Donnerwetter, dieser Hagel! Wie ein 22-jähriger Kanadier dem HC Thurgau NHL-Glamour verleiht

In wenigen Spielen mauserte sich das NHL-Talent Brandon Hagel zur spielbestimmenden Figur des HC Thurgau. Zuletzt schoss er den EHC Visp beim 5:3-Auswärtssieg im Wallis fast im Alleingang ab. Sein erster Abstecher nach Europa macht dem Eishockeyprofi grosse Freude. An eines gewöhnt er sich in der Schweiz aber nur schwer.

Matthias Hafen
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Ein HCT-Trikot mit bald unschätzbarem Wert? Brandon Hagel ist auf dem Sprung in die NHL und spielt nur aufgrund der ausserordentlichen Coronalage in der Schweiz.

Ein HCT-Trikot mit bald unschätzbarem Wert? Brandon Hagel ist auf dem Sprung in die NHL und spielt nur aufgrund der ausserordentlichen Coronalage in der Schweiz.

Bild: Mario Gaccioli (1. November 2020)

Der Weg zum Ruhm führt durch den Thurgau. Zumindest für Brandon Hagel. Der 22-jährige Eishockeyprofi aus Kanada klopfte schon an die goldene Pforte der NHL, als Corona den Speed bremste, mit dem Hagel als Teil der Chicago Blackhawks die nordamerikanische Profiliga erobern will. Anstatt in seiner Heimat Golf zu spielen und die Zeit bis zum verschobenen Saisonstart der NHL totzuschlagen, bereichert er nun die Swiss League. Dies, weil der HC Thurgau einen Ersatz für den verletzten Derek Hulak suchte und die Blackhawks eine Einsatzgelegenheit für ihr Stürmertalent. So landete Ende Oktober ein Spieler beim HC Thurgau, der in Chicago nahezu eine Million Franken verdienen wird, wenn er es ins NHL-Kader schafft.

Wie hochkarätig der Zuzug ist, zeigte sich nach Hagels zehntägiger Einreisequarantäne und den ersten Gehversuchen auf der grösseren europäischen Eisfläche schnell. Hagel wurde im Kollektiv der Thurgauer immer spielbestimmender und schoss am vergangenen Dienstag den EHC Visp fast im Alleingang ab. Drei Tore und zwei Assists standen von ihm nach dem 5:3-Auswärtssieg zu Buche.

Bescheiden, trotz rosiger Zukunft

Dass Brandon Hagel noch nicht Thurgaus Topskorer ist, hängt eigentlich nur damit zusammen, dass er erst sechs Partien für den HCT bestritten hat. In Sachen Punkte pro Spiel hat der Kanadier mit 1,5 seine Teamkollegen mittlerweile überholt, und auch im ligaweiten Vergleich gehört er zu den Besten. Hagel hat schon mehr Tore erzielt als Ajoies Philipp-Michael Devos und mehr Assists als dessen Sturmpartner Jonathan Hazen. Das Duo Devos/Hazen gilt in der Swiss League als Referenz für Offensivqualität.

Wenn die Nummer 22 des HC Thurgau übers Feld gleitet, dabei das Trikot flattert und das Haar unter dem Helm, dann ist da pure Freude am Werk. Hagel sagt:

«Ich empfinde meinen Abstecher in die Schweiz als einmalige Lebenserfahrung.»

Er sei nicht hierher gekommen, um den grossen Max zu markieren. «Ich will einfach meinem Team zum Siegen verhelfen. Darum geht es im Mannschaftssport.» Dass er seine Zeit im Thurgau so geniessen kann, liegt auch daran, dass ihm der Swiss-League-Klub den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet. So wurde Hagels Freundin Riley Dewit ebenfalls eingeflogen. Für beide ist es der erste Aufenthalt in Europa.

Am meisten Mühe bereitet ihnen, dass hier die Läden sonntags geschlossen sind. «Dass ich zehnmal die Runde mache, bevor ich alle Produkte gefunden habe, damit kann ich mich mittlerweile abfinden», sagt Hagel lachend. «Aber am Freitag oder Samstagmorgen fürs ganze Wochenende einzukaufen, daran muss man sich zuerst einmal gewöhnen.» Aufgewachsen ist er in Morinville im Einzugsgebiet der Millionenstadt Edmonton. Dort teilt er sich in der Zwischensaison heute noch eine Wohnung mit seinem älteren Bruder.

Es naht bereits der Abschied

Während seines Aufenthalts im Thurgau wohnt er mit seiner Freundin in Weinfelden. Seit dem Aussitzen der Einreisequarantäne haben sie schon Grindelwald und Zürich besucht. «Es ist alles noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe», sagt Hagel – im Wissen, dass dieser Lebensabschnitt schon bald wieder zu Ende sein kann.

Da die NHL ihren Saisonstart auf Anfang Januar plant, rechnet Hagel damit, dass er Anfang Dezember zu den Chicago Blackhawks zurückbeordert wird. Genaueres wisse er aber noch nicht. Also bleiben ihm vielleicht noch vier oder fünf Spiele mit dem HCT. In diesen will er nochmals geniessen, was er in der NHL nie mehr erleben kann. «Auf diesen grossen Feldern in der neutralen Zone Fahrt aufnehmen und so nach vorne zu stürmen, das ist einfach klasse», sagt Brandon Hagel.

Der Swiss-League-Leader HC Thurgau empfängt am Samstag, 21. November, um 17.30 Uhr den Tabellenneunten Ticino Rockets in der Weinfelder Güttingersreuti.