Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Bürglerin Fabienne Zenger unterstützt bei der Geburt: «Doula sein ist eine Herzensangelegenheit»

Fabienne Zenger ist eine von vier Doulas im Thurgau. Die 39-jährige, zweifache Mutter begleitet Frauen und Paare vor, während und nach der Geburt. Von ihrem Wissen profitieren die Frauen und ihre Männer.
Mario Testa
Doula Fabienne Zenger in ihrem Garten in Bürglen. (Bild: Mario Testa)

Doula Fabienne Zenger in ihrem Garten in Bürglen. (Bild: Mario Testa)

Weshalb engagieren Sie sich als Doula?

Fabienne Zenger: Ich wusste lange nicht, dass es solche Geburtsbegleiterinnen gibt. Kurz nachdem ich meinen Sohn auf die Welt brachte, habe ich eine Kollegin begleitet bei der Geburt. Da hab ich mich gefragt, warum es diesen Service nicht gibt. Ich bin der Sache nachgegangen und auf die Doulas gestossen.

Seit wann sind Sie nun selbst eine Doula?

Ich habe die Ausbildung im Jahr 2013 abgeschlossen. Unterdessen habe ich schon zwölf Frauen und deren Partner bei ihren Geburten begleitet.

An wen richtet sich denn das Angebot der Doulas?

Grundsätzlich richtet sich das Angebot an alle werdenden Eltern, die eine kontinuierliche Begleitung durch eine vertraute Person für die Zeit vor, während und nach der Geburt suchen. Als ich angefangen habe, ging ich davon aus, das betrifft vor allem Alleinstehende, aber bisher waren es immer Paare, die ich begleiten durfte. Als Doula kann ich auch den werdenden Vater gut unterstützen und in das Geburtsgeschehen einbinden.

Wie läuft die Kontaktaufnahme zu Ihnen als Doula ab?

Ich werde meist etwa vier Monate vor dem Entbindungstermin kontaktiert. Die Frauen finden über die Suche im Internet zu mir, manchmal werde ich auch empfohlen. Das kann eine Mutter sein, die mich bereits engagiert hat oder auch eine Beleghebamme, die keine freie Kapazität mehr hat. Es folgt dann ein erstes Kennenlerngespräch und wenn die Chemie stimmt weitere Gespräche bis hin zur Begleitung am Geburtstermin.

Sind Sie als Doula denn auch eine Hebamme?

Nein, meine Aufgabe liegt im emotionalen Bereich. Ich habe keinen medizinischen Auftrag und trage deshalb auch keine Verantwortung. Meine Kompetenz liegt in der Präsenz und im Dasein ohne Schichtwechsel. Als Doula kenne ich das Paar oder die Frau bereits und weiss, was ihnen bei der Geburt wichtig ist. Darin kann ich sie bestärken.

Könnte das bei vielen Frauen denn nicht auch deren Mutter oder beste Freundin tun?

Doch sicher. Ich denke, das kommt häufig vor. Aber es gibt Frauen, die in dieser Situation eben nicht die Mutter oder Freundin an ihrer Seite haben wollen, sondern eine unabhängige Person, die kommt, Hilfe bietet und dann auch wieder den Kontakt löst. Für mich sind die Frauen, die ich begleiten darf Freundinnen auf Zeit. Ich denke, das gilt für sie auch umgekehrt.

Ist das Doula-Sein für Sie ein Vollzeitjob?

Nein. Ich arbeite 40 Prozent in einem Büro und bin Mutter zweier Kinder. Vom Doula-Sein kann man hier in der Ostschweiz nicht leben. Ich mache pro Jahr zwei bis drei Begleitungen – für jeweils mindestens 800 Franken. Bei zusätzlicher Unterstützung im Haushalt während der Wochenbettzeit kommen weitere Kosten hinzu. Für mich ist das Doula-Sein eine Herzensangelegenheit, kein Job.

Wie viel Zeit investieren Sie in eine Geburtsbegleitung?

Oft sind wir intensiv im E-Mail-, Telefon- oder SMS-Kontakt, je näher der Geburtstermin rückt. Ferner bin ich zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Termin rund um die Uhr auf Rufbereitschaft. Diese Pikettzeit ist ziemlich einschränkend, Ferien sind in dieser Zeit unmöglich.

Wie bekannt sind Doulas im Thurgau?

In der Ostschweiz ist unser Angebot noch nicht sehr bekannt. Es braucht weiterhin Aufklärungsarbeit. Wir sind dem Verband doula.ch angeschlossen und arbeiten alle nach demselben Ethik-Kodex. In grossen Städten wie Zürich sind Doulas viel häufiger im Einsatz. Gerade Expats lassen sich gerne von einer Doula begleiten, da sie sich das von ihrem Heimatland gewohnt sind. Auch Frauen aus Kulturen, in denen es nicht üblich ist, dass die Väter bei der Geburt anwesend sind, lassen sich gerne begleiten

Dienerin der Frau

Der Ausdruck Doula stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet «Dienerin der Frau». Eine Doula-Geburtsbegleiterin steht einer werdenden Mutter vor, während und nach der Geburt zur Seite. Nur Frauen, die bereits selber Kinder geboren haben, können eine Doula werden. Die Ausbildung in der Schweiz dauert 14 Tage verteilt auf neun Monate. Nebst mehreren Schulblöcken gehört viel Selbststudium dazu. Ihr Diplom erhalten die Frauen erst nach den ersten zwei Geburtsbegleitungen. (mte)

www.doula.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.