«Die Situation ist eine ungeheure Herausforderung»: So reagieren Gastrobetriebe, kulturelle und sportliche Institutionen im Oberthurgau auf die neuen Coronamassnahmen

Das Kulturzentrum Presswerk in Arbon hat den Betrieb eingestellt. Das Hotel und Restaurant Klein Rigi in Schönenberg rechnet mit rund Tausend Gästen weniger. Und beim Eissportzentrum Oberthurgau in Romanshorn ist noch nicht klar, wie es weitergeht.

Tanja von Arx
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Das «Klein Rigi» in Schönenberg hat schon eine Woche vor dem bundesrätlichen Entscheid eine Maskenpflicht eingeführt.

Das «Klein Rigi» in Schönenberg hat schon eine Woche vor dem bundesrätlichen Entscheid eine Maskenpflicht eingeführt.

Reto Martin

Von Schock bis positives Denken: Die neuen Massnahmen des Bundesrates zur Eindämmung des Coronavirus rufen im Oberthurgau unterschiedliche Reaktionen hervor. Gastrobetriebe, kulturelle und Sportorganisationen von Arbon bis Amriswil sind aber bemüht, aus der Situation rund um die gestiegenen Infektionszahlen das Beste zu machen.

Kulturzentrum Presswerk Arbon

Cyrill Stadler, Co-Präsident des Kulturzentrums Presswerk in Arbon, sagt: «Wir haben den Betrieb eingestellt.» Das Versammlungsmaximum von fünfzig Personen habe ihn zu Fall gebracht.

«Konzerte finden keine mehr statt.»

Zwar sei man alle Alternativen durchgegangen, aber man könne nichts machen. Konkret habe man das Konzert von Dabu Fantastic abgesagt, das 500 Personen besuchen wollten, und dasjenige von Purple Schulz. «Wenn etwa vier Fünftel der Besucher nicht kommen können, wie wählt man dann aus?» Ein Konzert aufzuteilen auf mehrere Abende sei logistisch auch nicht möglich. «Das hat keinen Wert.» Bevor sich nichts ändere, könne man nicht an eine Durchführung denken. Die Veranstalter sind dennoch guter Dinge. Stadler: «Den Stopp hat es gebraucht, der Bundesrat musste etwas tun. Der Entscheid war konsequent.»

Musikschule Arbon

Ähnlich klingt es von Seiten der benachbarten Musikschule Arbon. Leiterin Julia Kräuchi sagt: «Die Situation ist eine ungeheure Herausforderung.» Bis Ende Jahr habe man alle Veranstaltungen abgesagt. «Die Adventskonzerte sind ein Risiko für Schüler und Mitarbeiter.» Gleichzeitig sei man erleichtert, dass wieder Präsenzunterricht erlaubt sei. «Und dass nicht alles online läuft wie im Frühling.» Auf dem Flur würde man Schutzmasken tragen, teils auch im Unterricht.

«Für die Lektionen mit Gesang und Blasmusik haben wir Plexiglas installiert.»

Eltern lasse man wenn möglich nicht mit ins Gebäude, die Schüler selbst erst kurz vor dem Unterricht. «Glücklicherweise haben wir grosse Räume.»

Das Ziel sei auf jeden Fall, dass sich die Leute sicher fühlen würden, sagt Kräuchi. «Ausserdem sticht einem eine Belastung ins Auge.» Viele Musiker würden Teilzeit an der Musikschule arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. «Für sie bricht die übliche Freelancer-Arbeit weg, und zwar vom Tontechniker über den Künstler bis hin zum Mitarbeiter an der Garderobe.»

Activ Fitness Arbon

«Unangenehm» zeigt sich die Situation für das Activ Fitness Arbon im Hamel-Gebäude. Mitarbeiter Ben Posch sagt: «Alle Besucher trainieren mit Maske.» Allerdings sei das vielen älteren Personen, insbesondere solchen mit Atembeschwerden, nicht möglich.

«Mit der Maske schwitzt man schon im Alltag und bekommt weniger Luft, bei körperlicher Anstrengung ist das nochmal was anderes.»

Insgesamt sei das Fitnessstudio deutlich weniger besucht, auch, wenn die Jungen gleichwohl probieren würden ihre Trainings zu absolvieren. «Es stand auch zur Diskussion, das Studio zu schliessen», sagt Posch. Allerdings würden es das Activ Fitness und andere Fitnessstudios in der Umgebung wie das Simplyfit noch mit verschärften Massnahmen versuchen. «Das sicher für zwei bis drei Wochen.» Wenn die Fallzahlen weiter steigen würden, so Posch, dann müsste man aber zumachen.

Eissportzentrum Oberthurgau

Völlig offen ist die Situation hingegen noch im Eissportzentrum Oberthurgau EZO in Romanshorn. Inhaber und CEO Gregor Müller sagt: «Die konkreten Massnahmen sind noch in Abklärung.» Allerdings könne man jetzt schon sagen, dass massive sportliche Einschränkungen zu entsprechenden Umsatzeinbussen führen würden. Indes ist anzumerken, dass die Infrastruktur der Stadt gehört. Das EZO umfasst eine Eissporthalle, ein Restaurant, einen Saal, eine Unterkunft mit 54 Betten und einen Kraftraum sowie einen Sportplatz.

Kino Roxy Romanshorn

Andrea Röst, Geschäftsführerin des Romanshorner Kino Roxy, sagt: «Die beliebte Veranstaltung Look&Roll musste abgesagt werden.» Auch die Winterthurer Kurzfilmtage fänden neu ausschliesslich online statt, für die das Kino zusätzlicher Austragungsort gewesen wäre. «Ich hoffe, es bleibt dabei.» Das seit Juni bestehende Schutzkonzept werde ergänzt.

«Unser Ticket-System blockiert stets ein Sitzplatz zwischen Besuchern und Besuchergruppen. Neu ist jede zweite Reihe frei.»

So sei ein komfortabler Abstand gewährleistet. Trotz der Umstände: «Das ‹Roxy› kommt auch mit der neuen Regelung gut zurecht.» Mit Freude mache man, so Röst, weiterhin Kino für das Publikum. «Es ist wichtiger denn je, dass sich die Menschen treffen, in einen Film eintauchen und sich dabei wohl und sicher fühlen können.»

Bistrokomitee Kleinkunstveranstaltungen Romanshorn

Harald Senn vom Bistrokomitee für Kleinkunstveranstaltungen in Romanshorn sagt: «Die generelle Zuschauerbeschränkung auf fünfzig Personen verunmöglicht es uns, Veranstaltungen kostendeckend durchzuführen.» Bereits anlässlich der letzten Veranstaltung im September habe man ein Schutzkonzept umgesetzt. «Das kommt in angepasster Form wieder zur Anwendung.» Ende November und Mitte Dezember seien dieses Jahr noch zwei Veranstaltungen geplant. «Der Vorstand wird demnächst darüber entscheiden, ob und in welcher Form sie durchgeführt werden.»

Kultur in Amriswil

Andreas Müller, Kulturbeauftragter der Stadt Amriswil, sagt: «Ich validiere in dem Moment den Kulturpreis.» Dieser und der Anerkennungspreis hätten am 3. November verliehen werden sollen. «Allerdings verschieben wir das auf nächstes Jahr.» Mit Hundert Anmeldungen sei der Anlass nicht durchführbar.

«Und in verringerter Form nicht würdevoll.»

Müller ist auch Aktuar des Vereins Amriswiler Konzerte. Dieser habe das Konzert zum Reformationstag und zu Allerheiligen abgesagt, da mehr als achtzig Personen erwartet worden wären. Als Vorstand des Kulturforums Amriswil sagt Müller: «Es gab einen regen Austausch mit einem Hin und Her, die eine Hälfte wollte absagen, um Kontakte zu vermeiden, die andere war der Ansicht, man könne das nicht machen im Hinblick auf Künstler und Zuschauer, aber auch wegen der Verträge.» Mittlerweile sei klar, dass die Veranstaltungen vom 13.November und 6.Januar mit Schutzmassnahmen durchgeführt würden. «Allerdings gibt es keine Pause, da die Situation dann nicht kontrollierbar ist.» Getränke seien aber verfügbar.

Löwenarena Sommeri

Karin Sauter, Präsidentin des Vereins Löwenarena Sommeri, sagt: «Für das Konzert von Christian Zehnder am 14.November reichen wir beim Kanton ein Konzept ein und hoffen auf Bewilligung.» Unter Berücksichtigung der Maskenpflicht wolle man den Anlass mit maximal fünfzig Leuten durchführen.

«Klein Rigi» Schönenberg

Alberto Provenza, Geschäftsführer des «Klein Rigi» in Schönenberg, sagt: «Wir haben die Maskenpflicht schon eine Woche vor dem Bundesratsentscheid eingeführt.» Seit längerem habe man am Ort eine Maskenstation und einen Spender mit Händedesinfektionsmitteln. «Wir haben Respekt bei der Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen, manchmal tun wir etwas mehr.» Für November und Dezember rechne er mit zirka Tausend Personen weniger.

«Allein am Donnerstagvormittag erhielt ich 15 Telefonate mit Absagen.»

Darunter würden vor allem Weihnachtsessen fallen. «Firmen hatten etwa für 180 Leute gebucht.» Aber auch Taufen und Geburtstage würde man nicht durchführen wollen. Provenza sagt, er habe auch mit Gastrosuisse geredet, da einem die Vorgaben des Bundesrats nicht ganz klar seien. «Die Beschränkungen besagen ein Maximum von fünfzig Leuten, aber wenn es zwanzig sind, müssen sie dann in Vierergruppen an Tischen sitzen?» Dennoch wolle man positiv bleiben, sagt Provenza. «Wir schauen nach vorne und wollen für unsere Gäste den Abend so schön wie möglich gestalten.»

Wasserschloss Hagenwil

Andreas Angehrn, Besitzer des Wasserschlosses Hagenwil bei Amriswil, sagt: «Ich schätze, dass achtzig Prozent der Anlässe abgesagt werden.» Insbesondere Weihnachtsessen. «So über den Daumen sind es auch zwanzig Prozent weniger Anlässe, zu denen zwanzig bis 25 Leute kommen.» Was das Restaurant betreffe, so sei es schwierig zu sagen.

«Nach einem guten August und September spürt man jetzt Verunsicherung und Zurückhaltung, aber vielleicht normalisiert sich die Lage nach dem Schock wieder.»

Angehrn sagt, man habe einige Tische rausgestellt und arbeite mit noch grösseren Abständen. «Das Servicepersonal hat schon vorher in kleinen Räumen und nah bei den Leuten Masken getragen.» Nach einer Umbauphase habe man indes eine neue Lüftung, die einem in der Situation jetzt besonders zugute komme. «Und eine neue Küche, in der wir produktiver und effizienter arbeiten.»