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Zurück auf Feld eins: die Versuchsphase im Kreuzlinger Boulevard wird beendet

Nach nur vier Monaten Praxis ist das neue Verkehrsregime auf der Hauptstrasse bereits wieder Geschichte. Der Stadtrat hat sich für den Abbruch des Experimentes entschieden. Die Kritik des Gewerbes und von Anwohnern war zu dominant.
Martina Eggenberger Lenz
Der Boulevard in Kreuzlingen. Ab dem 25. Juni ist er wieder von allen Richtungen her befahrbar. (Bild: Reto Martin)

Der Boulevard in Kreuzlingen. Ab dem 25. Juni ist er wieder von allen Richtungen her befahrbar. (Bild: Reto Martin)

Seit Mitte Februar gilt im Boulevard in Kreuzlingen befristet auf ein Jahr eine neue Verkehrsführung, die gemeinsam mit dem Gewerbe, dem Quartierverein Bodan und dem Initiativkomitee «für einen autofreien Boulevard» am Runden Tisch erarbeitet worden war. In seiner Sitzung am Dienstag hat der Kreuzlinger Stadtrat wie erwartet den Entscheid gefällt, das Verkehrsregime wieder aufzuheben. Gleich drei Vertreter der Exekutive rechtfertigten den Beschluss gestern vor den Medien: Stadtpräsident Thomas Niederberger, Bau-Stadtrat Ernst Zülle und Thomas Beringer, der die Sicht der Gewerbetreibenden einbrachte. Der Stadtpräsident verglich die Boulevard-Thematik einleitend mit einer Knacknuss. Dass sie tatsächlich eine ist, hat sich einmal mehr bewahrheitet. Der Kompromiss, auf dessen Umsetzung man wegen Rechtsstreitigkeiten vier Jahre gewartet hatte, wurde nach wenigen Wochen Praxis in der Luft zerrissen.

Thomas NiederbergerStadtpräsident.

Thomas Niederberger
Stadtpräsident.

«Diese Lösung hätte keine Zukunft gehabt.»

«Es war ziemlich heftig», kommentiert Stadtrat Ernst Zülle den Tonfall der negativen Rückmeldungen. Insbesondere die Detaillisten forderten lautstark den Abbruch der Übung. Knapp die Hälfte der zur Umfrage aufgeforderten Gewerbetreibenden gaben ein Feedback. 90 Prozent von ihnen seien gegen das neue Regime gewesen, fasst Sandro Nöthiger, der als Leiter Tiefbau das Projekt begleitete, zusammen. Thomas Beringer erklärte, er habe in vielen persönlichen Gesprächen mit Gewerbetreibenden glaubhafte Klagen über Umsatzeinbussen gehört. «Das Gewerbe ist erleichtert, wenn wir jetzt aufhören.»

Nicht ganz so niederschmetternd wie das der Detaillisten war das Urteil der befragten Haushalte. Hier zeigte sich gemäss Nöthiger, wie gespalten die Stadt in der Boulevard-Frage ist: die eine Hälfte fand das neue Regime gut, die andere nicht. Viele hätten angegeben, am Boulevard weniger eingekauft zu haben. Die Rücklaufquote betrug 18 Prozent. Bei den Verkehrsmessungen liegt man ziemlich im Bereich der Erwartungen (siehe Kasten).

Weniger Autos sind nach wie vor das Ziel

Auch wenn man nun abbreche, so sei der Versuch «nicht ganz für die Katz» gewesen, ist Ernst Zülle überzeugt. Vielleicht bleibe ja etwas davon haften, dass der Boulevard keine Durchfahrtsstrasse sei. Die Aufenthaltsqualität habe sich spürbar verbessert, ist der Stadtrat überzeugt. Das Ziel von weniger als 5000 Fahrzeugen gelte nach wie vor. Gerade auch die Velofahrer hätten die Situation geschätzt. «Unser Ziel ist nach wie vor, die Attraktivität zu steigern», betont auch der Stadtpräsident. Man wolle nun zusammen mit dem runden Tisch Massnahmen ausarbeiten.

Bau-Stadtrat Zülle fügt an, dass neu auch Expertenmeinungen einfliessen sollen. Nur wolle man in Zukunft weniger mit Verboten arbeiten, sondern mit Gestaltungselementen. «Der Autofahrer soll optisch gelenkt werden.» Voraussichtlich am 25. Juni kommen die aktuellen Tafeln weg. Die Aufhebung der Signalisationsanordnung wird ab dem 22. Juni noch öffentlich aufgelegt.

Ein Drittel weniger Verkehr auf dem Boulevard

Die Zahlen zeigen, dass die versuchsweise Verkehrsanordnung ein Ziel gut erreicht hätte: Der Verkehr auf dem Boulevard hat sich um 35 Prozent reduziert. Dies ist natürlich vor allem auf die Einbahnsignalisation beim Helvetiaplatz zurück zu führen, die die Durchfahrt von Norden verunmöglichte. Statt rund 8500 wurden täglich noch 5500 Fahrzeuge gezählt. Entlastet wurde auch das östliche Bodanquartier sowie die Brückenstrasse. Hingegen gab es im Bereich der Gutenberg-, Schützen- und Nationalstrasse den erwarteten Mehrverkehr. «Gesamthaft waren die Zahlen gar nicht so schlimm. Aber zu Spitzenzeiten massen wir bis zu 70 Prozent Mehrverkehr», erklärt Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau bei der Stadt. Durchschnittlich gab es auf den kritischen Quartierstrassen ein Plus von gerade einmal 10 Prozent. Die gewünschte und prognostizierte Verlagerung auf die Chance Nord und die Löwenstrasse hat ebenfalls statt gefunden. (meg)

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