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Serie

Die Uhr läuft im Kantonsspital Münsterlingen immer mit

Sommerserie Kantonsspital Münsterlingen (Teil 7): Im Notfall geht es um Schnelligkeit. Sekunden können über Leben und Tod entscheiden.
Urs Brüschweiler
Eine der Pflegefachfrauen legt eine Infusion. (Bild: Reto Martin)

Eine der Pflegefachfrauen legt eine Infusion. (Bild: Reto Martin)

«Wir sind für alle da.» Godehard Berghoff ist Leiter der Notfallabteilung und kennt jede Ecke der 2000 Quadratmeter im Kantonsspital, die 2017 umgebaut und modernisiert wurden. Nirgends ist man so am Puls des Lebens wie hier. Mal geht es um Leben und Tod, mal nur um einen Bienenstich. Wenn Berghoff sagt: «Hier trifft sich die Gesellschaft», dann ist das keine Plattitüde.

Vorausplanen lässt sich in dieser Abteilung kaum etwas. Umso organisierter müssen die Ärzte und das Pflegepersonal sein. In jedem Moment kann ein Notfall eintreten und dann müssen sie bereit sein. Wenn ein Rettungswagen meldet, dass er schwer verletzte Unfallopfer bringt, können Sekunden über Leben und Tod entscheiden.

Im Schockraum, dem Epizentrum des Notfalls, wird dann der rote Buzzer gedrückt. Rot bedeutet Blut, die Chirurgie ist gefordert. «Innert Sekunden ist ein Team vor Ort, das alle notwendigen medizinischen Massnahmen ergreifen kann.» Der blaue Buzzer daneben steht für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Über der Tür des Raums hängt eine Digitaluhr, die sofort zu ticken beginnt. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt immer ohne Vorwarnung.

Überblick behalten dank Patienten-Live-Tracking

Aber auch wenn die Klienten selber in den Notfall kommen, gibt es ein klares Schema. In der Triage, wo Pflegefachpersonen mit besonderer Ausbildung arbeiten, wird entschieden, wie lange es höchstens dauern darf, bis ein Patient einen Doktor zu Gesicht bekommt. Von «Sofort» bei vitaler Gefährdung bis maximal zwei Stunden wird abgestuft.

Im Überwachungsraum hängen Monitore, welche die Angaben der aktuellen Patienten anzeigen. Sie helfen dem Personal, den Überblick zu behalten. «Wir müssen möglichst schnell herausfinden, was das Problem ist, um jedem gerecht zu werden», sagt Berghoff. Das sei das Wichtigste. Im Notfall rümpft auch bei vermeintlichen Bagatellen niemand die Nase.

«Jeder, der zu uns kommt, hat ein Problem, und es stecken Sorgen und Nöte dahinter.»

Berghoff erzählt von einem Mann, der morgens um drei Uhr mit einem Sonnenbrand zur Behandlung kam. Der war aber so schlimm, dass sich Blasen auf der Haut bildeten.

Godehard Berghoff Leitung Notfall (Bild: Reto Martin)

Godehard Berghoff Leitung Notfall (Bild: Reto Martin)

Mit verschiedenen Bereichen in der Abteilung will man den spezifischen Anforderungen gerecht werden. Im «Fast Track» landen etwa Personen, die nicht so schwer erkrankt sind und entsprechend weniger Untersuchungen benötigen. Rasch wieder nach Hause, heisst hier die Devise. «Vor der Reorganisation mussten diese Patienten lange warten, weil sie als nicht so dringend eingestuft wurden», sagt Berghoff.

Die Ärzte und das Pflegepersonal arbeiten gerne hier. Die meisten haben langjährige Erfahrung. «Es ist unheimlich streng, aber ich will es nicht anders», sagt Schichtleiterin Liselotte Eberhard.

Die Herausforderungen für die Mitarbeitenden im Notfall sind gross. Nicht nur wegen des 24 Stunden-Betriebs, 365 Tage im Jahr. Und nicht nur wegen der Unplanbarkeit. Sondern auch wegen belastender Momente. Alkoholexzesse, Schlägereien, Blutentnahmen für die Polizei oder soziale Verwerfungen bei den Patienten können zu Stress beim Personal führen.

Doch der Umgang damit ist hochprofessionell. Die Fachkräfte sind in Deeskalation und Kommunikation in anspruchsvollen Gesprächssituationen geschult. «Zudem werden sie in oder nach besonders anspruchsvollen Situationen von Fachpersonen, wie Notfallpsychologen oder Spitalseelsorgern, psychologisch unterstützt», sagt Berghoff. Dem Zufall wird nichts überlassen. Securitys schauen in der Nacht zum Rechten und bei Krisen kann sich die Abteilung sofort abriegeln.

Anzahl Behandlungen nimmt jährlich zu

Die Dienste des Notfalls des Kantonsspitals (rund 17500 Patienten 2018) und auch der räumlich angegliederten Notfallpraxis der Hausärzte in Münsterlingen (über 6000 Besuche im letzten Jahr) sind gefragter denn je. Die jährliche Zunahme der Behandlungen beläuft sich aktuell auf vier bis sechs Prozent.

«Das hat verschiedene Gründe», sagt Berghoff. Es gebe weniger Landärzte. Es gebe aber auch Kranke, die nicht warten wollen, bis der Hausarzt Zeit für sie hat. «Hausmittelchen sind nicht mehr so bekannt wie früher. Und Doktor Google verunsichert die Menschen.»

Auch Personen mit Migrationshintergrund kämen tendenziell eher ins Spital, als dass sie einen Arzt aufsuchen. «Vielleicht weil sie unser System nicht so gut kennen», sagt Berghoff. Mit Infobroschüren in allen Sprachen versuche man, dem vorzubeugen. Doch diese Personen kommen auch, weil sie dem Spital grosses Vertrauen entgegenbringen. Und um dieses zu rechtfertigen, geben sie im Notfall immer alles.

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