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«Diese schwere Zeit hat uns enorm zusammengeschweisst»: So geht es den Phoenix-Wohnheimen ein halbes Jahr nach dem Konkurs

Ein halbes Jahr nach dem Konkurs von Starpsychologin Monika Egli-Alges Phoenix GmbH für schwererziehbare Jugendliche sind Nachwehen noch zu spüren. Der neu gegründete Verein hat jedoch mehr Geld zur Verfügung und die Mitarbeiter können sorgenfrei an die Arbeit
Sabrina Bächi
Daniela Leibentritt und Meike Schulz puzzeln mit den Jugendlichen im Esszimmer der Weinfelder Phoenix-WG. (Bild: Andrea Stalder)

Daniela Leibentritt und Meike Schulz puzzeln mit den Jugendlichen im Esszimmer der Weinfelder Phoenix-WG. (Bild: Andrea Stalder)

Die Wand ist grün – und kahl. Keine Bilder hängen an ihr. Das kommt noch, heisst es. Die Sofas sind noch nicht abgenutzt und die flache weisse Lampe an der Decke strahlt ein kaltes Licht in das Wohnzimmer der Phoenix-WG an der Weinfelder Marktstrasse. Die neue Farbe und die neuen Möbel sind noch nicht viel, aber ein Anfang.

Die WG gehörte früher zur Phoenix GmbH von Starpsychologin Monika Egli-Alge. Im Februar musste sie jedoch Konkurs anmelden. Sie konnte die Löhne ihrer Angestellten nicht mehr bezahlen und Gerüchte über Steuerhinterziehung machten gar die Runde.

Egli-Alge hingegen fühlte sich von ihren Mitarbeitern hintergangen und fügte sich schliesslich deren Willen, sich zurückzuziehen und die von ihr gegründeten Phoenix Wohnheime für schwererziehbare Jugendliche einem neugegründeten Verein zu übergeben.

Nachwehen vom Konkurs sind noch spürbar

Am Donnerstag feierte der Verein Tag der offenen Tür. Zeit, um nach vorne zu schauen. Doch so ganz gelingt das noch nicht. «Es gibt schon noch Nachwehen», sagt Meike Schulz, Gruppenleiterin der WG. «Aufgrund offener Rechnungen seitens der GmbH bei externen Handwerkern kam es zu Schwierigkeiten, etwa bei der Reparatur der kaputten Haustür. Wir mussten mit einigen verhandeln, ob sie noch für den neuen Verein Phoenix tätig sein wollen», sagt sie.

Die meisten Firmen hätten Verständnis, sagt sie, doch viele der Gläubigern von Egli-Alges Phoenix GmbH würden wohl leer ausgehen. Die ausstehenden Löhne hätten die Mitarbeiter jedoch alle erhalten. Monatelang haben alle Angestellten ohne Entschädigung gearbeitet, bevor die GmbH in Konkurs ging.

«Das hat den Jugendlichen klar gemacht, dass sie uns viel bedeuten», sagt Daniela Liebentritt, Sozialpädagogin in der WG. «Viele aus meinem Umfeld konnten nicht verstehen, weshalb ich immer noch arbeiten gehe. Aber letztlich hat uns diese schwere Zeit enorm zusammengeschweisst», sagt Liebentritt.

Jetzt wollen die Mitarbeiter vor allem nach vorne schauen und ihre Ideen umsetzen. «Wir wollen mit den Jugendlichen das Haus renovieren», sagt Gruppenleiterin Schulz. Den Anfang hätten sie mit dem Wohnzimmer gemacht. «Früher fehlte dafür einfach immer das Geld», sagt Schulz achselzuckend.

Neue Programmgestaltung für die Jugendlichen

Es sei überhaupt viel sorgenfreier, weil nicht überall das Geld fehle. «Wir haben genügend Geld, um Essen zu kaufen, die Mitarbeiter haben eine Lohnerhöhung erhalten und das, obwohl wir sogar rund 40 Franken günstiger sind pro Tag und Jugendlicher als zuvor.»

Der neue Geldsegen wirke sich auch auf die Programmgestaltung aus. «Wir planen mehrmals wöchentlich auch externe Aktivitäten mit unseren Jugendlichen. Ab dem neuen Jahr starten wir damit unter einem Jahresmotto.» Sie wollen den Jugendlichen zeigen, dass sie auch Teil der Gesellschaft seien. Wollen Diskussionsvorträge besuchen, Aktivitäten wie Klettern organisieren und den monatlichen Frauen- und Männerabend wiederbeleben.

Für die Mitarbeiter scheint sich ein Gefühl des Aufbruchs und der Möglichkeiten aufzutun. «Noch nie passte der Name Phoenix so gut wie jetzt», sagt Schulz. Das sollen auch die Jugendlichen spüren. Heute jedoch sind sie mit Backen beschäftigt. Schliesslich wollen sie die Besucher nicht nur mit ihrem neuen Wohnzimmer, sondern auch mit Leckereien überzeugen.

Kanton deckt Verlust

Die Phoenix Wohngemeinschaften in Weinfelden und Frauenfeld sind IVSE zertifiziert. Das heisst, dass der Kanton allfällige Verluste ausgleicht. Eine neue Budgetierung des Vereins Phoenix und weniger Ausgaben für die IT vergünstigten den Tagessatz für die Wohngemeinschaft. Ungereimtheiten mit den Finanzen führten dazu, dass die Mitarbeiter von Egli-Alges GmbH misstrauisch wurden. Schliesslich erhielten die Mitarbeiter keinen Lohn mehr und zeigten Anfang Jahr ihre vormalige Chefin wegen Verschleppung der Insolvenz und Betrugs an. (sba)

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