Die Weinfelder Kleinwasserkraftwerke produzieren momentan keinen Strom

Die nördliche Klappe des Wehrs in der Thur bei Weinfelden ist defekt. Die Reparatur gestaltet sich schwierig.

Mario Testa
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Das linke Wehrklappe wird derzeit repariert. Derweil ist die rechte unten, um alles Wasser in der Thur abzuleiten.

Das linke Wehrklappe wird derzeit repariert. Derweil ist die rechte unten, um alles Wasser in der Thur abzuleiten.

(Bild: Mario Testa)

Zwischen Thurbrücke und Ganggelisteg fliesst derzeit mehr Wasser in der Thur als zu dieser Jahreszeit üblich. Grund dafür ist, dass die Wasserkraftwerk Weinfelden AG das Wasser über das Wehr abfliessen lässt und nur noch wenig in die Kanäle zu den Kraftwerken leitet (siehe Kasten). Grund für diese Massnahme ist ein Schaden an einer der beiden Wehrklappen, wie Geschäftsführer Claudio Caflisch auf Anfrage erklärt.

«Wir hatten Unterhaltsarbeiten am Wehr geplant und dabei festgestellt, dass die Klappe kaputt ist.»
Anstelle der fixen Keile sorgen nun Holzstützen für den Halt der Klappe.

Anstelle der fixen Keile sorgen nun Holzstützen für den Halt der Klappe.

(Bild: Mario Testa)

Normalerweise werde die hydraulisch bewegte Klappe bei Unterhaltsarbeiten mit Keilen fixiert, damit diese blockiert und keine Gefahr für die Reparateure mehr ausgeht. «Wir haben nun aber festgestellt, dass diese Keile teilweise defekt sind, weil ihre Gegenstücke fehlen. So sind keine Unterhaltsarbeiten möglich. Zuerst müssen die defekten Keile repariert werden.»

Damm und Sandsäcke geben Schutz

Um diese Reparaturarbeiten ausführen zu können, musste zuerst der Flussbereich vor der betroffenen Stelle trocken gelegt werden. Zuerst wurde die zweite Klappe komplett geöffnet, um das Wasser abfliessen zu lassen, dann wurde mit einem Bagger ein Damm errichtet und das Wehr mit grossen Sandsäcken abgetrennt und gesichert. «Den Kies für den Damm konnten wir direkt aus der Thur baggern», sagt Caflisch.

Naturstrom

Drei Kraftwerke in Weinfelden

Das Wehr in Weinfelden staut die Thur im Bereich der Badi zurück. Während ein Teil des Wassers direkt im Fluss abgeleitet wird, fliesst ein anderer in einen Kanal. Dieser teilt sich und transportiert das Wasser dann zur Meyerhans Mühle und zur Model AG. In beiden Betrieben treiben die Wassermassen je einen Stromgenerator an, ehe sie wenig später wieder im Kanal zusammen fliessen. Bevor das Wasser südwestlich von Weinfelden wieder in die Thur fliesst, treibt es noch das dritte Wasserkraftwerk Widen an. Betrieben werden das Wehr, der Kanal und die drei Turbinen von der Wasserkraftwerke Weinfelden AG. 

«Wir haben Glück, dass der Wasserstand relativ tief ist und auch die Niederschläge vom Wochenende nicht so stark ausgefallen sind. Im schlimmsten Fall würde es uns sonst den Damm wieder wegspülen und eventuell auch die Sandsäcke», sagt der Betriebswirtschaftsingenieur. Beide Schutzelemente, Damm und Sandsäcke, stehen unter dauernder Beobachtung, damit die Arbeiten sicher durchgeführt werden können.

Mit Kies direkt aus der Thur wurde ein Damm aufgeschüttet. Zudem schützen Sandsäcke die Arbeiter auf dem Wehr während der Reparatur.

Mit Kies direkt aus der Thur wurde ein Damm aufgeschüttet. Zudem schützen Sandsäcke die Arbeiter auf dem Wehr während der Reparatur.

(Bild: Mario Testa)

Restwasser im Kanal reicht für die Fische

«Wir rechnen damit, die Reparatur diese Woche abschliessen zu können. Die Funktion des Wehrs können wir erst dann prüfen», sagt Claudio Caflisch. Ein besonderes Augenmerk richtet er während der Reparaturzeit auf den Restwasserstand in den Kanälen. «Wenn es zu wenig Wasser hätte, müssten wir die Kanäle ausfischen, das ist aber nicht der Fall.» Die Arbeiten am Wehr und der Restwasserstand in den Kanälen werde deshalb auch ständig vom kantonalen Amt für Umwelt überprüft.

Weshalb die Keile beim Wehr kaputt sind, weiss Claudio Caflisch nicht. Auch nicht, wie lange schon. «Wir gehen davon aus, dass die Technik noch aus der Anfangszeit des Wehrs stammt. Es wurde 1941 errichtet», sagt er. Aufgrund der Reparaturarbeiten und des fehlenden Wassers in den Industriekanälen, produzieren die drei Generatoren der Wasserkraft Weinfelden AG derzeit keinen Strom. «Das Wasser in den Kanälen reicht für die Fische, aber nicht für den Betrieb der Kraftwerke.»

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