Simmi kommt über die Schweiz nach Nürnberg in Deutschland, wo bereits Freunde von ihm leben. Da er in Bosnien mit österreichischem Fernsehen aufwuchs, spricht er ein ganz passables Deutsch, was ihn von den meisten anderen Flüchtlingen unterscheidet. Mit ein Grund dafür, dass er sich anderen Flüchtlingen gegenüber privilegiert fühlt.

Die Zuhörer im Forum B applaudieren Adolf Jens Koemeda. (Bild: Andrea Stalder)

Die Zuhörer im Forum B applaudieren Adolf Jens Koemeda. (Bild: Andrea Stalder)

Koemeda selbst weiss, wie es ist, Flüchtling zu sein. Denn er musste während der Unruhen des Prager Frühlings seine Heimat Tschechien verlassen. In seinem Roman stellt er ganz klare, aber schwierige Fragen: Was unterscheidet «echte Flüchtlinge» von «Wohlstandsflüchtlingen»? Wenn Simmi im Roman wissen möchte: «Ist es denn so schlimm, ein besseres Leben zu suchen?»

Gewalt erfährt Simmi ausgerechnet in Deutschland

Zum Abschluss der Lesung gab der Autor noch eine Kostprobe aus dem eben fertig gestellten Manuskript von «Das Glück», der Fortsetzung von Simmis Fluchtgeschichte. Ironischerweise erfährt er zum ersten Mal wirkliche Bedrohung und Gewalt in Deutschland, dem Land, in das er all seine Hoffnungen setzte. Bevor die Leserinnen und Leser aber erfahren dürfen, wie Simmis Geschichte weitergeht, kommt zuerst «Masaryk» in den Buchhandel.

Bald erscheint das nächste Werk

Der Autor und Psychiater A. Jens Koemeda lebt im Ermatinger Schlösschen Breitenstein, wo er nicht nur fleissig schreibt, sondern mit «Literatur am Untersee» und dem «Kellertheater» auch Kulturveranstalter ist. «Die Absicht», 2018 im Münster Verlag Basel erschienen, ist sein drittes Buch nach «Der Zufall» und «Die Axt». «Masaryk» feiert am 28. April, 17 Uhr in der Kreuzlinger Stadtbibliothek Büecherbrugg Buchpremiere. «Masaryk» ist ein politisches Buch über den ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei.