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Die Rettung der Dorfbeiz naht: Die Gemeinde Roggwil interessiert sich für den «Ochsen»

Die Roggwiler befürchten die Schliessung des «Ochsen». Doch jetzt meldet sich ein vielversprechender Interessent.
Miguel Lo Bartolo
Der Roggwiler Gemeinderat überlegt, das Gasthaus «Ochsen» zu kaufen. (Bild: Andrea Stalder)

Der Roggwiler Gemeinderat überlegt, das Gasthaus «Ochsen» zu kaufen. (Bild: Andrea Stalder)

Die Zukunft des «Ochsen» ist auch weiterhin ungewiss. Die derzeitigen Pächter haben nach 14 Jahren Betrieb den Vertrag auf Ende Januar aufgelöst. Der Vorstand konnte indes weder einen Pächter noch einen Käufer finden, der sich der Liegenschaft im Herzen des Dorfes annimmt. «Unzählige Stunden wurden in den Verkauf investiert – vergeblich», sagt Willi Bischofberger, Präsident der Saalbaugenossenschaft «Ochsen» in Roggwil. «Wir feiern dieses Jahr das 50-jährige Bestehen unserer Genossenschaft. Dieser runde Geburtstag gibt Anlass, sich ordentlich Gedanken über die Zukunft unserer Dorfbeiz zu machen.» Mit diesen Worten eröffnet Bischofberger die gestrige Genossenschaftsversammlung.

Der Genossenschaftspräsident appelliert Anfang Sitzung an das Verständnis der Teilnehmer, kleine Körperschaften und Genossenschaften seien weiterhin auf die Liegenschaft angewiesen, in der sie jeweils ihre Sitzungen abhalten.

«Es gilt daher nach wie vor, einen Abnehmer zu finden, der den Sitzungssaal sowie den Restaurantbetrieb im Gasthaus aufrechterhält.»

Er wisse aber, dass sich die Ansprüche der Anwohner in den vergangenen Jahren verändert hätten. «In Zeiten des Internets und der zunehmenden Vernetzung besteht vor allem seitens der jüngeren Generation kein Bedürfnis, die Dorfbeiz zum Treffpunkt zu machen.» Der «Ochsen» habe seine besten Zeiten hinter sich. Es dürfte daher schwierig sein, die Dorfbeiz wiederzubeleben. Allerdings: Aufgrund eines vielversprechenden Interessenten scheint sich das Blatt nun zu wenden.

Diverse Interessenten sind abgesprungen

Willi Bischofberger betont zwar, dass sich in der Vergangenheit mehrere Interessenten gemeldet hatten. Während laufender Verhandlungen seien diese aber allesamt abgesprungen. Einige zogen sich laut dem Genossenschaftspräsidenten sogar kommentarlos zurück. Der prominenteste Interessent war zweifellos Kybun-Chef Karl Müller.

«Emotionale Motive» hätten den bekennenden Roggwiler zum Kauf der Liegenschaft bewogen, wie Bischofberger sagt.

«Aus wirtschaftlicher Sicht müsse man klar die Finger davon lassen»

So zitiert die Aktuarin, Conny Fritz, Karl Müller aus dem Protokoll des Vorjahres. Die Verkaufsabsicht des Vorstandes wurde den Genossenschaftern gemäss Protokoll erst mitgeteilt, nachdem bereits Verhandlungsgespräche mit Müller stattgefunden hatten. Deshalb verlangten einige mehr Bedenkzeit und folglich einen Aufschub der Abstimmung. «Ich vertrete hier einen Verein und muss mich zuerst mit den Mitgliedern beraten», sagte etwa einer.

Weiter forderten die Genossenschafter, im Falle eines Verkaufs der Liegenschaft die Parkplätze öffentlich zu lassen. Auf dieses Geschäft wollte sich Müller allerdings nicht einlassen.

«Ohne Parkplätze kein Deal»

So zitiert Bischofberger Karl Müller. Der beantragte Aufschub wurde schliesslich zu beschlossener Sache. Im Dorf kursierte zwischenzeitlich das Gerücht, der stark religiöse Kybun-Chef wolle aus dem Gasthaus einen Bet-Tempel machen. Daraufhin brach Müller die Verhandlungen mit dem Genossenschaftsvorstand ab. «Jetzt stehen wir hier – ohne Käufer und ohne Pächter», sagt Bischofberger.

Gemeinderat bekundet Interesse

Mittlerweile habe sich ein neuer Interessent beim Vorstand gemeldet. Bischofberger übergibt das Wort an den Gemeindepräsidenten, Gallus Hasler. Dieser kommt gleich zur Sache:

«Ich bin hier, um das Interesse des Gemeinderats am ‹Ochsen› unter Vorbehalten bekannt zu geben.»

Der Gemeinderat schloss lange Zeit einen Kauf der Dorfbeiz aus. Dies wurde damit begründet, dass eine derartige Investition nicht im Aufgabenbereich der Gemeinde läge. Mittlerweile ginge es aber nicht mehr bloss um Finanzen. Vielmehr liesse sich auf diese Weise das beste Ergebnis für alle beteiligten Parteien erzielen. Das Parkplatzproblem wäre gelöst und die Gemeinde könnte mit dem Standort Ochsen das Dorfleben selbst ankurbeln.

In einem ersten Schritt geht es Hasler nur darum, die Genossenschafter über das Engagement der Gemeindevorsteher zu informieren.

«Die Stimmbürger werden am 13. Januar an der Gemeindeversammlung über das genaue Vorhaben informiert.»

Darüber abgestimmt werde schliesslich am 18. Mai, sagt Hasler.

Drei konkrete Bedingungen

Zu den Vorbehalten, die Hasler äussert, gehört offenkundig die Zustimmung der Stimmbürger. Sollten sich diese gegen den Kauf entscheiden, würde das Geschäft platzen. Des Weiteren sei der Gemeinderat nicht mit der Auflage einverstanden, den Restaurantbetrieb während mindestens zwanzig Jahren weiterzuführen. Hasler erachtet die Forderung der Genossenschaft als unrealistisch, erklärt sich aber vorläufig bereit, die Beiz vorübergehend weiterzuführen:

«Über den Verbleib entscheidet die Rentabilität.»

Der dritte und letzte Vorbehalt Haslers sieht folgendes vor: Wird bis zur Abstimmung mit einem weiteren Kaufinteressenten verhandelt, zieht sich der Gemeinderat zurück. «Diese Vorbehalten dienen der Risikovorbeugung», sagt Hasler.

Im Anschluss an die Rede des Gemeindepräsidenten veranlasst Bischofberger eine Konsultativabstimmung. Dabei soll ersichtlich werden, wie die Genossenschafter einem potenziellen Verkauf gegenüberstehen. Von 49 Anwesenden stimmen 43 dem Verkauf an die Gemeinde zu. Lediglich zwei stimmen dagegen, vier enthalten sich. «Ich wäre froh, wenn die Gemeinde das Herzstück Roggwils übernehmen würde», sagt ein Vorstandsmitglied.

Fehlerhafte Erfolgsrechnung erhitzt die Gemüter

Grösstenteils verläuft die Generalversammlung im «Ochsen» ruhig. Bis auf wenige Ausnahmen schweigen die Genossenschafter. Erst als die Finanzen zur Sprache kommen, erhebt sich einer von seinem Stuhl. Kopfschüttelnd weist er den Vorstand darauf hin, dass die Projektierungskosten von über 20'000 Franken seines Erachtens nicht ordnungsgemäss verbucht wurden. Es handelt sich dabei um eine offene Forderung seitens eines Architekten, der als Beratung für den Umbau des «Ochsen» beigezogen wurde. Dieser habe aber «vorübergehend auf die Forderung verzichtet», wie Bischofberger sagt.

Die Genossenschafter sind verwirrt. In der Hitze des Gefechts stellt sich dann heraus, dass sich die Gesamtkosten der Projektierung auf 54'000 Franken belaufen. Ein Raunen geht durch den Saal. Keiner mag sich daran erinnern, diese Ausgaben gutgeheissen zu haben. Ein Revisor klärt auf: Offene Forderungen gehören zum Aufwand und sind deshalb zwingend in der Erfolgsrechnung zu berücksichtigen. Der Revisionsbericht wird entsprechend den Erkenntnissen zurückgezogen und eine ausserordentliche Versammlung innerhalb der nächsten drei Monate angesetzt

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