Ein echter Stein wäre zu schwer gewesen: Oberhalb Kreuzlingens wurde eine Skulptur aus Beton eingeweiht

Der schwebende Findling mit dem bronzenen Tuch der Künstlerinnen Kerstin Kubalek aus Ermatingen und Eva Pisana aus Scherzingen bekommt viele Komplimente.

Inka Grabowsky
Merken
Drucken
Teilen
Die Künstlerinnen Eva Pisana und Kerstin Kubalek.

Die Künstlerinnen Eva Pisana und Kerstin Kubalek.

(Bild: Inka Grabowsky)

Unterhalb des Schrofenhofs, zwischen ehrwürdiger Eiche und jahrhundertealter Heilquelle, schwebt seit wenigen Tagen ein Findling aus Beton. Ein Handtuch aus Bronze liegt auf einer Ecke, als hätte jemand es auf dem Weg vom Wasser vergessen.

Geschaffen haben das Kunstwerk Kerstin Kubalek aus Ermatingen und Eva Pisana aus Scherzingen. Sie hatten sich mit ihrem Entwurf gegen 34 Mitbewerber bei der Jury der Kunstkommission Kreuzlingen durchgesetzt.

«Der schwebende Findling zeigt den Zauber, der dem Ort innewohnt.»

Das erklärt Eva Pisana. Der Platz unter dem mächtigen Baum mit Blick auf den Bodensee strahle Ruhe aus. Nach dem Willen der Künstlerinnen sollen sich nun Spaziergänger auf den Stein setzen und selbst Ruhe finden.

Mit Beton und Bronze kombinierten Kubalek und Pisana ein modernes und ein historisches Material. «Damit kann man das Werk nicht einer Entstehungsepoche zuordnen», erläutert Dolores Salinas in der Laudatio.

«Die Wirkung ist zeitlos.»

Die Verwendung des Leichtbetons hat aber auch pragmatische Gründe, wie Kerstin Kubalek zugibt. Die Skulptur wiegt rund 700 Kilo. «Wenn wir einen echten Findling genommen hätten, wäre sie wohl dreimal schwerer. Dann hätten wir sie nicht zum Schweben bekommen.»

Das war so schon aufwendig genug – vor allem allerdings wegen des coronabedingten Shutdowns. Die Eisengiesserei, die das wächserne Modell des Tuches in Bronze giessen sollte, musste für einige Zeit schliessen. So ergaben sich erhebliche Verzögerungen. Statt wie geplant im Frühjahr wurde das Kunstwerk nun im Herbst der Öffentlichkeit übergeben.

Erinnerungen an einen Freigeist

«Ein sehr passender Zeitpunkt», sagt Gastgeber Klemenz Somm in seiner Ansprache. «Für mich hat das Badetuch einen Besitzer: den Grafen Draskovic, der in die Schweiz gekommen war, weil er in Österreich von Fürst Metternich verfolgt wurde. Draskovic wollte bewusst in einer offenen Demokratie leben. Vom Schloss, in dem er hier lebte, ist nur noch das prunkvolle Tor übrig. Nun aber erinnern wir uns genau vor einem Abstimmungswochenende an diesen Freigeist.»

Er habe das Land für das Kunstwerk gerne zur Verfügung gestellt.

«Ich bin Anhänger von Kunst im Alltag, von Kunst, die einem begegnet, für die man nicht extra ins Museum muss.»

Ausdrücklich dankte er für das Engagement der Organisatoren des Wettbewerbs. «Es ist grandios, dass wir hier Leute haben, die sich für ein lebenswertes Kreuzlingen einsetzen.»

Ein Bild vom Sommer 2019 als die Künstlerinnen und Landbesitzer Klemenz Somm über das Projekt informierten.

Ein Bild vom Sommer 2019 als die Künstlerinnen und Landbesitzer Klemenz Somm über das Projekt informierten.

(Bild: Andrea Stalder - 17.6.2019)