Ein deutscher Graf kauft das Schloss Hauptwil – keine Chance für einheimische Genossenschaft

Das historische Anwesen im Zentrum von Hauptwil hat in diesen Tagen den Besitzer gewechselt. Die Liegenschaft soll in Zukunft ausschliesslich der privaten Nutzung dienen.

Georg Stelzner
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Für das Schloss Hauptwil gab es mehrere Interessenten. Die neuen Besitzer wollen in das Anwesen investieren und es privat nutzen..

Für das Schloss Hauptwil gab es mehrere Interessenten. Die neuen Besitzer wollen in das Anwesen investieren und es privat nutzen..

Bild: Larissa Flammer

Die neuen Eigentümer des Hauptwiler Wahrzeichens haben blaues Blut: Sie heissen Markus Erwein Maria Richard Karl Matuschka von Greiffenclau und Eva Maria Matuschka von Greiffenclau. Derzeitiger Wohnsitz der beiden deutschen Staatsbürger ist Bischofszell.

Das deutsche «Handelsblatt» geizt nicht mit anerkennendem Lob, wenn es um den Adligen aus dem Rheingau geht, dessen Vorfahren einst Karl dem Grossen als Beamte dienten: «Dieser Graf hat es ohne Erbe zum erfolgreichen Investor gebracht.»

Genossenschaft war chancenlos

«Der Verkauf von geschichtsträchtigen und denkmalgeschützten Immobilien ist herausforderungsreich», betont Matthias Fleischmann, Assistent von Fleischmann Immobilien. Dieses Unternehmen war von der im Heimwesen tätigen Di-Gallo-Gruppe mit dem Verkauf des Schlosses und des benachbarten Riegelhauses Traube oberhalb des historischen Türmlis betraut worden.

Ursprünglich hatte eine Gruppe Einheimischer versucht, eine Genossenschaft auf die Beine zu stellen und das Anwesen auf diese Weise für die Öffentlichkeit zu erhalten. Die anfängliche Euphorie – dem Informationsanlass im Januar 2019 wohnten über 100 Personen bei – wich allmählich der Erkenntnis, dass man mit finanziell potenteren Kaufinteressenten nicht wird mithalten können.

So kam es dann auch. An der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 2019 gab Gemeindepräsident Matthias Gehring bekannt, dass das Schloss mit grosser Wahrscheinlichkeit in Privatbesitz übergehen werde und die Genossenschaftslösung somit vom Tisch sei.

«Besichtigungstourismus» unerwünscht

Matthias Fleischmann erklärt, dass die unkomplizierte Abwicklung dieses speziellen Geschäfts auch dank der professionellen und unbürokratischen Begleitung durch die Gemeindeverwaltung von Hauptwil-Gottshaus möglich geworden sei.

Es sei auch darum gegangen, einem «Besichtigungstourismus» vorzubeugen: «Das Interesse an den historischen Gebäuden war gross. Wir führten Besichtigungen mit mehreren, wirklich am Kauf interessierten Personengruppen durch und leiteten die Verkaufsverhandlungen.»

Stillschweigen über Kaufpreis

Die Di-Gallo-Gruppe hat sich laut Fleischmann für das nachhaltigste Angebot entschieden, weil – so Benjamin di Gallo – «die neue Eigentümerschaft bestrebt ist, trotz unzähliger Auflagen in das Schloss zu investieren und es in altem Glanz erstrahlen zu lassen.»

Über den Verkaufspreis macht Matthias Fleischmann keine Angaben. Ende 2018 war das Schloss Hauptwil mit einem Preis von drei Millionen Franken auf dem Markt.