Egnach
Das frühere Thurella-Areal wird zum Dorfzentrum: Die Mettler2Invest will im nächsten Jahr mit dem Bau der ersten Etappe beginnen

Geplant sind rund 160 Wohnungen mit einem zentralen Platz auf der Bahnhofstrasse. Das Restaurant Sternen soll erneuert werden, im Mostereigebäude ist ein Café mit Gewerberäumen und Lofts angedacht. Gegenüber den Ideen der Organisation Thinkpact Zukunft sind die Investoren grundsätzlich offen. Das Denklabor will in Egnach rund um den Bahnhof ein Dorf bauen, das neue Massstäbe setzen soll.

Markus Schoch
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So könnte der Dorfplatz dereinst aussehen.

So könnte der Dorfplatz dereinst aussehen.

Bild: PD

Vor acht Jahren stellte die Thurella ihre Pläne für die Umnutzung ihres einstigen Betriebsgeländes direkt am Bahnhof der Öffentlichkeit vor. Jetzt könnten sie endlich Wirklichkeit werden. Der Gestaltungsplan für das fast 20'000 Quadratmeter grosse Gelände liegt beim Kanton zur Genehmigung. «Wir hoffen, dass er noch in diesem Jahr in Kraft gesetzt wird», sagt Roland Ebneter. Er ist Projektleiter bei der Mettler2Invest, die 2018 als Entwicklerin der Industriebrache eingestiegen ist und das Areal kauft, wenn ein rechtskräftiger Gestaltungsplan vorliegt. Ebneter hofft, dass dieser Moment nicht mehr allzu fern ist. Wenn alles glatt läuft, könnten die Bauarbeiten bereits in einem Jahr beginnen, sagt der Architekt.

Blick von oben auf das Thurella-Areal (rot eingerahmt).

Blick von oben auf das Thurella-Areal (rot eingerahmt).

Bild: PD

Entstehen soll das neue Dorfzentrum mit rund 160 Wohnungen (2 ½ bis 5 ½ Zimmer) und einem grossen Platz, wo sich die Bevölkerung trifft. «Wir wollen Leben in die Gemeinde bringen», sagt Kurt Müller, der wie Ebneter Immobilienentwickler ist. Für dieses Leben sorgen sollen dereinst nebst dem sanierten Restaurant Sternen mit Saal Gewerbetreibende im Erdgeschoss der Neubauten auf der anderen Strassenseite. Ebneter könnte sich dort gut einen Coiffeur oder einen Bäcker vorstellen. Der Volg wäre ebenfalls ein attraktiver Mieter. Der Detailhändler bleibt gemäss Ebneter aber dort, wo er ist: etwas weiter oben an der Bahnhofstrasse.

Im Mostereigebäude soll es sieben Loftwohnungen geben

Kurt Müller und Roland Ebneter von Mettler2Invest vor dem ehemaligen Mostereigebäude mit einem Plan der Überbauung,

Kurt Müller und Roland Ebneter von Mettler2Invest vor dem ehemaligen Mostereigebäude mit einem Plan der Überbauung,

Bild: Reto Martin

Das ehemalige Mostereigebäude mit seiner charakteristischen Backsteinfassade wird entgegen den ursprünglichen Ideen nur beschränkt öffentlich zugänglich sein. Geplant waren im Erdgeschoss anfänglich Läden für den Verkauf von Produkten des täglichen Bedarfs und eine Schau-Brennerei mit Verkaufsraum. Öffnen wird jetzt voraussichtlich ein Café, das auch lokale Spezialitäten anbietet. «Denkbar wären aber auch andere Gewerbenutzungen, die sich für eine Belebung des Platzes eignen würden», sagt Ebneter. Der Spielraum ist allerdings beschränkt. Der Immobilientwickler erklärt:

Roland Ebneter von Mettler2Invest.

Roland Ebneter von Mettler2Invest.

Bild: Reto Martin
«Wir haben uns lange mit dem Thema beschäftigt.»

Vieles wie beispielsweise eine Erlebnisgastronomie oder Zimmer für Velofahrer würden sich nicht rechnen, habe eine umfassende Marktanalyse eines Experten ergeben. «Uns schweben deshalb in den oberen Geschossen des Mostereigebäudes sieben spezielle Loftwohnungen vor», sagt Ebneter. Angedacht waren dort ursprünglich Arbeitsräumlichkeiten.

Der Platz als Teil der verkehrsberuhigten Bahnhofstrasse wird erst in einer zweiten Phase erstellt. Denn die Mettler2Invest will die Überbauung auf dem Thurella-Areal etappieren: Zuerst kommen die 65 Wohnungen im westlichen Bereich auf den Markt, anschliessend die restlichen 94 auf der Ostseite. Büroflächen sind im Bauprogramm nicht vorgesehen. Denn das ehemalige Bürogebäude der Thurella an der Bucherstrasse bleibt stehen.

Für eine Vision will die Mettler2Invest nicht von vorne beginnen

Visualisierung der geplanten Überbauung.

Visualisierung der geplanten Überbauung.

Bild: PD

Grundsätzlich offen ist die Mettler2Invest gegenüber den Ideen der Organisation Thinkpact Zukunft, die über einen Verein die Entwicklung des Dorfzentrums von Egnach in neue Bahnen lenken will. Das Denklabor sieht im Zusammenhang mit den geplanten Überbauungen auf dem Thurella-Areal und dem Luxburgerfeld auf der anderen Seite des Bahnhofs eine einmalige Chance, im grossen Stil neue Arbeits- und Lebensformen zu gestalten und das Dorf der Zukunft zu schaffen. Was aber nur geht, wenn die jeweiligen Eigentümer mitmachen.

«Innovative und kreative Ideen, die Anklang finden und gefragt sind, nehmen wir gerne auf», schreibt die Mettler2Invest in einer Stellungnahme. Projektoptimierungen in Richtung vermehrter Nachhaltigkeit, einer ökologischeren Wohn- und Lebensraumgestaltung sowie neuer sozialer Bedürfnisse sehe das Unternehmen als möglich an. Mit dem geplanten Projekt werde ohnehin bereits grossen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. «Einen Stopp oder einen Neustart unserer bisherigen Arbeiten schliessen wir aber aus.»

Engere Zusammenarbeit ist möglich

Bis jetzt seien sie lediglich in einem lockeren Gedankenaustausch mit den Initianten des Zukunftsdorfes, schreibt die Mettler2Invest.

«Sollte es sich ergeben, dass sich eine Grosszahl von Personen von der Vision der Organisation angesprochen fühlt, könnten wir uns vorstellen, enger mit ihr zusammenzuarbeiten.»

Dabei müsste geprüft werden, wie sich die Vorstellungen des Denklabors mit dem bestehenden Gestaltungsplan umsetzen lassen.

Plan der Überbauung auf dem Thurella-Areal.

Plan der Überbauung auf dem Thurella-Areal.

Bild: PD

Sie seien sich der städtebaulich besonderen Ausgangslage und der damit verbundenen Verantwortung bewusst, sagt Immobilienentwickler Ebneter. Bereits vor sieben Jahren habe deshalb die Thurella die Firma Intosens AG – Urban Solutions beauftragt, innovative Nutzungsmöglichkeiten des Areals rund um den Bahnhof zu prüfen. «Die damaligen Ideen sind in die Gesamtkonzeption unseres Projektes eingeflossen.»

Mostereigebäude

Kulturelle Zwischennutzung

Der Egnacher Verein Kerngehäuse wird das ehemalige Mostereigebäude im nächsten Jahr von Anfang März bis Ende Mai für kulturelle Veranstaltungen zwischennutzen. Der 2’500 Quadratmeter grosse Keller wird zum Ausstellungsraum. Das Programm steht bereits mehr oder weniger. Im Erdgeschoss wird es ein Gastroangebot und eine Bühne geben. (mso)

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