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Ein Auswärtiger - wie schon 1502

Die Bischofszeller Nachtwächterzunft konnte ein neues Mitglied aufnehmen. Turmwächter Albert Glauser erhielt die Legitimation und legte einen Eid zur Ausübung seiner Tätigkeit ab.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Turmwächter Albert Glauser mit Zunftmeister Bernhard Bischof im Hintergrund. (Bild: Yvonne Aldovandi-Schläpfer)

Turmwächter Albert Glauser mit Zunftmeister Bernhard Bischof im Hintergrund. (Bild: Yvonne Aldovandi-Schläpfer)

Trompetenklänge des Turmwächters und der Wächterruf zur neunten Stunde bilden den Auftakt zum öffentlichen Nachtwächterrundgang – dies jeweils am Vorabend vor Neumond. Damit die Trompetenklänge auch in Zukunft gewährleistet sind, musste sich die Nachtwächterzunft auf die Suche nach einem neuen Türmer machen. Kurz vor Weihnachten wurde man fündig: Zum ersten Mal begleitete Albert Glauser am Montag die Nachtwächter auf ihrer Tour. Der passionierte Trompeter aus dem thurgauischen Berg wurde nach dem Rundgang zum Turmwächter vereidigt. Angeführt von den Nachtwächtern und dem Turmwächter-Aspiranten, ging der Rundgang traditionsgemäss auch diesmal durch historische Gassen und mittelalterliche Geschichten. Die etwa 30 Besucherinnen und Besucher erfuhren viel Wissenswertes, Amüsantes, aber auch Skurriles über die damalige Zeit. Da Petrus kein Erbarmen hatte, wurde ein Teil des Stadtrundgangs kurzerhand in die Korn- halle und ins Foyer des Rathauses verlegt. Musikalisch umrahmt wurden die jeweiligen Geschichten von Albert Glauser, der sämtliche Musikstücke auswendig auf seiner Trompete vorzutragen wusste.

Einst einen Türmer aus Innsbruck engagiert

Die Obrigkeit übergab dem neuen Türmer im Anschluss an den Rundgang die Legitimations- urkunde der Rosenstadt. «Der Stadtrat darf auf Empfehlung der Nachtwächterzunft Albert Glauser zum Turmwächter von Bischofszell ernennen», sagte Stadtpräsident Thomas Weingart. Damit Albert Glauser in Zukunft seinen Dienst als Türmer ausüben kann, legte er einen Eid ab. Da die Nacht- und Turmwächter früher weder lesen noch schreiben konnten, verlas wie damals Zunftschreiber Pius Hof-stetter den «Ayd des Wächters uff dem Thurn». Zunftmeister Bernhard Bischof überreichte Albert Glauser ein Zunftmesser und hiess ihn in der Bischofszeller Nachtwächterzunft herzlich willkommen. Abschliessend spielte der frisch gebackene Turmwächter die Jubelfanfare auf seiner Trompete, die er in Zukunft zu Beginn der öffentlichen Nachtwächterrundgänge vorträgt. «Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen, weshalb wir die Vakanz mit einem auswärtigen Türmer neu besetzen», sagte Zunftmeister Bernhard Bischof. Im Jahr 1502 habe die Stadt einen Türmer aus Innsbruck engagiert. Der Originaltext aus der Urfehde lautet: «Wilhelm Sidenman, trometer von Insbrugg yetz wonhafft zuo Bischoffzell». Wenn es dazumal schon möglich gewesen sei, einen Auswärtigen anzustellen, könne auch heute einer aus der näheren Umgebung aufgenommen werden, meinte der Zunftmeister.

Musik war schon immer seine Leidenschaft

Albert Glauser verbrachte seine ersten zwölf Lebensjahre in Eschenz. Danach verschlug es ihn ins Zürcher Unterland. Musik war schon immer seine grosse Leidenschaft. Seit 60 Jahren spielt Albert Glauser Trompete. Seine Gotte habe ihm seinerzeit für 135 Franken die erste Trompete gekauft, erzählte er. Lange Zeit hat Albert Glauser in verschiedenen Musikkorps, Blaskapellen sowie Orchestern mitgewirkt – bei Bedarf hilft er immer noch aus. Zudem hat er zahlreiche Weiterbildungen beim Zürcher Blasmusikverband absolviert, unter anderem auch private Trainings mit seinem Freund, dem Solotrompeter Claude Rippas. Vor rund zwei Jahren kam der pensionierte Maschinenschlosser zurück in den Thurgau – seither wohnt er in Berg. Der 75-jährige Musiker besitzt mehrere verschiedene Trompeten. Für den Rundgang hat sich der neue Turmwächter für seine natur- belassene entschieden. Diese Trompete habe ein antikes Aussehen und passe deshalb wunderbar zum Anlass. Albert Glauser freut sich nun auf viele interessante Begegnungen auf den Nachtwächterrundgängen. An Bischofszell gefalle ihm die Altstadt besonders gut und überhaupt sei es schön, dass solche historischen Bräuche noch gepflegt werden.

Bis 1940 auf der Lohnliste

Über Jahrhunderte versahen die Nachtwächter und Türmer in Bischofszell die Brandwache und sorgten für Ruhe und Ordnung in der Stadt. Sie standen bis 1940 auf der Lohnliste. Anlässlich der Rosen- und Kulturwoche 2004 wurde die Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft gegründet. Die Rundgänge, die von April bis Oktober jeweils am Vorabend vor Neumond durchgeführt werden, sind zu einer touristischen Attraktion geworden. In diesem Sommer erwartet die Nachtwächterzunft bereits ihren 30000. Besucher. (yal)

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