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Die Rechnung geht nicht mehr auf: Gemeinde Egnach schliesst das Kinderhaus

Nach den Sommerferien ist das Kinderhuus in Ladrüti nur noch zu einem Drittel belegt. Ende Jahr geht die sozialpädagogische Institution deshalb zu. Denn eine Trendwende ist nicht absehbar.
Markus Schoch
Gemeindepräsident Stephan Tobler und Gemeinderätin Verena Marti vor dem Kinderhuus. (Bild: Markus Schoch)

Gemeindepräsident Stephan Tobler und Gemeinderätin Verena Marti vor dem Kinderhuus. (Bild: Markus Schoch)

Nach einem schwierigen Start lief lange alles gut. Vor einem Jahr kehrte der Wind. Sie habe kaum mehr Anfragen für die Platzierung von Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen bekommen, sagt Heimleiterin Giovanna Di Salvo. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Folge: Nach den Sommerferien sind noch drei der zehn Zimmer im Kinderhuus Ladrüti bewohnt, obwohl Di Salvo und die Betriebskommission nichts unversucht gelassen haben, um die Betten zu füllen. Damit die Rechnung für die Gemeinde aufgeht, müssten mindestens acht belegt sein.

Der Gemeinderat hat deshalb schweren Herzens beschlossen, die sozialpädagogische Institution auf Ende Jahr zu schliessen. Gemeindepräsident Stephan Tobler sagt:

«Aus wirtschaftlichen Gründen blieb uns keine andere Wahl.»

Denn eine Trendwende sei nicht absehbar. «Alternativen sind nicht in Sicht und die Voraussetzungen werden sich in nächster Zeit nicht ändern», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung.

Drei Mitarbeiter haben bereits gekündigt

Vom Entscheid betroffen sind 13 Mitarbeiter und ein Lehrling, wobei drei Angestellte aufgrund der absehbaren Entwicklung bereits gekündigt haben. Für die drei betreuten Kinder sucht die Heimleitung zusammen mit den Eltern und Beiständen in den nächsten Wochen eine passende Lösung.

Die ausbleibenden Zuweisungen erklärt sich Tobler mit dem Kostendruck, dem die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) ausgesetzt seien. Ein Aufenthalt im Kinderhuus mit einer Rundum-Betreuung kostet pro Jahr rund 100'000 Franken. Ein Kind beispielsweise in einer Pflegefamilie unterzubringen, sei billiger. Mittlerweile gebe es auch ein breites Angebot an ambulanten familienunterstützenden Massnahmen, die es erlauben, dass Kinder trotz schwierigen Verhältnissen bei Vater und Mutter bleiben können, sagt Di Salvo.

Eine Ersatzfamilie auf Zeit

Das Kinderhuus hat den Betrieb von gut 15 Jahren aufgenommen und bietet nach eigenen Angaben Kindern ab dem 5. Lebensjahr und Jugendlichen «einen stabilen und sicheren Ort, an dem sie gemäss ihren Ressourcen individuell begleitet und gefördert werden». Sehr wichtig sei die Zusammenarbeit mit den Eltern, sagt Gemeinderätin Verena Marti, die Präsidentin der Kinderhuus-Betriebskommission. Denn Ziel aller Bemühungen ist es, dass die Kinder wieder zu Vater und Mutter zurück kehren können, was in sehr vielen Fällen gelungen ist, wie die Verantwortlichen am Donnerstag betonten.

Die Arbeit des Kinderhuus-Teams habe denn auch stets beste Noten erhalten, unter anderem bei Kontrollen durch den Kanton. Die Institution geniesse einen ausgezeichneten Ruf, sagt Gemeindepräsident Tobler. Und nicht nur in der Region. Praktisch aus der ganzen Deutschschweiz kamen in den letzten Jahren Kinder und Jugendliche nach Egnach, wo sie vorübergehend ein zweites Zuhause fanden. Das Kinderhuus habe ihnen die Chance geboten, in geordneten Verhältnissen aufzuwachsen und sich eine gute Grundlage fürs Leben zu schaffen, sagt Tobler.

Zukunft der Liegenschaft ist offen

Was mit dem denkmalgeschützten Gebäude passiert, ist offen. Der Gemeinderat habe sich noch nicht damit beschäftigt, sagt Tobler. Grundsätzlich gebe es drei Möglichkeiten: Die Gemeinde nutze die Liegenschaft für eigene Zwecke, sie vermiete sie oder sie verkaufe sie.

Einst das Armenhaus der Gemeinde

Das heutige Kinderhuus in Ladreuti hat eine wechselvolle Geschichte. 1857 kauft es die evangelische Kirchgemeinde für 6573 Franken und eröffnet darin ein Armenhaus, wie Walter Koch in seiner Geschichte von Egnach schreibt. 1947 wird es zum Altersheim. 1967 übernimmt die politische Gemeinde die Liegenschaft zum Preis von 120000 Franken. Einen Erweiterungsbau mit Platz für 20 Pensionäre lehnen die Stimmbürger ab. 1977 genehmigen sie aber einen Kredit von rund 210000 Franken, der es erlaubt, den Riegel auf zwei Seiten des Hauses hervorzuholen und einen Garagentrakt mit Sitzplätzen zu bauen. Vor 15 Jahren schliesslich nimmt das Kinderhuus den Betrieb im denkmalgeschützten Gebäude auf. (mso)

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