Ajoie-Topskorer Devos: «Du wirst nicht Zweiter mit nur zwei Spielern»

Ajoies Topskorer Philip-Michael Devos ist in vielerlei Hinsicht der Schlüssel zum Erfolg – sowohl für die Jurassier wie auch für den HC Thurgau. Gelingt es den Thurgauern, den 28-jährigen Frankokanadier im Playoff-Viertelfinal aus dem Spiel zu nehmen, wachsen ihre Siegeschancen exponentiell. Am Freitag um 20 Uhr empfangen die Jurassier den HCT zum Auftaktspiel in Pruntrut.

Matthias Hafen
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Der Kanadier Philip-Michael Devos (links, gegen Oltens Stanislav Horansky) spielt seine vierte Saison mit dem HC Ajoie. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus, Olten, 18. Januar 2019)

Der Kanadier Philip-Michael Devos (links, gegen Oltens Stanislav Horansky) spielt seine vierte Saison mit dem HC Ajoie. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus, Olten, 18. Januar 2019)

Zwar erzielte Philip-Michael Devos in der Qualifikation «nur» 19 Tore – und damit weniger als Thurgaus Cody Wydo (23) und Kenny Ryan (21) –, seine 56 Assists machen aber deutlich, wie wichtig der Quebecer für den HC Ajoie ist. 

Wenn Leute über den HC Ajoie sprechen, dann sprechen sie fast nur über Sie und ihren Landsmann Jonathan Hazen. Nervt Sie das?

Nein, wieso sollte es? Sie sprechen ja über uns, weil wir so gut Eishockey spielen. Und das ehrt uns. Zudem nimmt das den Fokus von anderen Spielen, was auch nicht schlecht ist.

Sind denn die anderen Spieler beim HC Ajoie überhaupt noch relevant, wenn die Mannschaft die besten zwei Skorer der ganzen Liga stellt?

Natürlich haben Jonathan Hazen und ich einen grossen Einfluss auf unser Spiel. Aber du wirst nicht Zweiter der Qualifikation mit nur zwei Spielern. Bei uns tragen alle zum Erfolg bei. Wir haben ja ligaweit auch am wenigsten Gegentore erhalten in dieser Saison – knapp vor dem HC Thurgau übrigens.

Sie kennen offensichtlich eine der Qualitäten Ihres Playoff-Gegners. Was wissen Sie sonst noch über den HC Thurgau?

Die Thurgauer haben eine sehr ausgeglichene Mannschaft. Qualitativ gibt es kein grosses Gefälle zwischen der ersten Linie und der vierten. Das macht es für uns nicht einfach. Für uns heisst das: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Und ich bin sehr froh, dass wir in dieser Best-of-7-Serie den Heimvorteil haben.

Aber der HC Ajoie hat den HCT in dieser Saison in allen vier bisherigen Begegnungen bezwungen. Was macht Sie nun so misstrauisch?

Zu Hause haben wir zweimal nur mit 2:1 gewonnen, auswärts lautete das Resultat einmal 3:0, einmal 5:2. Das waren alles sehr enge Spiele. Zudem hat sich das Gesicht der gegnerischen Mannschaft verändert. Ich denke da zum Beispiel an die Verstärkungsspieler Léonardo Fuhrer und Kay Schweri von Rapperswil-Jona.

Hätten Sie lieber einen anderen Playoff-Gegner gehabt?

Wissen Sie, die Alternative wäre aufgrund der Resultate der EHC Visp gewesen – auch dorthin wären die Reisen für uns lange gewesen. Insofern spielt es mir keine Rolle. Wir müssen uns ohnehin auf uns und unser Spiel fokussieren.

Was spricht dagegen, dass die Playoff-Serie Ajoie – Thurgau zu einer Devos-Show wird?

Ich gehe nicht aufs Eis und nehme mir vor, dass ich möglichst viele Skorerpunkte mache. Mein Anspruch ist es, stets so smart wie möglich zu spielen. Um das zu können, denke ich immer und überall ans Spiel. Auch jetzt, wo ich mit Ihnen rede.

Verraten Sie uns noch ein Geheimnis?

Welches denn?

Wo nehmen Sie die Energie her, um praktisch in jedem Spiel 20 Minuten oder mehr auf dem Eis zu stehen, weil Sie von Trainer Gary Sheehan so oft eingesetzt werden?

Ich muss immer wieder lachen, weil das in der Schweiz offensichtlich ein so grosses Thema ist. Ich denke jedenfalls nicht, dass ich übermässig viel spiele. Schauen Sie sich die NHL an. Dort kommt Edmontons Captain Connor McDavid auf rund 23 Minuten pro Spiel. Solche Zahlen sind in Übersee gang und gäbe – und die haben 82 Qualifikationsspiele pro Saison, nicht 44 wie wir.

Also steckt noch genug Energie in Ihnen für ein langes Playoff?

Zweifellos. Ich liebe es zu spielen. Als Eishockeyprofi habe ich den besten Beruf der Welt. Die Freude, die mir dieser Sport gibt, generiert ja auch wieder Energie, die ich nutzen kann.

Thurgaus dritter Ausländer fürs Playoff

Die Karriere von Adam Rundqvist machte in der Vergangenheit mehrere Knicks. Doch in dieser Saison hat der HC Thurgau dank des 28-jährigen Stürmers quasi einen dritten Ausländer. Das könnte sich im Playoff-Viertelfinal ausbezahlen. Das erste Spiel beginnt heute um 20 Uhr in Pruntrut.
Matthias Hafen