Drastische Massnahmen: Romanshorn stundet im Zuge der Coronakrise Mietern und Pächtern die Zinsen − und das für drei Monate

Romanshorn stundet den Mietern und Pächtern die Zinsen für neunzig Tage. Davon profitieren unter anderem verschiedene Pächter auf öffentlichem Grund im Seepark und entlang der Hafenpromenade. In den anderen Oberthurgauer Städten sieht es ähnlich aus. Amriswil will sogar noch einen Schritt weitergehen.

Tanja von Arx
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Betroffen sind Pächter im Seepark Romanshorn.

Betroffen sind Pächter im Seepark Romanshorn.

(Bild: Manuel Nagel)

«Wir wollen eventuelle Härtefälle nach Möglichkeit mindern», schreibt der Romanshorner Stadtrat in einem Brief an die Gewerbetreibenden. Mit Blick auf die Coronakrise heisst es weiter: «Wir sind uns der anspruchsvollen Lage bewusst, in der sich Selbständige befinden.» Und zwar solche, die in einem Miet- oder Pachtverhältnis mit der Stadt stehen. Deshalb hat die Behörde weitreichende Massnahmen ergriffen.

Geltend für die nächsten drei Monate

Wie einem Communiqué ferner zu entnehmen ist, stundet sie den Mietern und Pächtern die Zinsen – und das gleich für neunzig Tage. Das heisst, die entsprechenden Beträge werden erst nach Ablauf von drei Monaten fällig. Die Begründung:

«Die unbürokratische Stundung soll Zeit geben, um die konkreten Auswirkungen besser abschätzen und die Situation sorgfältig reflektieren zu können.»

Mehr als zehn Parteien würden profitieren, darunter verschiedene Pächter auf öffentlichem Grund im Seepark und entlang der Hafenpromenade. Auf Nachfrage, um welche Betriebe es sich denn konkret handle, sagt der städtische Kommunikationsverantwortliche Rolf Müller: «Aus Datenschutzgründen ist darüber keine Auskunft möglich.»

«Das ist eine vernünftige Lösung»

Thomas Schwager, Geschäftsleiter des Mieterverbands Ostschweiz, hält dies für eine vernünftige Lösung.

«In der aktuellen Lage haben sowohl Vermieter als auch Mieter Probleme. Es geht deshalb an, am gleichen Strang zu ziehen.»

Zumal die rechtliche Situation unklar sei. «Die Umstände können sich täglich ändern.» Am meisten benachteiligt seien ganz klar Selbständige und Mieter von Geschäftsliegenschaften, darunter Restaurants und Coiffeursalons, wegen der fehlenden Umsätze.

Amriswil denkt sogar über Erlass nach

Die Stadt Amriswil hat bereits vor über einer Woche bekanntgegeben, dass sie «ein Zeichen für das Gewerbe» setze. Man werde die Mietzinsen der gemeindeeigenen Gewerbeliegenschaften auf unbestimmte Zeit stunden, falls die Mieter ihre Läden aufgrund der Weisungen des Bundesrates schliessen mussten. Wie mit der beschlossenen Stundung am Ende der Krise umgegangen werde, will der Stadtrat noch offen lassen. Denkbar sei der komplette oder teilweise Erlass des Mietzinses. In der Stadt Amriswil betreffe das sechs Gewerbetreibende, verriet Stadtpräsident Gabriel Macedo am 27. März im Interview mit der «Thurgauer Zeitung». «Das sind zwei Coiffeusen, ein Kosmetiksalon, zwei Gastrobetriebe und ein Vereinslokal», zählte Macedo auf und machte gleich auch noch die Beweggründe für diesen Entscheid publik: «Die Stadt will sich mit diesem Entscheid solidarisch zeigen und helfen, die Liquidität der Unternehmen möglichst hoch zu halten.» Ausserdem wolle man eine Vorbildrolle einnehmen und private Vermieter dazu bewegen, gleichzuziehen. Macedo ist sich aber völlig bewusst, dass nicht jeder Vermieter die Möglichkeit dazu habe. Aber die Stadt könne das und deshalb wäre es falsch, darauf zu verzichten. (man)

Arbon berät sich

Bei der Stadt Arbon stellt man dieselben Überlegungen an wie in Romanshorn. Olivier Jacot, Projektleiter Stadtpräsidium, sagt auf Anfrage: «Stundungen sind an der Stadtratssitzung vom kommenden Montag traktandiert.» Dann werde im Detail beraten und entschieden. Bereits im Vorfeld hat Stadtrat Luzi Schmid, Ressort Einwohner und Sicherheit, gegenüber der TZ gesagt: «Möglich ist, die Miete im Seeparksaal bei Absagen zu erlassen.» Dies in Zusammenhang mit dem weitum bedauerten Ausfall der Fasnacht. Und weitergehend: «Geld zu geben, wäre wohl Sache eines Kulturfonds.» (tva)

Bischofszell hat bereits Absicht erklärt

Auch in der Rosenstadt ist eine Unterstützung der Stadt absehbar. «Wir haben im Stadtrat bereits darüber gesprochen und auch unsere Absicht erklärt, dass wir als Vermieterin denjenigen entgegenkommen, welche die Hilfe benötigen», sagt Stadtpräsident Thomas Weingart. Bei der nächsten Stadtratssitzung Mitte April werde man darüber entscheiden. Insgesamt seien es rund 20 Mietverhältnisse, gibt Thomas Weingart bekannt. «Dazu gehören einerseits Räumlichkeiten für das Gewerbe, wie etwa in der Kornhalle, aber es sind auch Parkplätze auf öffentlichem Grund oder Tiefgaragenplätze dabei», sagt der Stadtpräsident. Insgesamt spreche man von einem Gesamtvolumen von rund 43'000 Franken pro Monat. Ebenfalls wolle der Stadtrat den Gastrobetrieben entgegenkommen, deren Gebühr für die Benutzung öffentlichen Grundes in der nächsten Zeit eingefordert worden wäre. «Das sind 200 bis 300 Franken pro Saison, die ein Restaurant oder Café bezahlt, wenn es Stühle und Tische rausstellt – insgesamt um die 5000 Franken», so Weingart. Das seien jetzt nicht riesige Summen, dessen ist sich auch der Stadtpräsident bewusst. «Es geht hier aber um eine symbolische Geste», sagt Weingart. (man)

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