Ölspuren in der Aach: Die Spur führt zum Romanshorner Werkhof

Seit Monaten oder sogar Jahren läuft Öl in die Aach. Die Suche nach der Quelle ist schwierig und bringt unerwartete Problemen ans Licht.

Markus Schoch
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Zur Sicherheit hat der Kanton eine Ölsperre gelegt, in der sich schnell viel Abfall sammelt.(Bild: Donato Caspari)

Zur Sicherheit hat der Kanton eine Ölsperre gelegt, in der sich schnell viel Abfall sammelt.(Bild: Donato Caspari)

Mittlerweile rufen besorgte Bürger bei Marcel Meier und seinen Kollegen vom Pikettdienst im Amt für Umwelt (Afu) in regelmässigen Abständen an. Sie melden immer dasselbe: Eine Ölspur in der Aach.

Neu ist das Phänomen nicht, sagen zumindest alteingesessene Salmsacher und Romanshorner. Sie würden solche schimmernden Filme auf der Gewässeroberfläche schon seit Jahren beobachten, haben sie Meier erzählt.

Die Verantwortlichen beim Kanton wollen der Sache jetzt auf den Grund gehen. Einfach ist die Spurensuche nicht. Denn es lässt sich kein Muster erkennen: Mal hat es Öl, mal nicht. Zudem sind die Mengen gering. Die Fachleute in Frauenfeld vermuteten zuerst, die Natur habe ihre Hand im Spiel. Denn beim Abbau von Blättern oder Laub durch Bakterien können sich Filme bilden, die wie Benzin oder Diesel aussehen. Der Verdacht hat sich aber nicht bestätigt, sagt Heinz Ehmann, der Leiter Abteilung Gewässerqualität und -nutzung im Afu.

«Die Analyse von Proben hat ergeben, dass es sich um mittel- bis hochsiedende technische Öle handelt.»

Sie sind geruchlos und finden beispielsweise als Schmiermittel Verwendung.

Im kritischen Bereich münden zwölf Rohre in die Aach

In der Zwischenzeit konnten die Afu-Mitarbeiter auch das Gebiet eingrenzen, wo das Öl in die Aach läuft. Es ist das kurze Stück entlang der Friedrichshafnerstrasse zwischen der Romanshornerstrasse und der so genannten Bierbrücke, über die der internationale Bodenseeradweg führt. Das Problem: Auf Salmsacher Seite münden vier Rohre in die Aach, auf Romanshorner Seite sind es sogar acht Einleiter, die teilweise ein riesiges Areal entwässern.

In einem Fall reichen die Leitungen bis hoch zur Coop-Tankstelle und umfassen grosse Teile des Industriegebietes Hof. Aus diesem weit verzweigten System scheint aber kein Öl zu kommen. «Zum Glück», sagt Meier. Denn die Quelle zu finden, wäre in diesem Fall fast unmöglich.

Geschundener Fluss

Die Aach hat in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Zum einen wegen wiederholter Gewässerverschmutzung 2015 und 2016, wofür das Bezirksgericht Arbon 2018 einen Schweinemäster zur Verantwortung zog. Zum anderen wegen einer umfassenden Untersuchung der Eawag in fünf mittelgrossen Flüssen inklusive der Aach. Ergebnis: In allen Gewässern findet sich ein ganzer Cocktail an Pestiziden. Von rund 300 zugelassenen und erfassbaren Wirkstoffen wurden über 100 in den Proben gefunden. (mso)

Öl nachgewiesen hat der Kanton im Meteorwasser, das aus einem Rohr fliesst, das durch das Gelände des Romanshorner Werkhofs führt. Und dort sind die Afu-Mitarbeiter in aufwendiger Kleinarbeit auch auf Öl im Erdreich gestossen. «Wie es dort hin gekommen ist, wissen wir nicht», sagt Meier. Er hat das Rohr von dort vorübergehend verschliessen lassen.

Der Werkhof steht auf einer ehemaligen Deponie

Bild vom ehemaligen Gaswerk. (Bild: Archiv SBZ)

Bild vom ehemaligen Gaswerk. (Bild: Archiv SBZ)

Das Werkhof-Areal war einst eine Kehrichtdeponie (Neuhus), und es stand dort früher eine Giesserei und ein Gaswerk. Teile des Geländes sind im Kataster der belasteten Standorte eingetragen. Der Kanton stuft den entsprechenden Bereich aber weder als überwachungs- noch als sanierungsbedürftig ein.

Möglicherweise gelangt das Öl noch aus einer zweiten Röhre in die Aach. Die Untersuchungsergebnisse sollen in ein paar Tagen vorliegen. Meier sagt: 

«Wir gehen Schritt für Schritt vorwärts und legen dann die nötigen Massnahmen fest.»

Er hofft, den Fall in den nächsten Wochen abschliessen zu können.

Viel Abfall bleibt in den Sperren hängen

Büchsen und anderes mehr sammelt sich in der Ölsperre. (Bild: Donato Caspari)

Büchsen und anderes mehr sammelt sich in der Ölsperre. (Bild: Donato Caspari)

Bei den Abklärungen zu den Ursachen für die Gewässerverschmutzung ist ein Problem aufgetaucht, das alle Beteiligten überrascht hat und möglicherweise eine viel grössere Belastung für das Ökosystem ist als das Öl. In den Ölsperren ist enorm viel Abfall hängen geblieben in Form von Flaschen, Büchsen und anderem mehr, das Menschen in den Fluss werfen. «Die Sperren sind innert kürzester Zeit voll. Es ist einfach unglaublich», sagt Gemeindepräsident Martin Haas.

Den Pestiziden auf der Spur

Der Thurgau startet ein mehrjähriges Projekt, um die Ursache von Schadstoffrückständen in Gewässern zu erforschen. Der Bund ist involviert. Er bezahlt den grössten Teil der anfallenden 7,75 Millionen Franken.
Silvan Meile

Aach: Pestizid- und Phosphor-Alarm

Die Gemeinde Salmsach hat mehrere Gebiete mit problematischen Altlasten. Sogar im Naturschutzgebiet an der Aach liegt Abfall. Hinzu kommt, dass auch die Gewässer belastet sind. So enthält die Aach einen reichhaltigen Cocktail an Pflanzenschutzmitteln.
Inge Staub/Markus Schoch