Egnach
«Ein Leuchtturmprojekt für den Oberthurgau»: Der Kavallerieverein Egnach und Umgebung ist dem Ziel einer neuen Reithalle nahe

Der Verein steht seit drei Jahren sozusagen auf der Strasse. Jetzt will er für 1,5 Millionen Franken eine neue Reithalle unmittelbar an der Grenze zu Arbon bauen. Einige Nachbarn in Frasnacht machen sich wegen des Mehrverkehrs und Lärm an Veranstaltungen Sorgen.

Markus Schoch
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Informierten letzte Woche die Bevölkerung über die neue Reithalle, deren Dimensionen Visiere anzeigen: Projektleiterin Annette Notz, Arbons Stadtpräsident Dominik Dietzi, Roggwils Gemeindepräsident Gallus Hasler und Egnachs Gemeindepräsident Stephan Tobler.

Informierten letzte Woche die Bevölkerung über die neue Reithalle, deren Dimensionen Visiere anzeigen: Projektleiterin Annette Notz, Arbons Stadtpräsident Dominik Dietzi, Roggwils Gemeindepräsident Gallus Hasler und Egnachs Gemeindepräsident Stephan Tobler.

Bild: Andrea Stalder

Der Kavallerieverein Egnach und Umgebung ist heimatlos geworden. Die Mitglieder trainierten die letzten 30 Jahre in der Reithalle Langgreut. Seit Frühling 2018 steht sie aber nicht mehr zur Verfügung. Der Vorstand konnte sich mit den Besitzern des Grundstücks nicht auf eine Verlängerung des Baurechtsvertrags einigen. Der 1913 gegründete Traditionsverein mit 200 Mitgliedern kämpft seither ums Überleben. Den Betrieb aufrechterhalten kann er nur, weil andere Vereine und Private den Reiterinnen und Reitern aus dem Oberthurgau vorübergehend die Türen geöffnet haben.

Kavallerieverein

Breit aufgestellt

Der Kavallerieverein setzt sich für die Förderung des Reit- und Fahrsports und den korrekten Umgang mit Pferden ein. Er zählt rund 60 Aktivmitglieder und führt jährlich Spring- und Fahrturniere sowie Vereinsdressur und Gymkhana durch. Die Juniorenabteilung ist das Herzstück. Die Jugendlichen können wählen zwischen Voltige, Longenkursen, Reitkursen und Vier- und Fünfkampf. (mso)

Jetzt können die Verantwortlichen neue Hoffnung schöpfen. Der Kavallerieverein hat im letzten November eine 14'000 Quadratmeter grosse Parzelle an der Verbindungsstrasse von Frasnacht und Fetzisloh übernommen und dafür eine gleich grosse Liegenschaft hinter dem Bahnhof Neukirch-Egnach eingetauscht.

Auf dem Grundstück im Gebiet Vogelsang zwischen Domino-Siedlung und Autobahnzubringer will der Verein für insgesamt 1,5 Millionen Franken eine neue Reithalle bauen. Das Baugesuch lag diesen Frühling auf, Einsprachen gingen keine ein. Im besten Fall könnten sie im Herbst mit den Bauarbeiten beginnen, sagte Projektleiterin Annette Notz letzte Woche an einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung vor Ort.

Gemeinderat steht hinter dem Projekt

Rund 25 Personen liessen sich letzte Woche vor Ort über das Projekt informieren.

Rund 25 Personen liessen sich letzte Woche vor Ort über das Projekt informieren.

Bild: Andrea Stalder

Der Gemeinderat Egnach hat die Baubewilligung zwar noch nicht erteilt. Er steht dem Projekt aber sehr positiv gegenüber. Gemeindepräsident Stephan Tobler sagt:

«Wir werden sicher nicht diejenigen sein, die es verhindern.»

Wenn ein Verein die Kraft und den Mut habe, ein solches Vorhaben zu realisieren, verdiene er jede Unterstützung. «Es ist eine gute Sache.» Die Behörde wäre stolz darauf, wenn die lange und sportlich erfolgreiche Vereinsgeschichte mit dem Neubau um ein weiteres Kapitel verlängert werden könnte, machte Tobler klar. «Ich bin guten Mutes, dass es klappt.»

Die Visiere zeigen die Dimensionen des Baus an.

Die Visiere zeigen die Dimensionen des Baus an.

Bild: Andrea Stalder

Ähnlich sieht es der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi. Die geplante Reithalle sei ein Plus für den gesamten Oberthurgau. Die Stadt leiste deshalb gerne einen Beitrag an das Projekt. Sie beteiligt sich mit 25'000 Franken an den Investitionen. Auch Roggwil lässt sich die neue Reithalle etwas kosten, konkret 20'000 Franken, sagt Gemeindepräsident Gallus Hasler.

«Ein solches Projekt dürfen und müssen wir unterstützten.»

Egnach als Standortgemeinde leistet eine Anschubfinanzierung im Umfang von 50'000 Franken, gewährt dem Kavallerieverein darüber hinaus ein Darlehen von 40'000 Franken und zahlt während fünf Jahren insgesamt 25'000 Franken für Bandenwerbung. «Die geplante Reithalle ist ein Leuchtturm für die Region», sagte Tobler.

Viele Vereine seien in der Krise, weil sie überaltert seien oder niemanden finden würden, der im Vorstand Verantwortung übernehmen wolle. Der Kavallerieverein investiere mit Erfolg viel in die Jugendarbeit und sei auch sonst gut aufgestellt. Ohne die nötige Infrastruktur habe er keine Zukunft, sagte Arbons Stadtpräsident Diezi.

Anwohner sind teilweise skeptisch

30 Jahre lang trainierten die Mitglieder des Kavallerievereins in Langreut.

30 Jahre lang trainierten die Mitglieder des Kavallerievereins in Langreut.

Bild: Andrea Stalder

Einzelne Anwohner sind weniger erfreut über die Aussicht, bald eine Reithalle in der Nachbarschaft zu haben. Sie befürchten Mehrverkehr und Lärm bei Veranstaltungen. Die Vereinsvertreter versuchten, die Bedenken zu entkräften. Die Trainings besuchten in der Regel sechs bis zehn Reiter, die teilweise direkt auf dem Rücken des Pferdes kommen würden, sagten sie. Und die anderen mit den Rössern im Anhänger würden langsam fahren. Er habe lange Jahre neben einem Reitstall gewohnt und sehe das Problem nicht, sagte ein Veranstaltungsteilnehmer an die Adresse der Kritiker.

Neue Reithalle

Bau in zwei Etappen

Das Projekt sieht den Bau einer Halle mit einer Reitfläche von rund 62 mal 29 Metern und eines Aussenplatzes von 47 mal 70 Metern im Endausbau vor. Die Dimensionen sind so gewählt, dass regionale und nationale Turniere sowie verschiedene Ausbildungskurse durchgeführt werden können. Die Reithalle ist rollstuhlgängig und soll bei Bedarf mehrfach genutzt werden können, beispielsweise für einen Mittagstisch. 
Damit der Verein die Investition tragen kann, will er das Projekt in zwei Etappen realisieren. Ziel der ersten Bauetappe ist der regelmässige Trainingsbetrieb und die Durchführung von kleineren Turnieren. Die Kosten dafür belaufen sich auf 1,3 Millionen Franken. In der zweiten Bauetappe möchte der Verein den Aussenplatz vergrössern und den Innenausbau vollenden. Die Finanzierung erfolgt mittels Eigen- (Vereinsvermögen, Sponsoring) und Fremdkapital. (mso)

Bei Turnieren und anderen Anlässen werde selbstverständlich mehr los sein, was aber zum Vorteil für die Anwohner sein soll und nicht zu deren Nachteil, sagte Projektleiterin Notz.

«Die Reithalle soll zu einem Treffpunkt und einem Ort der Begegnung werden.»

Wie der Verkehr in solchen Fällen genau geführt wird und wo die allenfalls zusätzlich nötigen Parkplätze sein werden, ist noch nicht bestimmt. Es werde sich aber sicher eine für alle befriedigende Lösung finden lassen, sagte Gemeindepräsident Tobler. Stadtpräsident Diezi bat um Vertrauen:

«Der Verein ist sicher nicht interessiert an einem Kleinkrieg mit Ihnen.»

Die offenen Fragen sollen in einem Betriebskonzept geregelt werden. Weil plötzlich alles sehr schnell gegangen sei, hätten sie noch keine Zeit gehabt, alle Details zu regeln, sagte Notz.

Kanton lässt nicht viel Spielraum bei der Wahl des geeigneten Standorts

Plan der Reithalle mit Aussenplatz. Links im Bild ist der Autobahnzubringer zu erkennen.

Plan der Reithalle mit Aussenplatz. Links im Bild ist der Autobahnzubringer zu erkennen.

Bild: PD

Kritik am Standort direkt neben einer Wohnsiedlung liess Egnachs Gemeindepräsident Tobler nicht gelten. Als es bei der Zonenplanrevision 2017 darum gegangen sei, eine Fläche für den Bau einer neuen Reithalle auszuscheiden, habe der Kanton ausdrücklich auf die Nachbarschaft zu einem bestehenden Baugebiet bestanden. «Etwas anderes ist raumplanerisch nicht erwünscht», stellte Tobler klar. Spielraum gebe es keinen.