«Die schwarze Spinne» kommt: Die Hagenwiler Schlossfestspiele können diesen Sommer stattfinden

Am Freitagnachmittag gab der Verein Schlossfestspiele grünes Licht, auch wenn es einige Hürden zu überwinden gilt. Eine davon ist die um rund 30 Prozent reduzierte Zuschauerkapazität.

Manuel Nagel
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Der Verein Schlossfestspiele mit Christoph Huser (Marketing), Andi Angehrn (Infrastruktur), Stephan Häuselmann (Finanzen), Livia Stehrenberger (Ticketing), Karl Spiess (Präsident) und Florian Rexer (künstlerische Leitung) steckte am Freitag die Köpfe zusammen.

Der Verein Schlossfestspiele mit Christoph Huser (Marketing), Andi Angehrn (Infrastruktur), Stephan Häuselmann (Finanzen), Livia Stehrenberger (Ticketing), Karl Spiess (Präsident) und Florian Rexer (künstlerische Leitung) steckte am Freitag die Köpfe zusammen.

Bild: Manuel Nagel

Es sind gute Nachrichten für das kulturelle Leben im Oberthurgau. «Die Schlossfestspiele Hagenwil finden statt, der Verein hat soeben das ‹Go› beschlossen», verkündet Präsident Karl Spiess am Freitagnachmittag im Wasserschloss. Dem Entscheid seien mehrere intensive Diskussionen vorausgegangen und der Vereinsvorstand habe auch noch die neusten Entwicklungen und Ankündigungen des Bundesrates abwarten wollen.

«Gemäss diesem sind ja jetzt wir in der Verantwortung, wenn wir die Spiele durchführen», so Spiess. «Deshalb müssen wir umfassende Massnahmen sowohl für Schauspieler wie auch für das Publikum ergreifen.»

Rund 30 Prozent weniger Plätze für Zuschauer

Für die Zuschauer bedeutet dieses Schutzkonzept, dass es für sie mehr Freiraum gibt. Weil aber der Schlosshof in seiner Dimension beschränkt ist, werden weniger Plätze als geplant zur Verfügung stehen. «Wir gehen davon aus, dass wir 70 Prozent hinbekommen», sagt Spiess.

Deshalb müssen auch der Saalplan angepasst und das Ticketing neu konzipiert werden. «Im Eilzugstempo bis hoffentlich Mitte nächster Woche», sagt Spiess. Das Ticketing ist vorerst auf Eis gelegt. Für die 652 Käufer, die sich ihren Platz bereits gesichert haben, soll es jedoch keine Auswirkungen haben, sagt der Marketingverantwortliche Christoph Huser. «Am 6. Juni wollen wir den Vorverkauf wieder eröffnen und bis dann alles, was die Zuschauer betrifft, gelöst haben. Mit möglichst wenig Mutationen», so hofft Huser.

Wenn 30 Prozent Zuschauerkapazität wegfallen, werde es mit der Finanzierung der Schlossfestspiele knapp, sagt Finanzchef Stephan Häuselmann, «das bedeutet für uns eine Einbusse von rund 45'000 Franken». So hoffe man auch auf die Unterstützung des Kantons, um diese finanzielle Lücke zu füllen.

«Zum Glück gibt’s keine Knutscherei auf der Bühne»

Jeremias Gotthelfs «Die schwarze Spinne» wird vom 5. August bis zum 5. September im Schloss Hagenwil gespielt. Die Premiere ist bereits ausverkauft.
«Zum Glück spielen wir nicht ‹Romeo und Julia› dieses Jahr», sagt Florian Rexer. «Mit der ganzen Knutscherei hätten wir die Distanzregel gar nicht einhalten können», meint der Regisseur mit Galgenhumor, «aber meine Schauspieler verhalten sich bei den Proben äusserst verantwortungsvoll», erzählt Rexer. «Wir arbeiten sehr konzentriert und diszipliniert.» Zudem werde bei Dialogen mit einer Folie zwischen den Akteuren geübt, falls diese sich doch näher als zwei Meter kommen müssten.
Umschreiben oder die Choreografie ändern musste Rexer nichts. «Die Figur von Hans-Rudolf Spühler, der Teufel, der distanziert sich von der Menschenwelt», erklärt der Regisseur. Der 73-jährige Spühler werde dadurch auch besser geschützt als in einem Stück, in dem sich die Schauspieler näher kämen. «Aber Hans-Rudi wird sich dennoch isolieren müssen, ganz klar», sagt Florian Rexer.
Obschon die Auswahl des Stücks vor bereits über einem Jahr erfolgte, «so passt kaum ein Stück so gut in die jetzige Coronazeit wie Gotthelfs Novelle», findet Regisseur Rexer. (man)

www.schlossfestspiele-hagenwil.ch

Schlossherr und Gastgeber Andi Angehrn wird seine Menus vor den Aufführungen «in ähnlichem Rahmen» anbieten können, wie er sagt. «Für uns wird es etwas aufwendiger, aber für die Gäste wird es keine grossen Einschränkungen geben.»