Ein Carillon erklingt in Märstetten

Glockensammler Jürg Trippel aus Märstetten hat eigenhändig ein Glockenspiel gebaut und sich das Spiel damit beigebracht.

Janine Bollhalder
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Das selbstgebaute Carillon von Jürg Trippel in Märstetten. (Bild: Andrea Stalder)

Das selbstgebaute Carillon von Jürg Trippel in Märstetten. (Bild: Andrea Stalder)

«Glocken haben mich schon als Bub fasziniert», sagt Jürg Trippel. Der Märstetter hat innert einem halben Jahr in Eigenregie ein Carillon gebaut, zu Deutsch: ein Glockenspiel.

Im Kopf hat er den Traum schon sein Leben lang gehegt, an die wirkliche Planung und Umsetzung hat er sich im Neujahr 2018 gemacht. «Ich bin pensioniert – ich hatte genügend Zeit, um an meinem Carillon zu arbeiten.»

Ein Lebenstraum erfüllt

Der Glockensammler kann nicht in Worte fassen, was genau ihn an Glocken fasziniert. Er besitzt sieben Stück – plus die 25 Glocken seines Carillons. Er sei ein langjähriger Orgelspieler und habe sich das Spiel des Carillons selbst beigebracht:

«Learning by doing»

Sagt er und schmunzelt. Mit dem selbst gebauten Instrument spielt er von «Bach bis Volkslied.» Die Noten müsse er allerdings umschreiben.

Trippels Carillon wiegt 25 Kilogramm. «Das ist sehr wenig im Vergleich zum grössten Glockenspiel, das es gibt. Dieses steht in Danzig und wiegt 18 Tonnen.»

Das Carillon kann mit den Händen oder den Füssen gespielt werden. Kabelzüge führen zu den Glocken an der Decke. (Bild: Andrea Stalder)

Das Carillon kann mit den Händen oder den Füssen gespielt werden. Kabelzüge führen zu den Glocken an der Decke. (Bild: Andrea Stalder)

Im Carillonmuseum in den Niederlanden hat er sich inspirieren und auf gewisse Weise anleiten lassen. «Ich habe die Tasten dort abgemessen, um sie nachzubauen.» Alles andere habe er fortlaufend planen müssen.

Hebel, Tasten und Kabelzüge

Am Schwierigsten seien die Übersetzungen gewesen. Das heisst: Die Glocken dürfen nicht nebeneinander hängen, sondern werden versetzt platziert. Aus Platzgründen müssen daher die Tasten und die Hebel mit den Glockenhämmer kompliziert verbunden werden. Trippel kann das Instrument dafür freihändig und lediglich mit den Füssen oder manuell spielen.

Die Bronzeglocken hängen sechs Meter über dem Boden. Von der Aussenseite des Riegelhauses kann man sie sehen – und hören. Das Glockenspiel ist ein «Plausch» für die Nachbarn, wie Trippel es ausdrückt.

So laut wie Kirchglocken klingen sie aber nicht. «Die Glocken sind dünner als Kuhglocken.» Man könne ihn mittags und manchmal auch abends im Umkreis von etwa 100 Metern spielen hören. Jürg Trippel freut sich sichtlich über das selbst gebaute Instrument:

«Das Carillon hat mein Anwesen vervollständigt.»

The Fairy Queen

An zwei Wochenenden Ende August und Anfang September wird in der kleinen Oper Märstetten an sechs Tagen das Stück Fairy Queen von Henry Purcell aufgeführt. Jürg Trippel ist der Leiter des Vokalensemble Praetorius, welches das Opernstück zum Besten geben wird. 

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Janine Bollhalder