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Schussabgabe in einem Bürgler Club: Drei Männer müssen wegen Racheakt ins Gefängnis

Das Bezirksgericht Weinfelden verurteilt zwei Rheintaler zu Gefängnisstrafen von fünfeinhalb und gut drei Jahren. Sie hatten Sicherheitsleute in einem Bürgler Club mit einer geladenen Waffe bedroht und auch einen Schuss abgegeben. Der dritte Mann, Lieferant der Waffe mit Munition, muss für 20 Monate ins Gefängnis.
Mario Testa
Der Verhandlungssaal des Bezirksgerichts im Rathaus Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Der Verhandlungssaal des Bezirksgerichts im Rathaus Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Das Bezirksgericht Weinfelden hat heute die Urteile gegen drei Männer gesprochen, die im April 2017 an einer Schussabgabe beim Bürgler Club Wunderlampe beteiligt waren. Wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, mehrfacher Gefährdung des Lebens sowie weiteren Straftatbestände müssen sie nun ins Gefängnis.

Der 28-Jährige Hauptangeklagte und sein 27-jähriger Kollege feierten im April 2017 im Club. Es kam zu einer Prügelei, welche mit einem Rausschmiss für die beiden endete. Die beiden - angetrunken und unter Kokain-Einfluss - wollten sich daraufhin bei den Sicherheitsbeamten rächen, fuhren im Taxi nach Uzwil, besorgten sich dort bei einem Kollegen einen Revolver mit Munition und kehrten nach Bürglen zurück.

Schussabgabe in Richtung des Flüchtenden

Vor dem Club bedrohten der Hauptangeklagte die Sicherheitsleute mit der Waffe, schlugen sie einem auch auf den Kopf. Als dieser wegrannte, nahm der Angeklagte die Verfolgung auf gab einen Schuss in die Häuserflucht ab, in die der Mann floh. Die Vorsitzende Richterin Claudia Spring sagt bei der mündlichen Urteilsverkündung:

«Von einem Warnschuss kann keine Rede sein. Dort, wo Sie hin geschossen haben, waren kurz zuvor noch Leute. Sie konnten nicht wissen und beeinflussen, ob diese noch dort sind. Es ist reiner Zufall, dass niemand getroffen wurde.»

Die Staatsanwaltschaft Thurgau hatte für den Hauptangeklagten acht Jahre und für den Mittäter 4,5 Jahre Freiheitsstrafe gefordert. In den meisten Anklagepunkten folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Schuldig sind beide Männer in folgenden Punkten:

  • Versuchte eventualvorsätzliche Tötung
  • Mehrfache Gefährdung des Lebens
  • Nötigung
  • Raufhandel
  • Einfache Körperverletzung
  • Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (teils mehrfach begangen)

Freisprüche erfolgen in den Anklagepunkten der Entführung des Taxifahrers. Das Gericht wertet die Drohungen gegen den Mann als Nötigung und nicht als Entführung, da er zwar bedroht, aber nicht gegen seinen Willen an einen ungewünschten Ort gebracht wurde.

Haftstrafen bis zu fünfeinhalb Jahre

Das Strafmass für den 28-jährigen Hauptangeklagten - der auch wegen Pornografie sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz verurteilt wird - beträgt 5 Jahre und 6 Monate Freiheitsstrafe, eine Geldstrafe von 300 Franken (5 Tagessätze) sowie eine Busse von 400 Franken.

Das Strafmass für den 27-jährigen Mittäter - der auch wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand sowie Übertretung der Verkehrszulassungsverordnung verurteilt wird - beträgt 3 Jahre und 2 Monate Freiheitsstrafe, eine Geldstrafe von 5400 Franken (180 Tagessätze, inkl. einer widerrufenen Geldstrafe von einem früheren Schuldspruch) sowie eine Busse von 150 Franken.

Der dritte Beschuldigte, der den beiden in Uzwil den Revolver mit Munition ausgehändigt hatte, wird wegen Gehilfenschaft in den oben genannten Punkten - sowie mehrfachen Widerhandlungen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz - zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten und einer Busse von 400 Franken verurteilt. «Sie haben selbst gesagt, der Hauptangeklagte sei blutüberströmt und aggressiv gewesen, als er bei Ihnen ankam. Sie hätten ihm die Waffe mit Munition nie aushändigen dürfen», sagt Richterin Spring zum 28-Jährigen.

Verteidiger meldet Berufung an

Die Angeklagten nehmen die Schuldsprüche stoisch, teils mit Tränen in den Augen zur Kenntnis. Nebst den Freiheitsstrafen müssen sie jeweils auch fünfstellige Summen der Prozess- und Verfahrenskosten, sowie Schadenersatz und Genugtuungen übernehmen. Ein Verteidiger der Angeklagten kündigt bereits nach der Urteilsverkündung an, in Berufung zu gehen.

Seitens der Staatsanwaltschaft Thurgau ist man zufrieden mit den Urteilen. «Wir werden nun noch die schriftliche Urteilsbegründung abwarten», sagt Marco Breu, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau. «In den wesentlichen Punkten sieht es das Gericht ähnlich wie wir von der Staatsanwaltschaft. Das Strafmass ist nachvollziehbar»

Im Namen des fünfköpfigen Gerichts sagt die vorsitzende Richterin Claudia Spring bei der Urteilsverkündung zum Schlss an die drei Männer gerichtet.

«Was passiert ist in dieser Nacht, war gravieren. Sie hat das Leben für mehrere Personen nachhaltig verändert. Sie wären mit dem Taxi besser nach Hause gefahren als nach Uzwil, um sich die Waffe zu besorgen.»

Keine Entschuldigung für die Tat sei der Drogen- und Alkoholkonsum der beiden. Wegen der Tat gebe es nun nachhaltig traumatisierte Leute.

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