Die Spielregeln um das Gemeindepräsidium in Bottighofen sollten nicht geändert werden

Beat Müller will Gemeindepräsident von Bottighofen werden. Aber mit einem höheren Pensum als von der Exekutive angedacht. Die drei anderen Kandidaten sind von dessen Vorgehen nicht begeistert.

Nicole D'Orazio
Drucken
Teilen
Am Podium vom 26. September sind die vier Kandidaten fürs Gemeindepräsidium von Bottighofen erstmals öffentlich aufeinander getroffen: Michael Thurau, Lukas Hoffmann, Matthias Hofmann und Beat Müller. Ganz links: Moderator Urs Brüschweiler. (Bild: Andrea Stalder)

Am Podium vom 26. September sind die vier Kandidaten fürs Gemeindepräsidium von Bottighofen erstmals öffentlich aufeinander getroffen: Michael Thurau, Lukas Hoffmann, Matthias Hofmann und Beat Müller. Ganz links: Moderator Urs Brüschweiler. (Bild: Andrea Stalder)

In den Wahlkampf um das Gemeindepräsidium von Bottighofen kommt Brisanz. Als letzter von vier Kandidaten hat Beat Müller Anfang Woche seinen Hut in den Ring geworfen: Pikant ist, dass er bei einer Wahl ein Pensum von 70- bis 80-Stellenprozent fordert. Die ausgeschriebenen 40 bis 60 Prozent wären ihm zu wenig, weil er seine jetzige Arbeitsstelle aufgeben würde (unsere Zeitung berichtete).

Der heutige Amtsinhaber Urs Siegfried arbeitet 60 bis 70 Prozent, die Verwaltung wird umorganisiert. Müller, selbst Mitglied der Exekutive, sagt, dass er von den anderen Gemeinderatsmitgliedern positive Signale auf sein Anliegen erhalten habe. Bei den anderen drei Kandidaten fürs Präsidium stösst diese Forderung und Vorgehensweise jedoch auf wenig Verständnis.

Anpassung nach der Eingabefrist wäre unfair

«Die schriftliche Ausschreibung zur Gemeindepräsidentenwahl war an ein Arbeitspensum von 40 bis 60 Prozent gekoppelt. Mit dieser Ausgangslage, die vom Gemeinderat so vorgesehen ist, wurden die Bewerbungen eingereicht oder eben auch nicht», findet Kandidat Lukas Hoffmann aus Balterswil. «Sollte nun nach Ablauf der Eingabefrist das Arbeitspensum angepasst werden, scheint mir diese Vorgehensweise unfair. Vor allem gegenüber den möglichen Kandidaten, die sich nicht für die Wahl zur Verfügung gestellt haben, da ihnen das Pensum zu gering war.»

Da er davon ausgehe, dass der Gemeinderat das 40- bis 60-Prozentpensum aus guten, fundierten Fakten beschlossen hat, sollte an diesem Entscheid festgehalten werden, sagt Hoffmann. «Auch wenn ein Kandidat diesem Gremium angehört.» Oder gerade deshalb. «Aus persönlichen Interessen darf der Gemeinderatsentscheid nicht angepasst werden.»

Sollten zukünftige Erfahrungen und Erkenntnisse zeigen, dass sich das Pensum nicht bewährt, könne der Gemeinderat den Beschluss jederzeit überarbeiten. Hoffmann bevorzugt ein Pensum von 60 Prozent, da aus seiner Sicht 50 Prozent nur für reine Verwaltungsaufgaben benötigt würden und das keine Luft für zukunftsweisende Projektarbeiten lasse.

Aufstockung entspricht persönlichen Bedürfnissen

«Mit Erstaunen habe ich von der Presse erfahren, dass der Gemeinderat Bottighofen anscheinend kurzfristig der Erhöhung der Stellenprozente auf 80 Prozent zugestimmt hat», sagt Matthias Hofmann aus Bottighofen. «Mir scheint, dass diese Erhöhung nicht dem Aufwand des Amtes, sondern den persönlichen Bedürfnissen eines Kandidaten geschuldet ist.»

In einem Artikel vom Mai habe der amtierende Gemeindepräsident deutlich zum Ausdruck gebracht, dass mit der Umstrukturierung der Verwaltung die Aufgaben des Gemeindepräsidenten mit 50 Prozent zu bewerkstelligen seien. «Diese Meinung habe ich an der Podiumsdiskussion vertreten und vertrete sie, auf mich bezogen, auch jetzt noch», sagt Hofmann.

Es gebe keinen Grund, die Stellenprozente so deutlich zu erhöhen, ausser der Kandidat bringe erhebliche Kompetenzen, zum Beispiel als ausgewiesener Fachmann im Bau- und Finanzenwesen, mit, welche für die Gemeinde einen Mehrwert darstellen. Im Umkehrschluss müsste dann aber auf Seite der Verwaltung kompensiert werden. «Weiter ist es befremdlich, dass die Spielregeln während des Spiels geändert werden», meint Hofmann. Er stelle sich gerne nach wie vor für 50 Prozent zur Wahl. «Wenn man einen verantwortungsvollen Posten oder ein öffentliches Amt bekleidet, sollte man sich manchmal die Frage stellen: Ist mein Handeln fair und dient es der Allgemeinheit?»

40 bis 60 Prozent sind absolut in Ordnung

«Für mich ist das vom Gemeinderat definierte Pensum zwischen 40 und 60 Prozent absolut in Ordnung», meint Michael Thurau. «Dieser hat sich genau überlegt, welches Pensum angemessen ist.» Ob der Gemeinderat seine Vorgaben inzwischen geändert habe, könne er nicht beurteilen. «Nach meinem Kenntnisstand hat die Findungskommission das Amt aufgrund der Vorgaben ausgeschrieben. Unter anderem wegen des genannten Pensums haben sich die Kandidaten gemeldet. Es hätte durchaus weitere Bewerbungen geben können, hätte man mit einem anderen Pensum ausgeschrieben.»

Thurau steht zum Milizsystem. «Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde mit einem 50-Prozentpensum professionell und dienstleistungsorientiert geführt werden kann», meint er. «Auch im Wissen, dass wir einen sehr guten Gemeindeschreiber und gute Verwaltungsangestellte haben.» Ergänzend seien Behördenmitglieder für die Gemeinde tätig, die ihre Fachkompetenz zu Gunsten ihres Ressorts und des Dorfes einsetzen.

«Ich finde es nicht notwendig, dass der Gemeindepräsident ein Pensum von 70- bis 80 Prozent leistet. Ich bestätige, dass ich an keinem höheren Pensum interessiert bin», sagt Thurau. Er führe erfolgreich ein Treuhandunternehmen und wolle einen Teil seiner Arbeitsleistung für die Öffentlichkeit erbringen.