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EDU fragt nach Thurgauer Schuld durch Asylpolitik während der Nazidiktatur

Kantonsrat Daniel Frischknecht ist an einem Gedenkmarsch zur Gründung Israels mit der knallharten Thurgauer Flüchtlingspolitik in der Hitlerzeit konfrontiert worden. Er wundert sich, weshalb weder er noch sein Sohn in der Schule davon gehört haben.
Thomas Wunderlin
Schweizerisch-deutsche Landesgrenze bei Kreuzlingen: Im Zweiten Weltkrieg war hier kaum ein Durchkommen. (Bild: Nana do Carmo)

Schweizerisch-deutsche Landesgrenze bei Kreuzlingen: Im Zweiten Weltkrieg war hier kaum ein Durchkommen. (Bild: Nana do Carmo)

Wie sich der Regierungsrat zur «schuldbeladenen Geschichte des Kantons Thurgau gegenüber den – meist jüdischen – Flüchtlingen» in der Nazi-Zeit stellt, dazu hat Daniel Frischknecht eine Einfache Anfrage eingereicht.

Daniel Frischknecht . (Bild:PD)

Daniel Frischknecht . (Bild:PD)

Auch will der Romanshorner EDU-Kantonsrat wissen, ob es je von Seiten der Thurgauer Regierung ein Schuldgeständnis gegeben habe. «Ehrliche Aufarbeitung oder verdrängendes Schweigen?», heisst es im Untertitel des Vorstosses. Bezug nehmend auf den Bericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (Bergier-Kommission) fragt Frischknecht, ob die Lehrmittel wie im Kanton Zürich an die neue Faktenlage angepasst wurden.

Für den Thurgau war das Boot voll

Anlass des Vorstosses ist ein Gedenkmarsch zum 70-jährigen Bestehen Israels. Die Teilnehmer des von freikirchlichen Kreisen organisierten «Marsch des Lebens für Israel» brachen am Ostermontag 2018 von Konstanz Richtung Genf auf. Thematisiert wurde laut Frischknecht auch die «Boot-ist-voll»-Haltung des Thurgauer Polizeikommandanten Ernst Haudenschild. Was man alles zu Ohren bekommen habe, hat laut Frischknecht «die Frage aufkommen lassen, wieso solche Informationen nicht unsern Thurgauer Schulunterricht erreichen». Er habe in seiner Zeit als Zweitwegmaturand nichts von der harten Thurgauer Flüchtlingspolitik mitbekommen, sagt Frischknecht auf Anfrage. Auch sein Sohn habe in der Schule nichts davon gehört.

Fehlende Akten der Flüchtlingspolitik

In der Beantwortung, für die er zwei Monate Zeit hat, kann der Regierungsrat an seine Stellungnahme vom 12. September 2002 erinnern. Darin schrieb er, die Untersuchungen der Bergier-Kommission müssten in Bezug auf den Kanton Thurgau «zum Nachdenken anregen». Wer Lehren aus der Geschichte ziehen wolle, sei gut beraten, wenn er sich auf die Forschungsresultate einlasse, auch wenn sie wenig schmeichelhaft seien. Eine breit angelegte Untersuchung sei allerdings nicht mehr möglich, da die Unterlagen der kantonalen Fremdenpolizei Ende der 50er-Jahre «gesetzeswidrig» vernichtet worden seien. Der Regierungsrat unterstützte deshalb ein Buchprojekt des Historikers Georg Spuhler mit 50000 Franken, der die Geschichte des Flüchtlings Rolf Merzbacher aufarbeitete («Gerettet – zerbrochen», 2011 erschienen). Da Merzbacher in der Psychiatrie landete, wurden seine Akten nicht vernichtet.

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