Die Restaurationsarbeiten am Arboner Kappeli sind abgeschlossen

Nach sechs Jahren Arbeit: Die ehemalige Kapelle findet nun einen neuen Zweck als Veranstaltungsort. Damit kommt ein neues Kapitel zu der 600 Jahre langen Geschichte des Gebäudes hinzu.

David Grob
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Das Kappeli kann für Anlässe gemietet werden. (Bild: Annina Flaig)

Das Kappeli kann für Anlässe gemietet werden. (Bild: Annina Flaig)

Das Kappeli in der Arboner Altstadt kommt zur Ruhe. Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten in der 1390 erbauten St. Johannes-Kapelle, so der eigentliche Name des Kappelis, sind vorerst abgeschlossen worden. Nun kann das ehemalige Sakralgebäude als Veranstaltungsort gemietet werden. Dies teilt die Stadt in einem Communiqué mit.

2009 bewilligte die Arboner Stimmbevölkerung einen Kredit für das Kappeli. Seit 2012 laufen die Sanierungsarbeiten. Ganz fertig sind diese gemäss dem verantwortlichen Architekten Raphael Künzler aber noch nicht. «Der jetzige Zustand ist eigentlich nur ein Zwischenstand.» Geplant wäre noch der Einbau einer Bühne, eines Zwischenbodens und einer Treppe zur Galerie.

Stadtrat Peter Gubser (Ressort Bau, Freizeit, Sport)

Stadtrat Peter Gubser (Ressort Bau, Freizeit, Sport)

«Wir setzen jetzt für die nächsten Jahre einen Punkt», sagt der zuständige Stadtrat Peter Gubser. Nebst finanziellen Gründen – die gesamte Restaurierung beziffert Gubser auf Brutto 1,6 Millionen Franken, wovon rund 300'000 Franken von Stiftungen übernommen wird – verweist er auf «verwendungstechnische» Gründe. Gubser sagt:

«Der jetzige Zustand reicht völlig für den geplanten Zweck als Veranstaltungsort für kleine Versammlungen, Feiern, Apéros oder Ausstellungen.»

Der Raum kann für 100 Franken pro Tag gemietet werden und bietet Platz für 20 bis 50 Personen. Gubser schränkt jedoch ein: «Das Kappeli sollte eher im Sommer gemietet werden. Der Raum ist nicht beheizt.»

Eine Arbeit mit vielen Schichten

Der Grund hierfür liegt im Alter und historischen Wert des Gebäudes. «Eine zu hohe Temperatur im Raum wäre schädlich für die Wandgemälde», sagt der Arboner Architekt Raphael Künzler. Die Fresken sind auch der Grund für die langjährigen Restaurationsarbeiten, die im und am Kappeli seit 2012 durchgeführt wurden.

Seit 2012 arbeiteten Restauratoren an den Fresken. (Bild: Max Eichenberger)

Seit 2012 arbeiteten Restauratoren an den Fresken. (Bild: Max Eichenberger)

Die grossen Bildzyklen im Chor freizulegen ist ein aufwendiger und vielschichtiger Prozess – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Fresken wurden im Verlaufe der unterschiedlichen Nutzung des Kappelis mit Putz überdeckt, den die Restauratoren in langwieriger Arbeit entfernen mussten.

Architekt Künzler erklärt: «Damit der Verputz besser hielt, wurden damals die Wandgemälde erst aufgeraut.» So mussten nach dem Freilegen die früheren Beschädigungen zusätzlich ausgebessert werden. «Diese aufgerauten Stellen wurden so restauriert, dass sie immer noch leicht sichtbar sind, aus Respekt vor der spürbaren Baugeschichte des Kappelis.

Von einer Kapelle zum Brockenhaus

Denn das Kappeli blickt in über sechshundert Jahren Bestehen auf eine reiche Geschichte mit diversen Verwendungszwecken zurück. Nach einem verheerenden Stadtbrand 1390 erbaut, fiel die Kapelle rund hundert Jahre beinahe selbst den Flammen zum Opfer. In einem Racheakt legten die Söhne eines gehängten Diebes Feuer. Spuren des Brandes sind heute noch im Dachstock sichtbar.

Bis 1777 behielt die St. Johannes-Kapelle ihren ursprünglichen Zweck als Sakralbau. Dann folgten weltliche Nutzungen. «Das Kappeli war ein Militärbüro, ein Feuerwehrdepot und zuletzt vor der Restaurierung ein Brockenhaus», sagt Künzler. Und die Nutzungsgeschichte schrieb sich im Raum ein. So stammen die Tore aus der Zeit als Feuerwehrdepot. Die Arkade für die Fussgänger war bis 1930 Teil der Kapelle.

Das architektonische Konzept Künzlers sieht vor, die diversen Verwendungen offenzulegen.

«Das Kappeli ist wie ein Geschichtsbuch, in dem man die Historie lesen kann.»

Nun kommt ein neues Kapitel hinzu.

Hinweis: Weitere Infos erteilt die städtische Abteilung Bau unter 071 447 61 87