Die Stadtharmonie Amriswil bestach mit temperamentvollem Querschnitt statt sanfter Musik

Das gutbesuchte Festkonzert in der evangelischen Kirche lud weniger zur Besinnung als zum Staunen ein.

Barbara Hettich
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Die Stadtharmonie konzertierte unter Dirigent Jordi Betran-Sastre. (Bild: Barbara Hettich)

Die Stadtharmonie konzertierte unter Dirigent Jordi Betran-Sastre. (Bild: Barbara Hettich)

Es war kein Konzert zum Träumen, sondern ein temperamentvoller Querschnitt durch zeitgenössische Musik. Die Stadtharmonie eröffnete den Abend mit der Fanfare des japanischen Komponisten Satoshi Yagisawa «The Benefaction from Sky and Mother Earth» – ein Geschenk des Himmels und der Mutter Erde, welches auch den letzten Besucher in der hintersten Bankreihe aufrüttelte.

Uraufführung des gestiefelten Katers

Die rund 40 Musikantinnen und Musikanten unter der Leitung ihres Dirigenten Jordi Bertran-Sastre spielen auf hohem Niveau, sie suchen Herausforderungen. Am Sonntag präsentierten sie in einer Uraufführung das Werk «Il Gatto con gli Stivali»– der gestiefelte Kater – des spanischen Komponisten Ferrer Ferran. Mit diesem Stück werden sie im kommenden Jahr am kantonalen Musikfest teilnehmen.

Die Stadtharmonie ist bereits gut vorbereitet, sie meisterte mit Bravour überraschende Tempiwechsel, spielte überzeugend gewollte Disharmonien und hingebungsvoll die weichen, schönen Töne. Fulminant das Happyend mit Hochzeitsglocken und Fortefortissimo, das den Besuchern in den vordersten Reihen noch lange in den Ohren nachklingen dürfte.

Froh, dass die Sauerier ausgestorben sind

Die Stadtharmonie Amriswil hat als Vorbereitung auf das Kantonale auch am Aargauer Musikfest teilgenommen. Am Sonntag präsentierten die Musikantinnen und Musikanten das Pflichtstück «Mesozoicum – die Blütezeit der Dinosaurier» des Komponisten Armin Kofler. Ein eindrückliches Werk, ob schön oder nicht schön – da kann man geteilter Meinung sein. «Ich bin jedenfalls froh, dass die Saurier ausgestorben sind», meinte Thomas Haubrich, der gewohnt humorvoll durch den Abend moderierte.

Für Abwechslung im Konzertprogramm sorgte das Concertino für Schlagzeug und Blasorchester des Komponisten James Curnow, bei welchem Solist Samuel Svec die ganze Bandbreite der Percussion-Instrumente bearbeitete.

Dino Larese hatte den Marsch in Auftrag gegeben

Mit einem neuen Arrangement des «Hans Hartung Konzertmarsch», hat die Stadtharmonie zudem ein altes Trauma aufgearbeitet. Diesen Marsch hatte einst Dino Larese zu Ehren des Kunstmalers Hans Hartung beim Komponisten Paul Huber in Auftrag gegeben.

Huber sei bei der Uraufführung damals nicht gerade entzückt gewesen über die Interpretation durch die Amriswiler Musikanten. An der Aufführung am Sonntag hätte der mittlerweile verstorbene Komponist seine helle Freude gehabt.

Besinnliche Töne gab es zum Schluss des Konzertprogramm mit Mario Bürkis «La Basilica di San Marco» oder «Nimrod» von Edward Elgar und mit dem «Stille Nacht» setzte die Stadtharmonie einen weihnächtlichen Schlusspunkt.