Ein Agent, ein Regisseur und zwei Streithähne: Das Theater Kanton Zürich zeigte seine Premiere des Stücks «Nichts als lauter Liebe» in Frauenfeld

Wegen des Unwetters am Samstagabend musste die Theaterauffürung in die Konvikthalle verschoben werden. Der Stimmung im Publikum tat dies aber keinen Abbruch, genau so wenig wie Schutzmasken und mehr Distanz in den Zuschauerreihen als Schutzmassnahmen.

Viola Stäheli
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Wetterbedingt in der Konvikthalle begrüssen sich die Schauspieler Katharina von Bock (alias Gigi) und Stefan Lahr (alias Leon) unter Beobachtung von Andreas Storm (alias Sylvester) pandemiebedingt mit ihren Ellbogen.

Wetterbedingt in der Konvikthalle begrüssen sich die Schauspieler Katharina von Bock (alias Gigi) und Stefan Lahr (alias Leon) unter Beobachtung von Andreas Storm (alias Sylvester) pandemiebedingt mit ihren Ellbogen.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 13. Juni 2020)

Begeistert sind beide nicht von der Idee, gemeinsam auf der Bühne stehen zu müssen. Bereits bei der Leseprobe eskaliert die Situation – Gigi und Hugo haben nicht viel füreinander übrig. Mittendrin sitzt der verlorene Regisseur Leon, der vergeblich versucht die Situation unter Kontrolle zu bringen und das ehemalige Paar zum Arbeiten zu bringen.

Beim Theaterstück «Nichts als lauter Liebe» fliegen die Fetzen: Es geht um zwei Schauspielstars, die jahrelang ein Paar waren, sich dann aber getrennt haben und nichts mehr vom anderen wissen wollen. Doch dann kommt es, dass sich beide während der Probe eines gemeinsamen Theaterstückes wiederfinden. Eingefädelt vom Agenten Sylvester, der hin und wieder ganz eigene Mittel einsetzt, um die zwei Streithähne zum Spielen des gemeinsamen Stücks zu bringen.

Der vergnügliche Blick hinter die Kulissen eines Theaters – vom Probenbeginn bis zur (hoffentlich stattfindenden) Premiere – und in eine schwierige Beziehung stammt von der Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Josiane Balasko.

Organisatoren zeigen sich spontan

«Es freut mich, Sie zum ersten Mal nach der Kulturpause aufgrund des Coronavirus wieder zu einem Theaterstück Willkommen zu heissen.» Mit diesen Worten begrüsste Christof Stillhard, städtischer Kulturbeauftragter, das Publikum am Samstagabend. Es ist nicht nur für Frauenfeld ein Neubeginn, auch für das Theater Kanton Zürich war die Aufführung am Samstag der Start ihrer Tournee.

«Wir wollten sobald als möglich loslegen. Glücklicherweise hat der Bundesrat die Richtlinien gelockert, und Frauenfeld hat sich sehr spontan gezeigt und die Aufführung bestätigt», sagt Silvia Müller. Sie übernimmt die Gastspielorganisation. «Natürlich gibt es Schutzmassnahmen», sagt Stillhard. Statt 240 konnten nur 140 Plätze belegt werden.

Schutzmasken waren eine Schutzmassnahme gegen das Coronavirus.

Schutzmasken waren eine Schutzmassnahme gegen das Coronavirus.

Bild: Andrea Stalder

Auf die Bar wurde verzichtet, ebenso auf eine Pause. Am Eingang warteten Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Das bremste die Freude des Publikums, wieder einem unterhaltsamen Theaterstück beiwohnen zu können, aber in keiner Weise – es wurde oft gelacht und am Ende so lange geklatscht, dass die Schauspieler Katharina von Bock, Pit Arne Pietz, Andreas Storm und Stefan Lahr mehrmals zurück auf die Bühne kamen.

Wetter verhindert eine Aufführung unter freiem Himmel

Der Eintritt zum Theater war frei: Möglich machte das die Zusammenarbeit der Stadt Frauenfeld mit dem Theaterverein und der Interessengemeinschaft Frauenfelder Innenstadt IG Fit. Stillhard sagt:

Christof Stillhard, Städtischer Kulturbeauftragter in Frauenfeld

Christof Stillhard, Städtischer Kulturbeauftragter in Frauenfeld

Bild: Andrea Stalder
«Bei dieser Aufführung hatten wir umso mehr einen Grund, keinen Eintritt zu verlangen: Es sollte ein kleines Geschenk zum Beginn der Nach-Coronazeit an die Kulturbegeisterten sein.»

Geplant war eigentlich eine Freilichtaufführung, aber das Wetter machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. «Das Theater Kanton Zürich machte zum vierten Mal einen Stopp in Frauenfeld und zum ersten Mal mussten wir in die Konvikthalle zügeln», sagt Stillhard. Zum Glück habe die Bühne gepasst, was eine ziemlich knappe Angelegenheit gewesen sei.

Infos zu weiteren Aufführungen: www.theaterkantonzuerich.ch

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