Die Türe der Kirche Sommeri bleibt für alle offen, auch wenn die Reformierten die Kirche den Katholiken abtreten

Am Sonntag stimmten die Kirchbürger in Amriswil und Sommeri für die Auflösung der Parität. Beide Kirchgemeindepräsidien rätseln, weshalb das Resultat der Katholiken so knapp ausfiel.

Manuel Nagel
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Die Kirche Sommeri war weniger bekannt wegen ihrer Parität, sondern viel mehr wegen ihres wunderschön bunten Kirchturmdaches. (Bild: Manuel Nagel)

Die Kirche Sommeri war weniger bekannt wegen ihrer Parität, sondern viel mehr wegen ihres wunderschön bunten Kirchturmdaches. (Bild: Manuel Nagel)

Jürg Pfiffner ist Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Sommeri. (Bild: Rita Kohn)

Jürg Pfiffner ist Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Sommeri. (Bild: Rita Kohn)

Es ist ein knappes Resultat geworden. «Wir haben damit gerechnet», sagt Jürg Pfiffner, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Sommeri. Und doch sei er am Sonntag bei der Auszählung der Stimmen nervös geworden, als der Haufen mit Nein-Stimmen immer grösser wurde. Die Anspannung wich erst, als der Urnenoffiziant zu ihm sagte: «Du, ich glaube der Ja-Haufen ist ein bisschen grösser.»

Claudia Schindler ist Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri. (Bild: Rita Kohn)

Claudia Schindler ist Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri. (Bild: Rita Kohn)

Auch Claudia Schindler, die die Evangelische Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri präsidiert, war gespannt auf den Ausgang der Abstimmung in Sommeri. Bereits zweimal nahm die Evangelische Kirchgemeinde einen Anlauf, um die Parität aufzulösen, damit die gemeinsame Kirche nur noch den Katholiken gehört. Das letzte Mal vor über 43 Jahren, im Dezember 1975. Evangelisch Amriswil-Sommeri stimmte damals zu, Katholisch Sommeri lehnte deutlich ab.

Der Entschied hing an sechs Kirchbürgern

Diesen Sonntag waren es nun 62 Ja- gegenüber 51 Nein-Stimmen. Sowohl Claudia Schindler wie auch Jürg Pfiffner können nur mutmassen, weshalb es so knapp wurde. Nur sechs Sommerer Katholiken hätten sich anders entscheiden müssen und die fast 500 Jahre alte Parität hätte weiterhin Bestand gehabt.

«Im Gegensatz zu 1975 ist diesmal der vorgelegte Auflösungsvertrag einfach und es soll ja auch kein Geld fliessen»

sagt Claudia Schindler. Zudem sei die Kirche in einem sehr guten Zustand, Renovationen seien kürzlich gemacht worden und es stünden keine grossen Ausgaben an. «Vielleicht spielte bei den Katholiken in Sommeri dennoch etwas Angst mit, dass sie in Zukunft alleine für die Kirche aufkommen müssten.» Oder aber man habe einfach an der Jahrhunderte langen Tradition festhalten wollen.

Mit Transparenz gegen die Befürchtungen

Das Finanzielle habe wohl keine Rolle gespielt, sagt Jürg Pfiffner, denn seiner Kirchgemeinde gehe es gut. Er denkt auch eher, dass es mit der Geschichte der Parität zu tun hat, die nicht alle einfach so beenden wollten.

Die Kirche Sommeri gehört in Zukunft der Katholischen Kirchgemeinde, doch der Güggel auf dem Kirchturmspitz soll bleiben. (Bild: Manuel Nagel)

Die Kirche Sommeri gehört in Zukunft der Katholischen Kirchgemeinde, doch der Güggel auf dem Kirchturmspitz soll bleiben. (Bild: Manuel Nagel)

Pfiffner gibt zu, dass auch bei ihm ein bisschen Wehmut mitschwingt, denn die Zusammenarbeit mit den Reformierten sei sehr gut gewesen. Doch er und die anderen Mitglieder der Kirchenbehörde sind der Überzeugung, dass der getroffene Entscheid der Stimmbürger richtig ist, weil die Parität zuletzt viel Zeit und Geld gekostet, aber keinen wirklichen Mehrwert mehr gebracht habe. Zudem sei es schwierig gewesen, sechs Leute für die Kommission zu finden.

Claudia Schindler bestätigt ebenfalls die gute Zusammenarbeit und betont, die Planung für den nächsten gemeinsamen Pfarreiabend stehe bereits vor der Tür. Man werde die evangelischen Kirchbürger in Sommeri nicht vergessen.

Apropos Tür: Diese bleibt in Sommeri für alle Kirchgänger offen, egal welcher Konfession sie angehören. Reformierte können weiterhin dort getauft und verheiratet werden – und auch auf dem Friedhof beerdigt werden.

Zu Beginn gab es viele Ängste, dass all dies in Zukunft nicht mehr möglich sein werde. «Es war wichtig, dass wir mit einer umfassenden Botschaft und einer Infoveranstaltung aufzeigen konnten, dass all diese Befürchtungen ohne Grund sind», sagt Jürg Pfiffner. Diese Transparenz habe wohl letzten Endes dazu geführt, dass die Sommerer Katholiken nun doch noch der Auflösung der Parität zugestimmt haben – wenn auch ganz knapp.