Egnach
«Das macht mich echt wütend»: Mann wirft der Behörde Inkompetenz und Respektlosigkeit vor – Grund sind mehrere Nachtragskredite für die Dreifachsporthalle

Für den Bau der Dreifachturnhalle in Egnach hat die Bevölkerung einen Kredit von 12,5 Millionen Franken gutgeheissen. Doch bei diesem Betrag bleibt es nicht: Vor Kurzem hat der Gemeinderat die Mehrkosten bekanntgegeben. Und die kommen nicht bei allen gut an.

Tanja von Arx
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Blick auf Neukirch: Rechts die neue Dreifachturnhalle und die Sportplätze.

Blick auf Neukirch: Rechts die neue Dreifachturnhalle und die Sportplätze.

Manuel Nagel

Es sind happige Zeilen. Ein Mann wirft der Egnacher Behörde in einem Leserbrief Inkompetenz und grosse Respektlosigkeit vor. «Langsam bin ich es gewohnt, dass uns der Bundesrat belügt, aber dass dies unser Gemeinderat bei uns tut, macht mich echt wütend!» Des Weiteren stellt er in Frage, ob dessen Vorgehen überhaupt legitim war. Es geht um die Dreifachturnhalle im Ortsteil Neukirch, die nach dem Ja der Bevölkerung zu einem Kredit von 12,5 Millionen Franken gebaut worden ist; es handelt sich um das teuerste Projekt in der Gemeindegeschichte (unsere Zeitung berichtete).

Bei 12,5 Millionen ist es nicht geblieben

Was dem Mann sauer aufstösst: Bei den 12,5 Millionen sei es nicht geblieben. Sondern der Gemeinderat hat seiner Rechnung nach, «während der ganzen Bauzeit, infolge Fehlberechnungen und ohne das Volk darüber zu orientieren», nachträglich mehrere Kredite in Höhe von insgesamt 792’204 Franken gesprochen. Und jetzt würde die Behörde sogar noch öffentlich damit prahlen, dass sich die Kredite auf lediglich 121’204 Franken belaufen würden.

«Der Gemeinderat kommuniziert, dass die Baukommission umsichtig gearbeitet hat, und dem Architekten sowie diversen Bauunternehmen wird für das gelungene Werk gedankt. Ich finde, dies entspricht nicht ganz der Wahrheit!»

Er verlangt eine Richtigstellung an der nächsten Gemeindeversammlung.

Die Gemeinde widerspricht

Stephan Tobler, Gemeindepräsident von Egnach.

Stephan Tobler, Gemeindepräsident von Egnach.

Donato Caspari

Auf Nachfrage sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler:

«Ich wüsste nicht, was es da richtigzustellen gäbe.»

Auf die Vorwürfe zu Inkompetenz, Respektlosigkeit und Fehlberechnungen geht er nicht ein. «Das kann man schon das Gefühl haben, wenn man es möchte.» Allerdings: «Wir haben sämtliche Mehrkosten transparent im Lokalanzeiger dargestellt.» Die Nachtragskredite seien für Posten gesprochen worden, «von denen man zum Zeitpunkt der Planung nichts gewusst hat». Dazu zähle etwa eine Beschallungsanlage für die Aussenplätze, bessere Betonqualität für die Böden mit Blick auf den Bodendruck und eine zeitgemässere Bewässerungsanlage für die Sportplätze, die es letztlich erlaube, sowohl Wasser als auch Manpower einzusparen.

«Das haben wir alles nachträglich festgestellt»

Tobler betont: «Das haben wir alles nachträglich festgestellt.» Was der Leserbriefschreiber mit den «zusätzlichen» Kosten weiterhin vermutlich meine, seien Projekte, die nicht die Turnhalle per se beträfen. «Da der Platz nicht ausreichte, haben wir etwa im Nachhinein den Werkhof im Untergeschoss der alten Turnhalle untergebracht.» Zudem sagt Tobler: «Sogar nach der Rechnung des Mannes wären wir im Rahmen geblieben, denn ein Plus oder Minus von zehn Prozent ist bei Bauten gemäss SIA-Bestimmungen gestattet.» Darüber gebe es einen Vertrag mit den Architekten. «Der Kanton stellt Bauabrechnungen indes in der gleichen Form dar, Nachtragskredite werden dazugezählt.» Schliesslich: Geprahlt habe der Gemeinderat nicht, sondern die Bauabrechnung sachlich dargestellt. «Eine Kostenunterschreitung hätte der Gemeinderat auch lieber gesehen.»

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