«Die Schweiz hat in Südkorea einen guten Ruf»

Christina Forster, Vizestadtpräsidentin von Bischofszell, referierte in Südkorea über die direkte Demokratie in der Schweiz auf Gemeindeebene.

Georg Stelzner
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Am 31. Oktober empfängt Kim Joo Soo, Stadtpräsident von Uiseong, Christina Forster in seinem Büro.

Am 31. Oktober empfängt Kim Joo Soo, Stadtpräsident von Uiseong, Christina Forster in seinem Büro.

Bild: PD

Wie ist es zu dieser Reise und zu den Vorträgen in fünf südkoreanischen Städten gekommen?

Christina Forster: Im Juli wurde ich von Herrn Kuan-Ug An angefragt, ob es mir möglich wäre, in Uiseong-gun an einer internationalen Tagung über die schweizerische direkte Demokratie auf Gemeindeebene zu referieren. Wir kennen uns, seit im Mai eine Delegation aus Südkorea Bischofszell besucht hat. Ich musste mir das Angebot nicht lange überlegen, denn auf Reisen bin ich schon immer gern gegangen. Andere Länder und Kulturen interessieren mich.

Kannten Sie Südkorea?

Nein, ich betrat in jeder Hinsicht Neuland. Das meiste war mir unbekannt. Dennoch habe ich die Reise am 29. Oktober gelassen in Angriff genommen.

Haben Sie sich im fremden Land gut zurechtgefunden?

Ja, die Schrift ist zwar anders, aber die Zahlen sind die gleichen wie bei uns. Ich war nicht auf mich allein gestellt, sondern genoss eine zuvorkommende Begleitung. Alles wurde mir jeweils umgehend übersetzt. Meinerseits habe ich mich bemüht, auf Koreanisch zu grüssen und zu danken.

Wie haben Sie sich auf Ihre Auftritte vorbereitet?

Ich habe in den Herbstferien im Internet zum Thema «Direkte Demokratie in der Schweiz» recherchiert und versucht, die Thematik möglichst einfach und verständlich zu erläutern. Das ist unter anderem mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation geschehen. Mein in deutscher Sprache gehaltenes Referat und meine Unterlagen wurden in die Landessprache übersetzt.

Gab es Bedingungen oder konnten Sie frei sprechen?

Mir wurden keinerlei Auflagen gemacht. Ich habe versucht, meinen Auftrag zu erfüllen und den Erwartungen meiner Gastgeber gerecht zu werden. Wie sind Ihre Ausführungen aufgenommen worden? Die Leute waren sehr interessiert und begegneten mir auch mit grossem Wohlwollen. Dass die Schweizer ein so ausgeprägtes Mitbestimmungsrecht haben, hat grossen Eindruck hinterlassen. Ich hatte bei den Vor- trägen bis zu 200 Zuhörer. Auch die lokalen Zeitungen berichteten darüber. Während meines Aufenthalts ist mir nicht verborgen geblieben, dass die Schweiz in Südkorea dank ihrer Vermittlerrolle im Koreakonflikt einen guten Ruf hat.

Wie haben Sie das Land und die Bevölkerung erlebt?

Die Leute sind freundlich und hilfsbereit, und die von mir besuchten Städte empfand ich als sauber und sicher. Auffallend sind die zahlreichen Wolkenkratzer. Besonders eindrucksvoll war für mich der Besuch in einem Tempel. Soweit ich es beurteilen kann, geht es der Bevölkerung vergleichsweise gut.

Glauben Sie, dass die südkoreanische Politik etwas vom Schweizer Modell übernehmen wird?

Das zu beurteilen, fällt mir schwer. Ich denke, es gibt durchaus Bestrebungen, etwas zu verändern. Das wird aber nicht von heute auf morgen geschehen. Wenn, dann wird es ein Prozess von langer Dauer sein.

Was ist der grösste Unterschied zwischen Südkorea und der Schweiz?

Die südkoreanische Gesellschaft wird von Männern dominiert. Ich habe auch mehrheitlich mit Männern zu tun gehabt. Dass eine Frau ein Seminar leitet, wie ich es anlässlich des Besuchs der Delegation in Bischofszell getan habe, ist in Südkorea eher unüblich.

Welche südkoreanische Errungenschaft sähen Sie gerne in Bischofszell?

Mich hat fasziniert, dass den Südkoreanern im Freien viele Fitnessgeräte zur Verfügung stehen, die kostenlos benutzt werden können. Man achtet sehr auf die Gesundheit. Gratis benutzt werden können im Übrigen auch die öffentlichen Toiletten.

Sehen Sie Chancen für dauerhafte Kontakte?

Ich kann mir schon vorstellen, dass aus den bisherigen Begegnungen einmal mehr entsteht. Man könnte die Beziehungen durchaus noch vertiefen und damit eine völkerverbindende Partnerschaft anbahnen.

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