Egnacher sind empört: Eine geplante Überbauung in Seenähe soll die Grenzen des Zulässigen sprengen

Die Gemeinde widerspricht der Kritik. Das Projekt im Gebiet Aachwiesen sei aus einem Wettbewerb hervorgegangen und von einer hochdotierten Jury ausgewählt worden.

Tanja von Arx
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Im Gebiet Aachwiesen hinter der ehemaligen Zinctec plant die HRS eine Überbauung auf drei Parzellen.

Im Gebiet Aachwiesen hinter der ehemaligen Zinctec plant die HRS eine Überbauung auf drei Parzellen.

(Bild: Andrea Stalder)

Respektlos würde das Orts- und Landschaftsbild verändert. Zudem akzentuierten sich die Verkehrsprobleme in Verbindung mit dem Radweg und der Brücke über die Gleise von SBB/BT in Egnach. Anwohner wehren sich gegen eine Überbauung auf dem Gebiet Aachwiesen in Seenähe, die der Generalunternehmer HRS plant. In einem Leserbrief heisst es dazu:

«Wir sind erstaunt, wie unsere Gemeindeverwaltung mittut bei der Rendite-Optimierung für Investoren.»

Konkret geht es bei dem Bauvorhaben um eine Wohnanlage mit vier Stockwerken und einem Hochparterre. Ein «Über-Projekt für uns Seebuben», wie sich weiter liest. Denn: «Rund dreissig Prozent mehr Wohnungen sind angedacht als im Vorprojekt.» Die Nachbarn im Raum Luxburg/Seewiesen befürchten, die «Über-Struktur» bliebe, der Investor allerdings mache Kasse und zöge weiter. «Wollten wir in einer Stadt wohnen, so würden wir Arbon oder Romanshorn mit viel besserer Infrastruktur wählen.»

Anwohner sammeln Unterschriften

Eine derartige Begebenheit sei nicht die erste. Der Leserbriefschreiber bemängelt, das Gleiche sei seinerzeit auf dem Gristenbühl passiert. «Mit dem Argument, die Gemeinde müsse nach innen wachsen, wie es die Behörde andachte.» Der Mann hofft nun, bei der Gemeindeverwaltung mit einer Unterschriftensammlung auf Gehör zu stossen und das Projekt zu verhindern, das im aufliegenden Gestaltungsplan enthalten ist.

Die Referendumsfrist ist am 8. Dezember abgelaufen. Gemeindepräsident Stephan Tobler sagt auf Anfrage: «Bis jetzt haben wir keine Unterschriften erhalten.» Und daran hat sich bis heute Dienstag nichts geändert, so dass die Egnacher voraussichtlich nicht über den Gestaltungsplan abstimmen können. Allerdings seien ein paar Einsprachen dagegen eingegangen. «Bemängelt wurden teilweise die höheren Geschosse.» Laut dem Gesetz seien diese aber zulässig.

«Das sind nur Schlagworte»

Zur Kritik im Einzelnen sagt Tobler: «Das sind Schlagworte, es verhält nicht.» Etwa in Bezug auf das Landschaftsbild hätte ein Wettbewerb stattgefunden, in dem eine hochdotierte Jury das Bauvorhaben beurteilt habe. «Der Chef des kantonalen Hochbauamts Erol Doguoglu hatte Einsitz.» Der Beurteilung zufolge würde sich das Bauprojekt hervorragend ins Ortsbild einpassen. Zudem sei die Gemeinde zur optimalen Landnutzung gesetzlich verpflichtet.

«Renditen wollen wir alle», sagt Tobler. Man denke nur an die Pensionskassen und die Verzinsung, «an die Renten». Der Gemeindepräsident schliesst:

«Wir sind nicht mit der HRS verbunden oder haben eine Verpflichtung».

Wie bei anderen Projekten auch stünden wirtschaftliche Gesichtspunkte im Fokus.

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Markus Schoch