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Ehemaliger Gardist spricht über die Zeit mit Papst Paul VI.

Am Sonntag wird Papst Paul VI. heiliggesprochen. Peter Brunschwiler reist dafür nach Rom und will seinem früheren Chef die Ehre erweisen. Denn er hat als Schweizer Gardist unter dem Heiligen Vater gedient.
Sabrina Bächi
Papst Paul VI. verabschiedet Peter Brunschwiler. Der Weinfelder diente vier Jahre in der Schweizer Garde. (Bild: Privatarchiv Peter Brunschwiler)

Papst Paul VI. verabschiedet Peter Brunschwiler. Der Weinfelder diente vier Jahre in der Schweizer Garde. (Bild: Privatarchiv Peter Brunschwiler)

Machen Sie es gut», sagte Papst Paul VI. und klopfte Peter Brunschwiler auf die Schultern. 1967 trat Brunschwiler nach treuer Pflichterfüllung als Unteroffizier aus der Päpstlichen Schweizergarde aus. Hinter ihm liegen zu diesem Zeitpunkt vier Jahre an der Seite eines «stillen Schaffers», wie Brunschwiler den damaligen Papst nennt.

Der stille Schaffer Papst Paul VI. wird am Sonntag, für seine Verdienste heiliggesprochen. Peter Brunschwiler reist für die Zeremonie in die Ewige Stadt an den Tiber, um seinem ehemaligen Chef die Ehre zu erweisen. «Als kleiner Bub las ich in einem Buch von der Schweizer Garde. Von da an war für mich klar: Das will ich mal werden. Schweizer Gardist», erzählt der heute 74-Jährige. Dieses Ziel habe er nie aus den Augen verloren.

Seit 45 Jahren in Weinfelden

Er hat eine katholische Erziehung genossen. Der Glaube war und ist wichtig. In Zuzwil wuchs Brunschwiler auf. Vor 45 Jahren zog er nach Weinfelden, wo er heute noch mit seiner Frau lebt. Er ist bisher der erste und einzige seiner Familie, der Dienst beim Papst leistete. «Meine zwei Söhne wollten nicht und die Enkelkinder sind noch zu klein», sagt er und lächelt.

In seinem dicken, roten Fotoalbum hat er unzählige Fotos des Papstes. Viele davon sind Pressefotos. Sie zeigen das Oberhaupt der katholischen Kirche mit Staatsoberhäuptern. Etwa dem Präsidenten von Chile, Eduardo Frei, der gar Schweizer Wurzeln hatte. Aber auch königliche Häupter wie König Hussein von Jordanien besuchten den Papst. Auf einem Bild in Brunschwilers rotem Fotoalbum ist die Grossherzogin von Luxemburg zu sehen. Links neben ihr im Bild: Peter Brunschwiler als Gardist in der «Gran Gala» Uniform mit Panzer und Hellebarde.

Der vergessene Papst

Papst Paul VI. ist als Giovanni Battista Enrico Antonia Maria Montini am 26. September 1897 im italienischen Concesio geboren worden. Nach dem Theologiestudium wurde er mit nur 25 Jahren ins Vatikanische Staatssekretariat berufen. Dort schätzte man sein Organisationstalent. 1954 wurde Montini zum Erzbischof von Mailand ernannt und 1958 in den Kardinalsstand erhoben. Als Papst Johannes XXIII. 1963 starb, stand Montini nach nur fünf Wahltagen als Papst fest. Als Papst Paul VI. beendete er das zweite Vatikanische Konzil und setzte zahlreiche Reformen um. Er reiste in viele Länder weltweit und sein Friedensappell vor der UNO-Vollversammlung 1964 gehört zu den meistbeachtetsten politischen Reden. Sein Wirken verblasst jedoch oftmals hinter der Volksnähe seines Vorgängers und des Charisma seines Nachfolgers Johannes Paul II. Er gilt deshalb als «der vergessene Papst». Am Sonntag wird Paul VI. von Papst Franziskus heilig gesprochen. (sba)

«Er war der erste Papst, der so weit reiste. Etwa ins heilige Land, nach Israel», erzählt Brunschwiler. Dort konnte er als einfacher Hellebardier nicht mit. Auch vor dem UNO-Rat hat Paul VI. gesprochen. Ebenfalls als Foto in Brunschwilers Album verewigt.

Der Papst nahm sich Zeit für die Gardisten

Für die Schweizer Gardisten war der Kontakt zum Papst nicht sehr eng. Es gab nur einen Wachposten direkt vor den privaten Gemächern des Heiligen Vaters. «Es konnte sein, dass er mal rauskam und mit einem schwatzte», sagt Brunschwiler. Im Gegensatz zu Pauls Vorgänger, Papst Johannes XXIII., der als sehr populär galt, war Papst Paul VI. hochgebildet und lebte eher zurückgezogen.

Von seiner privaten Seite zeigte er sich am ehesten noch in der Sommerresidenz Castel Gandolfo, erzählt Brunschwiler. «Dort war alles etwas kleiner, die Atmosphäre persönlicher. Er konnte sich dann auch die Zeit für uns nehmen.» Auch davon zeugt ein Foto. Der Papst mit seinen Gardisten.

Peter Brunschwiler, ehemaliger Gardist. (Bild: PD)

Peter Brunschwiler, ehemaliger Gardist. (Bild: PD)

«Er fragte uns, woher wir kommen. St. Gallen kannte er natürlich und auch den Bodensee.»

Als Peter Brunschwiler am 4. April 1967 vom Papst verabschiedet und aus der Garde entlassen wurde, nahm sich Paul VI. die Zeit, nicht nur Wünsche mit auf den Weg zu geben, sondern auch zu fragen, was die Zukunft des jungen Mannes so bringt.

Nach dem Gardedienst ging er nach Israel

«Ich habe ihm gesagt, dass ich Sprachen lernen will. Er hat mir gedankt für die langjährigen Dienste rund um die Uhr und mich Schulter klopfend verabschiedet», sagt der ehemalige Gardist. Seine Wege führten Brunschwiler nach Beendigung des Gardedienstes nach Israel. Danach ging er nach Irland, um Englisch zu lernen.

Zurück in der Schweiz konnte er sein KV-Abschluss für eine Anstellung im Geschäft seines Onkels nutzen. Was Brunschwiler aber bis heute blieb, sind nicht nur die Sprachen, sondern vor allem die Erinnerungen an einen Mann, dem er grossen Respekt entgegen brachte. Ein Papst, dem die Schweizer Garde wichtig war. Genau deshalb wird Peter Brunschwiler nach Rom reisen, um bei der Heiligsprechung von Papst Paul VI dabei zu sein.

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