«Die ‹Wunderbar› ist ein Teil unserer Identität»: Nun regt sich in Arbon auch politischer Widerstand gegen den geplanten Abbruch

Das Thema bewegt die Arboner – gut möglich, dass nun politisch Druck gemacht wird.

Annina Flaig
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Die «Wunderbar» steht vor einer ungewissen Zukunft.

Die «Wunderbar» steht vor einer ungewissen Zukunft.

Bild: Max Eichenberger

Es brodelt überall. Die Nachricht über den geplanten Abriss des beliebten Hotels Wunderbar verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Seit Freitag liegt das Abbruchgesuch öffentlich auf. Am Dienstag war die «Wunderbar» Thema im Parlament. «Es brennt in mir», sagte Heidi Heine (Grüne). Ihre Sorge gilt den alten Bäumen bei der «Wunderbar». «Werden sie gefällt?», wollte sie wissen. Auch Ruth Erat (SP) fand deutliche Worte:

«Die ‹Wunderbar› ist eine Komponente unserer Identität.»

Der Stadtrat könne gewiss mit gutem Grund dazu beitragen, dass sie nicht «auf Vorrat» abgebrochen werde. Das ZIK will die Parzelle nicht sofort überbauen, sondern nach dem Abbruch der «Wunderbar» für die Zwischenlagerung von Baumaterialien verwenden (vgl. Kasten).

Warum die «Wunderbar» abgebrochen werden soll

Die ZIK Immo AG von Konradin Fischer, Heinz Nyffenegger und Karl-Heinz Restle besitzt das Saurer Werk 1 in der Arboner Altstadt. Dazu gehört auch das beliebte Hotel Wunderbar direkt am See. Im Frühling 2021 wollen die drei Männer mit der Sanierung des Informatikgebäudes neben der «Wunderbar» beginnen. Die «Wunderbar» wollen sie bereits Ende 2020 abbrechen, weil sie die Fläche zur Zwischenlagerung von Baumaterialien und Baumaschinen und als Parkfläche für die an der Sanierung beteiligten Firmen nutzen wollen. Als Ersatz für die «Wunderbar» möchten sie im Foyer des Saurer Museums bis Ende Jahr ein neues Restaurant bauen. Der Übergang soll nahtlos sein. Zwischen der Inhaberin der «Wunderbar», Simone Siegmann, und dem ZIK besteht ein Mietvertrag, welcher kommenden Frühling nach zehn Jahren ausläuft. Trotzdem ist sie mit dem Vorgehen des ZIK nicht einverstanden (unsere Zeitung berichtete). Beim Gebäude der «Wunderbar» handelt es sich um einen Holz-Systembau aus dem Jahr 1945, welcher demontierbar ist. Saurer nutzte ihn einst als Kantine mit über 300 Plätzen für die Mitarbeitenden.

Es ist von einer Protest-Gruppe die Rede

Auch zwei Kadermitarbeiter der «Wunderbar» melden sich zu Wort:

«Die ‹Wunderbar› für einen zweijährigen Baustelleninstallationsplatz opfern? Macht das Sinn?»

Das fragen sich Martin Rodel und Barbara Ribler. In ihrem Leserbrief lassen sie durchblicken, dass es für sie keinen Sinn ergibt, die «Wunderbar» bereits Ende 2020 abzubrechen. Denn die ZIK Immo AG hat sich bisher nicht dazu geäussert, was auf dem Baufeld entstehen soll. Nicht nur Rodel und Ribler, sondern auch weitere fünf Vollzeitangestellte sowie 20 Teilzeitmitarbeiter würden durch den Abbruch sinnloserweise ihre Arbeit verlieren, schreiben die beiden weiter.

Der Arboner Andreas Blumer fordert die Einwohner in seinem Leserbrief sogar explizit dazu auf, sich aktiv gegen den Abriss zu engagieren. Er selbst überlegt sich, eine Petition oder Initiative zu lancieren. Auch in der «Wunderbar» höre man, dass sich eine Protest-Gruppe formiert, die politisch Druck machen will.

Rechtliche Möglichkeiten sind begrenzt

Auf dem rechtlichen Weg sind die Möglichkeiten beschränkt, wie Elisabeth Schegg vom städtischen Rechtsdienst erklärt. Berechtigt in der Frist bis zum 5. Februar Einsprache zu erheben sei, wer durch das Bauvorhaben besonders berührt sei und ein schutzwürdiges Interesse habe. Dies könnten beispielsweise Anstösser und Mieter sein. Das dürfte auf Simone Siegmann, Inhaberin der «Wunderbar», selbst zutreffen, welche das Gebäude von der ZIK Immo AG mietet und nebenan wohnt.

Im Rahmen des Verbandsbeschwerderechts einspracheberechtigt sind auch Verbände wie der Thurgauer Heimatschutz. «Wir ziehen die Möglichkeit einer Einsprache in Erwägung», sagt Gianni Christen vom Heimatschutz auf Anfrage. Dazu muss man allerdings wissen, dass das Hotel Wunderbar nicht Teil des Arboner Schutzplanes ist. Simone Siegmann sagt nur so viel:

Simone Siegmann, Inhaberin «Wunderbar».

Simone Siegmann, Inhaberin «Wunderbar».

(Bild: Andrea Stalder)
«Ich bin brutal gerührt von den unzähligen Reaktionen, die ich aus der Bevölkerung laufend erhalte.»

Stadtpräsident Dominik Diezi hat im Parlament betont, der Stadtrat sei sich bewusst, dass die Parzelle von grossem öffentlichem Interesse ist. Deshalb sei man an einem konstruktiven Dialog mit den Besitzern interessiert. Darin geht es offenbar eher darum, was nach der Ära «Wunderbar» entstehen soll. So habe der Stadtrat gegenüber den ZIK-Teilhabern den Wunsch geäussert, dass auf dem Ort an schönster Seelage wieder etwas mit touristischer Nutzung entstehen soll, zum Beispiel ein Backpacker Hotel.

Im Gestaltungsplan für das Areal Saurer Werk 1 ist der Ersatz des Kantinenbaus durch ein Hochhaus mit halböffentlichen Nutzungen und Wohnungen festgehalten. Von der Idee, Wohnungen zu bauen, ist man beim ZIK aber weggekommen (vgl. Interview unten). Im Bericht zum Konzept zur Anordnung höherer Häuser und Hochhäuser vom April 2019 wurde das Saurer Werk 1 ausserdem nicht als Gebiet für höhere Häuser oder Hochhäuser (über 30 Meter Höhe) definiert«.»

Das sagt der «Wunderbar»-Mitbesitzer im Interview:
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