Glosse

Die stumme Bianca wird zur Konkurrenz für die Thurgauer Apfelkönigin

Thurgau Tourismus hat eine neue Werbeträgerin. Sie heisst Bianca und ist eine Puppe. Manche finden die Idee lustig, andere eher gruslig. Es fragt sich, ob eine stumme Puppe der richtige Werbeträger für den Apfelkanton ist.

Sabrina Bächi
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Beliebt: Selfies mit Bianca, einer Puppe, die Werbung für den Kanton Thurgau macht. (Bild: PD)

Beliebt: Selfies mit Bianca, einer Puppe, die Werbung für den Kanton Thurgau macht. (Bild: PD)

Diese Meldung wird für die neue Thurgauer Apfelkönigin schwer zu verkraften sein. Sie hat als heimische Werbeträgerin starke Konkurrenz erhalten. Neu muss sie sich mit einer Puppe namens Bianca das Aushängeschild für den Kanton teilen. Denn Bianca ist beliebt.

Kein Wunder. Sie ist eine Frau in den besten Jahren, keine Fältchen im Gesicht, wunderschöne grosse Augen. Aber das beste kommt erst noch. Bianca staunt und schweigt. Sie sagt nichts. Kein Wort. Sie ist eine Frau ohne Stimme. Sie beklagt sich nie, aber sie kann auch ihrer Freude nicht mit Worten Ausdruck verleihen. Sie staunt – über die Schönheit des Kantons, sagen die Erfinder von Bianca.

Darüber reden, allen in allen Einzelheiten davon erzählen, das kann sie nicht. Ihrem Partner vom romantischen Ausblick über den Bodensee unter Apfelbäumen vorschwärmen, das kann sie nicht. Auswählen, wo sie sitzt, wer sie wo anfasst, wer sie wo hinstellt, kann sie auch nicht. Nicht alle sind von der stummen Bianca begeistert. Einige bezeichnen die Puppe gar als irritierend. Doch die Idee mit der stummen Bianca hat gemäss Organisator Thurgau Tourismus, grossen Anklang gefunden. Viele Thurgauer wollten sich mit der Puppe ablichten lassen.

Ist es Ironie des Schicksals, dass gerade der Thurgau mit einer Frau für seine Sache wirbt, die so gar nichts mehr mit der modernen Thurgauer Frau von heute zu tun hat? Wer trägt denn so eine brave Frisur? Welche Frau trägt Hemd statt Bluse und knöpft es erst noch bis obenhin zu? Welche Frau bleibt sprachlos und staunt?

Lieber Thurgau Tourismus, hier habt ihr den Nagel auf den Kopf getroffen: Immer noch viel zu viele. Es folgt der Aufruf ein Monat vor dem Frauenstreiktag: Frauen, sprecht!

Mein Opa, der Erfinder

Räbeblatt: Als kleines Kind war für mich die Fasnacht der Höhepunkt schlechthin. Kein Wunder, denn die Fasnacht liegt unserer Familie. Mein Opa ist schliesslich Mitgründer des Wigoltinger Fasnachtsumzuges. Noch heute wird nach dem Umzug durchs Dorf der Böög verbrannt.
Sabrina Bächi