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Dorfladen und Treffpunkt in Happerswil schliesst

Wer in Happerswil noch schnell einen Einkauf tätigen wollte, konnte das gleich um die Ecke im Dorfladen tun. Damit ist am 29. Dezember aber Schluss. Brigitta Rölli, die das Geschäft mit Herzblut führte, hört auf.
Hannelore Bruderer
Brigitta Rölli in ihrem Dorfladen in der ehemaligen Käserei. Ende Jahr schliesst der Dorfladen in Happerswil endgültig. (Bild: Hannelore Bruderer)

Brigitta Rölli in ihrem Dorfladen in der ehemaligen Käserei. Ende Jahr schliesst der Dorfladen in Happerswil endgültig. (Bild: Hannelore Bruderer)

Es ist Freitagnachmittag, der Dorfladen ist schon geschlossen. Plötzlich klopft ein Mann an die Scheibe der Ladentüre. Brigitta Rölli unterbricht das Gespräch mit der Presse, öffnet die Türe und verkauft dem Mann sein heiss ersehntes Päckli Zigaretten. So unkompliziert geht das manchmal. Aber nicht mehr lange – am 29. Dezember schliesst der Dorfladen Happerswil für immer.

Brigitta Rölli ist 71, ihr Mann Sepp 75 Jahre alt – Zeit, es etwas langsamer anzugehen. Die Hauswirtschaftslehrerin und der Käser lernten sich anfangs der 1970er-Jahre in Madagaskar bei einem Entwicklungshilfeprojekt kennen und lieben. Sie kamen erst nach gut vier Jahren wieder in die Schweiz zurück. «Verheiratet und mit Säugling und Hund», sagt Brigitta Rölli lachend. Später kamen noch drei weitere Kinder dazu.

Aus einfachen Mitteln etwas erschaffen

Ihre Zeit in Madagaskar habe sie geprägt, sagt sie. «Ich habe dort gelernt, wie man mit einfachen Mitteln etwas erschaffen kann.» Eine Eigenschaft, die ihr später im eigenen Laden zugutekam. Jedes Einrichtungsstück dort hat eine eigene Geschichte wie zum Beispiel die Regale, das praktische Drehgestell und die Eingangstüre, die vom Umbau der Raiffeisenbank Mattwil stammt.

Nach Happerswil kam die junge Familie Rölli 1978, als sie die dortige Käserei erwarb. Ihren Betrieb baute das Ehepaar in den folgenden Jahren aus. Sie investierten etwa in einen zusätzlichen Milchtank, vergrösserten den Schweinestall und unterzogen die Käserei 1990 schliesslich einer Totalsanierung.

«Im Nachhinein betrachtet war das nicht die beste Investition. Denn mit der Milchmarkt-Liberalisierung standen wir 2006 vor der Entscheidung, nochmals zu vergrössern oder zu schliessen», sagt Brigitta Rölli. Die Käserei schloss. Sepp Rölli arbeitete die gut zwei Jahre bis zu seiner Pensionierung als Angestellter in einer nahen Käserei.

Breites Sortiment vom Käse bis zum Schreibzeug

Brigitta Rölli führte damals schon den Dorfladen und blickte vorwärts. Sie verlegte ihren Laden vom Neben- in den Hauptraum der Käserei, der mehr Platz bot. Bereits 1994 hatte sich Brigitta Rölle entschlossen, in der Käserei einen eigenen Laden zu eröffnen. Damals schloss der Volg im Dorf.

«Käseprodukte verkauften wir schon vorher in der Käserei. Mir war klar, dass diese Produkte bei uns auch nicht mehr eingekauft würden, wenn man zum Einkaufen sowieso in einen grösseren Ort fahren müsste. Deshalb entschloss ich mich, das Sortiment zu erweitern.» Und das Sortiment ist breit – es reicht von frischen und haltbaren Lebensmitteln über Körperpflegeprodukte bis zu Schreibmaterial, Nähzubehör und Kinderspielzeug.

«Mir war immer wichtig, dass der Dorfladen nicht nur ein Ort zum Einkaufen ist, sondern auch ein Platz, wo man sich trifft und sich austauschen kann», sagt Rölli. Aus diesem Grund richtete sie den Nebenraum, in dem sich der Laden zuerst befunden hatte, mit einem grossen Tisch wohnlich ein. Dort wird am Samstag Kaffee ausgeschenkt.

Das Kino im Dorfladen

Einen Winter lang stellte sie dort auch einen Beamer und eine Leinwand auf, sodass die Einwohner von Happerswil in den Genuss eines eigenen Kinos kamen. Die umtriebige Käsersfrau hat keine Angst, dass es ihr ohne das Geschäft im neuen Jahr langweilig wird, obwohl sie erst sagt, sie habe kein Hobby. «Dafür hatte ich keine Zeit. Ich habe immer viel gearbeitet», meint sie.

Doch dann fällt ihr ein, dass sie ihr E-Bike mehr nutzen und den Garten intensiver pflegen möchte. Zudem singt sie seit vier Jahren im Nostalgiechörli Berg. Und dann besucht Brigitta Rölli gerne Brockenstuben und Flohmärkte. «Da findet man immer etwas für schöne Dekorationen.»

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