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Die Ortsplanung in Kesswil ist eine Zangengeburt: «Ihr seid Kriminelle»

Ende Mai stimmt die Bevölkerung nach der dritten Auflage über die revidierte Ortsplanung ab. Die Unzufriedenheit im Dorf ist gross. Aber ebenso die Erschöpfung.
Markus Schoch
Der Hafen soll neu Teil der Sport- und Freizeitzone sein. (Reto Martin)

Der Hafen soll neu Teil der Sport- und Freizeitzone sein. (Reto Martin)

Kurt Henauer sah das Unheil kommen. «Wir wissen, dass wir nicht gut abschneiden werden», sagte der Gemeindepräsident am Donnerstag vor der Diskussion über die revidierte Ortsplanung, die seit 2012 läuft und im Dorf für viel böses Blut gesorgt hat. Es gab sehr viele Einsprachen, und einige beliessen es nicht dabei. «Uns wurde vorgeworfen, wir seien kriminell», blickte Gemeinderat Richard Heinzer auf die Diskussionen der letzten Jahre zurück.

So weit wollte diese Woche in der Mehrzweckhalle zwar niemand gehen. Die Behörde beziehungsweise die zuständige Kommission musste aber trotzdem viel Kritik einstecken. Henauer bekam aber auch Unterstützung aus einer Ecke, die ihn fast schon sprachlos machte.

Bundesgericht stellt Gemeinde vor grosse Probleme

Auf Unverständnis stiessen der Zeitpunkt der Orientierung nach der Auflage aller Pläne kurz vor der Abstimmung ebenso wie der Versuch, Land einzuzonen, was eigentlich nicht mehr geht. Nur: Die Grundeigentümer von rund sechs Hektaren sogenannter Reservebauzone in Kesswil hatten fest damit gerechnet, ihre Parzellen dereinst bebauen zu können. Und sie hatten teilweise in die Erschliessung investiert. Ihre Hoffnung stützten sie auch darauf, dass der Staat sie so besteuerte, als ob die Grundstücke in der Reservebauzone bereits Bauland und damit relativ viel wert wären.

2009 war die Welt plötzlich eine andere: Das Bundesgericht entschied, dass Reservebauzonen keine Bauzonen mehr sind, was für die Betroffenen mit grossen finanziellen Konsequenzen verbunden ist.

Gemeinde hofft auf die Hilfe des Kantons

Gemeindepräsident Kurt Henauer. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident Kurt Henauer. (Bild: Reto Martin)

Der Kesswiler Gemeinderat hat in der Folge im Rahmen der Ortsplanung versucht, den Schaden für die geprellten Grundeigentümer zu lindern, indem er einen Teil der Flächen als sogenanntes Richtplangebiet einstuft – also als Baugebiet in ferner Zukunft. Einige Landbesitzer sollen aber nicht warten müssen, sondern bereits jetzt durch den neuen Zonenplan zu Bauland kommen.

Die Gemeinde hofft dabei auf die Hilfe aus Frauenfeld und argumentiert damit, dass Kesswil raumplanerisch ein Sonderfall ist und darum eine Sonderbehandlung verdient. Der Kanton hat entsprechende Möglichkeiten: Er kann den Städten und Gemeinden Extra-Flächen aus einem Kontingent bewilligen, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Kesswil möchte diese Spezial-Lösung für eine Badiwiese und die Hafenanlage (2500 Quadratmeter), für Produktionsanlagen eines Beerenbetriebes (15000 Quadratmeter) und eine Handvoll private Grundeigentümer (5300 Quadratmeter) in Anspruch nehmen.

Unterschiedliche Aussagen

Die Chancen würden gut stehen, dass der Kanton Hand biete, schreibt der Gemeinderat in einer Broschüre, die in alle Haushaltungen verteilt wird. Mit dieser Aussage streue die Behörde der Bevölkerung Sand in die Augen, kritisierte eine Frau.

«Es ist entgegen der Darstellung des Gemeinderates überhaupt nichts zugesichert worden.»

Sie wisse das aus Gesprächen mit den zuständigen Stellen. Kesswil werde die Bauzone nicht erweitern können. Da helfe auch alle Trickserei nichts, um die Flächenbilanz zu schönen.

Das stimme nicht, entgegnete ihr Andreas Niklaus, der die Gemeinde bei der Ortsplanung fachlich begleitet. «Wir haben mündliche Zusicherungen und sind in einem intensiven Austausch mit den kantonalen Fachstellen bis hinauf zur Departementschefin.»

Es droht «ein ziemlicher Scherbenhaufen»

Eine andere Frau befürchtete, der Kanton werde die Ortsplanung zurückweisen, weil nicht alles so sei, wie es sein sollte. Gemeindepräsident Henauer teilte diese Ansicht nicht.

«Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass wir die Bewilligung erhalten.»

Bei einem Nein am 28. Mai stehe Kesswil «vor einem ziemlichen Scherbenhaufen», warnte Gemeinderat Heinzer. Und es werde noch teurer, nachdem die Arbeit der letzten Jahre «jetzt schon wie blöd gekostet hat», gab Henauer zu bedenken.

Rückendeckung erhielt er von seinem Vorvorgänger Ulrich Zeugin, der dem Gemeinderat das Leben nicht immer leicht gemacht hat. «Wir haben der Behörde immer gesagt, macht vorwärts. Wir können ihr jetzt nicht in den Rücken fallen.»

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