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Egnach ist als gutes Vorbild vorangegangen - Gemeinderätin: «Mir ist aber auch klar, dass wir damit den Klimawandel nicht stoppen können»

Die Gemeinde zieht eine positive Bilanz zum Versuch mit einem differenzierten Winterdienst und will so weiter machen. Gemeinderätin Christina Holzer hofft, dass auch die umliegenden Gemeinden mitziehen.
Jana Grütter
Der Schnee blieb diesen Winter auf vielen Strassen liegen. (Bild: PD)

Der Schnee blieb diesen Winter auf vielen Strassen liegen. (Bild: PD)

Egnach ähnelte in den letzten Monaten zuweilen einem Winterwunderland. Denn der Pfadschlitten räumte nicht mehr auf allen Strassen den Schnee beiseite. Die Gemeinde setzte den differenzierten Winterdienst erstmals in die Praxis um. Das entsprechende Projekt hatte Gemeinderätin Christina Holzer für die Fachgruppe Energie, Umwelt, Ver- und Entsorgung der Regionalplanungsgruppe Oberthurgau ausgearbeitet.

Das 70 Kilometer lange Strassennetz wurde in drei Kategorien eingeteilt. Erstens: Die Fahrbahn wird dauerhaft von Schnee und Eis befreit. Ausserdem wird Salz gestreut. Zweitens: Nur der Neuschnee wird zur Seite geschoben und der restliche Schnee wird festgefahren. Gesalzen wird bei Eisregen oder Glatteis. Drittens: Die Räumung erfolgt nur bei grossen Schneemengen. Gesalzen wird nie. Holzer ist sich sicher:

«Wir werden das Regime definitiv weiterführen»

Christina Holzer (Bild: PD)

Christina Holzer (Bild: PD)

Auch wenn noch Verbesserungspotenzial bestehe, habe sich der differenzierte Winterdienst in verschiedener Hinsicht bewährt. «Die Schneeräumungsfahrzeuge waren tendenziell schneller mit der Arbeit fertig.» Zum Salzverbrauch könne nach nur einer Saison keine verbindliche Aussage gemacht werden. Eine Einsparung sei dennoch spürbar gewesen.

Die Gemeinde möchte mit dem differenzierten Winterdienst einen Beitrag zur Schonung der Umwelt leisten. «Mir ist aber auch klar, dass wir durch den differenzierten Winterdienst den Klimawandel nicht stoppen können.»

Erfahrung bringt Wissenschaft

Das neue System ist laut Holzer anspruchsvoll. «Das war unser erster Versuchswinter.» Es müssen laufend differenziertere Entscheidungen getroffen werden, als wenn alle Strassen schwarz geräumt werden. Dies erfordere viel Erfahrung und manchmal auch Mut und Risikobereitschaft. «Besonders neuralgische Stellen mit Schattenwurf müssen genau analysiert und mit grosser Aufmerksamkeit beobachtet werden werden.»

Auch sei der Winter nicht repräsentativ gewesen. «Es war durchgehend mild, doch wir hatten zwei bis drei besonders heikle Tage.» An denen sei es unmöglich gewesen, alle Strasse jederzeit schneefrei zu halten.

«So musste an einem einzelnen Tag die gesamte Strecke innerhalb von 24 Stunden drei Mal geräumt werden»

Viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung hat die Gemeinde laut Holzer nicht bekommen. Und sie gingen auch nicht alle in die gleiche Richtung. «Es gab positives und negatives Feedback.» Das sei für ein neues Projekt aber auch normal.

Seinem Ärger öffentlich Luft verschafft hat sich ein Pöstler in einem Leserbrief im Lokal Anzeiger:

«Wir konnten kaum mehr die Post in die Weiler zustellen, weil niemand gepfadet hat»

Holzer ist froh um solche Rückmeldungen. «Der Werkhof führt eine Liste, um differenziert die betroffenen Gebiete anzuschauen.» So könnten allenfalls Korrekturen für den nächsten Winter vorgenommen werden.

Auch schreibt der Pöstler, dass Kinder aus der Ladreute ihren gewohnten Schulweg nicht mehr gehen konnten. «Es gibt tatsächlich Schüler, die an schneereichen Tagen einen anderen Schulweg gehen müssen.» Dies sei aber zumutbar, da solche Tage an einer Hand abzuzählen seien.

Den Schlussbericht des Versuchsprojekts hat Holzer vor einer Woche der zuständigen Fachgruppe vorgelegt. «Da der Versuch mehrheitlich positiv ausgefallen ist, sollen nun auch andere Gemeinden vom System überzeugt und integriert werden.» Insgesamt gehören 13 Gemeinden der Regionalplanungsgruppe Oberthurgau an, unter anderem auch die Städte Romanshorn, Amriswil und Arbon.

«Wenn alle mitziehen würden, könnte einiges an Salz und Einsatzzeit der Fahrzeuge gespart werden. Ausserdem hätten wir im ganzen Gebiet auf vergleichbaren Streckenabschnitten ähnliche Strassenverhältnisse»

Und das wäre laut Holzer für alle Beteiligten eine grosse Erleichterung.

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