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Romanshorn: Ein Eritreer beisst sich durch und schliesst seine Ausbildung ab

Die berufliche Integration von Flüchtlingen ist schwierig. Doch es gibt auch positive Beispiele. Mussie Araya hat bei der Ernst Fischer eine zweijährige Ausbildung mit Note 4,7 abgeschlossen. Und er will mehr.
Markus Schoch
Mussie Araya und Diana Gutjahr bei einer Besprechung in den Werkhallen der Ernst Fischer AG. (Bild: Reto Martin)

Mussie Araya und Diana Gutjahr bei einer Besprechung in den Werkhallen der Ernst Fischer AG. (Bild: Reto Martin)

Es war ein Auf und Ab für Diana Gutjahr. Die Mitinhaberin der Ernst Fischer AG dachte, sie tue etwas Gutes, wenn sie einem anerkannten Flüchtling mit B-Ausweis eine Lehrstelle gebe. Doch damit halste sie sich Probleme auf, mit denen sie sich allein gelassen fühlte. Dafür schickte ihr der Staat zwei Rechnungen für die Bewilligung des Arbeitsvertrages. In der Thurgauer Zeitung sagte die Unternehmerin damals. «So gelingt die Integration nicht.» Nur durch Zufall erfuhr sie, dass ihr neuer Mitarbeiter eigentlich eine Arbeitsbewilligung brauchen würde. Niemand hatte es ihr gesagt.

Zwei Jahre später strahlt Gutjahr. Sie liess sich nicht entmutigen und hielt trotz allen Widrigkeiten zu Beginn an ihrem Plan fest, Mussie Araya eine berufliche Perspektive zu bieten. Der Entscheid sei richtig gewesen, sagt Gutjahr. Der 20-jährige Eritreer hat vor kurzem die zweijährige Ausbildung zum Metallbaupraktiker EBA mit der Note 4,7 abgeschlossen und beginnt nach den Sommerferien die vierjährige Lehre als Metallbauer EFZ, die er in drei Jahren machen kann.

Einsatzfreudig, zuverlässig und zielstrebig

Gutjahr ist voll des Lobes für den jungen Mann, der vor sieben Jahren in die Schweiz kam und kein Wort Deutsch sprach. «Er zeigt grossen Einsatz, ist zuverlässig, pünktlich und zielstrebig.» Araya sei ein Musterbeispiel dafür, was sich mit Willenskraft alles erreichen lasse.

Doch damit allein hätte es der Arboner nicht geschafft. Alle seine guten Eigenschaften nützten ihm nichts im ersten Anlauf, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Er begann eine Lehre als Gleisbauer bei den SBB, brach sie aber schnell ab, weil das Umfeld nicht stimmte. Seine Kollegen unterhielten sich in den verschiedensten Sprachen. Schon die Schweizer Mundart zu verstehen, ist für ihn eine Herausforderung. Deshalb muss man Araya zuweilen etwas zweimal erklären. «Der Betreuungsaufwand ist viel grösser als bei einem gewöhnlichen Lernenden», sagt Gutjahr. «Es lief nicht von selbst.» Froh war sie in dieser Situation um das Case Management des Amtes für Berufsberatung und Berufsbildung. Beispielsweise für die Koordination mit dem Sozialamt, wo Araya gemeldet ist.

Dieser ist sich der Sonderbehandlung nur zu gut bewusst. «Ich bin nur so weit gekommen, weil man mir bei der Ernst Fischer AG geholfen hat, meine Schwächen zu überwinden.»

Wenn sich jemand so am Riemen reisse wie Araya, sei sie gerne bereit, diesen Zusatzeffort zu leisten, sagt Gutjahr. Der Eritreer nahm sogar privat Sprachunterricht bei einem Lehrer.

Eine Art Entwicklungshilfe

Für Gutjahr ist die Ausbildung von Araya auch eine Art Entwicklungshilfe. Denn dieser will später zurück in sein Heimatland und dort eine kleine Schlosserei aufbauen. «Ich bin in die Schweiz gekommen, um zu lernen», sagt er. Dass die Rückkehr nach Eritrea sein oberstes Ziel sein muss, hat Gutjahr ihm gegenüber während der Ausbildung immer wieder zum Ausdruck gebracht.

Der Traum von Araya scheint seit ein paar Wochen Realität werden zu können. Anfang Juli haben die Langzeit-Rivalen Äthiopien und Eritrea einen Friedens- und Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Das Tauwetter könnte dazu führen, dass Jugendliche Eritreer nicht mehr für Jahre oder sogar Jahrzehnte den so genannten Nationaldienst leisten müssen. Wer ins Militär eingezogen wurde, hatte bis jetzt kaum Aussicht darauf, je wieder entlassen zu werden. «Ich hoffe, dass es jetzt anders wird», sagt Araya.

Die politische Entwicklung in Eritrea verfolgt er zwar mit Interesse. Im Moment konzentriert sich Araya aber auf die Lehre. «Dafür gebe ich wieder alles.» Wenn alle Flüchtlinge und Asylbewerber so wie er wären, hätten sie gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sagt Gutjahr. Zuerst müssten sie allerdings überhaupt eine Chance haben, um sich zu beweisen. Gutjahr hofft deshalb, dass andere Firmenchefs ihrem Beispiel folgen. Es lohne sich, ist sie überzeugt.

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