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Die neue Kreuzlinger Pfarrerin möchte endlich die Kirchgemeinde kennen lernen

Der erste Gottesdienst steht Pfarrerin Irena Widmann kurz bevor.
Rahel Haag
Pfarrerin Irena Widmann in der evangelischen Stadtkirche. (Bild: Donato Caspari)

Pfarrerin Irena Widmann in der evangelischen Stadtkirche. (Bild: Donato Caspari)

Nervös ist sie nicht, aber aufgeregt. Irena Widmann öffnet lächelnd die Tür des Pfarramts an der Kirchstrasse. Im Vorbeigehen deutet sie auf einen leeren Raum und sagt: «Mein Büro muss ich noch einrichten.»

Seit dem 1. August arbeitet Widmann als Pfarrerin für die evangelische Kirchgemeinde Kreuzlingen. Kommenden Sonntag leitet sie in der Kirche Kurzrickenbach ihren ersten Gottesdienst. «In der Predigt wird es um das Thema Wurzeln gehen», sagt sie im Sitzungszimmer, das an ihr leeres Büro grenzt, «und um Früchte.»

Manche Menschen seien so darauf versessen, Früchte zu ernten, dass sie die Wurzeln vergessen würden.

«Doch die Früchte kommen von selbst, wenn es der Wurzel gut geht.»

Zudem biete ihr das Thema die Möglichkeit, über ihre eigenen Wurzeln zu sprechen. «Die Menschen sollen mich ja ein wenig kennen lernen.»

Von der Musikerin zur Pfarrerin

Widmann spricht mit einem slawischen Akzent, ursprünglich stammt sie aus der Ukraine. 1993 ging sie nach England, um in Komposition zu doktorieren. «Dort habe ich in mir den Ruf, Pfarrerin zu werden, entdeckt», sagt sie. Als Organistin hat sie damals für verschiedene Kirchen gearbeitet. «Auch die Stücke, welche ich komponierte, hatten oft einen engen Bezug zur Bibel.» So sei sie dem Ruf gefolgt und habe Theologie studiert.

Bei ihrer Arbeit stehe für sie die Verkündigung mit Worten und Musik im Zentrum. «Bei meinen besten Gottesdiensten, kamen sich diese beiden Elemente jeweils sehr nah.» Fünf Jahre später kam Widmann mit ihrem Mann, den sie in England kennen gelernt und geheiratet hatte, in die Schweiz. «Das war ursprünglich nie unser Plan», sagt sie. Doch ihrem Ehemann sei in der Schweiz eine Stelle angeboten worden.

Seit über 21 Jahren lebt sie nun hier

Seit über 21 Jahren lebt sie nun hier und sagt: «Die Schweiz ist mein Zuhause.» Zuletzt arbeitete Widmann im Kanton Zürich in mehreren Kirchgemeinden als Stellvertreterin. In Kreuzlingen würden für sie die Schwerpunkte stimmen.

«Ich freue mich darauf, dass ich im Bereich Erwachsenenbildung arbeiten kann.»

In diesem Zusammenhang sei sie mit weiteren Pfarrpersonen dabei, einen ökumenischen Glaubenskurs für Erwachsene vorzubereiten. «Die Kursabende werden während der Fastenzeit stattfinden.» Das Ziel sei unter anderem, Neugierde zu wecken. «Wir wollen Fragen nachgehen, auf die jeder meint, eine Antwort zu haben», sagt Widmann. Fragen wie: Was ist Kirche? oder Was ist Spiritualität?

«Die Kirche ist ein grosser Organismus», sagt Widmann. Seit sie ihre Stelle in Kreuzlingen angetreten habe, sei sie vor allem damit beschäftigt gewesen, die «Topografie» des Ortes kennen zu lernen.

«Ich habe tatsächlich schon in jeder Kirche eine Abdankung gehalten», sagt sie, «und das, noch bevor ich meinen ersten Gottesdienst abgehalten habe.»

Dabei habe sie auch schon viele Menschen kennen gelernt. «Manchmal ist es wichtiger, mit jemandem einen Kaffee trinken zu gehen, als im stillen Kämmerlein etwas vorzubereiten.» Sie sei froh, dass sie in Kreuzlingen Teil eines Teams von erfahrenen Pfarrpersonen sein darf. «Ihre Unterstützung bei der Einführung habe ich sehr geschätzt.»

Gerade zu Beginn werde man als Pfarrperson mit vielen administrativen Aufgaben konfrontiert. «Und das ist nicht unbedingt meine Stärke.»

Im Innern ficht sie noch einige Kämpfe aus

Und ist sie nervös vor ihrem ersten Gottesdienst? Irena Widmann lacht. «Nein», sagt sie, «aber aufgeregt.» Im Innern fechte sie noch einige Kämpfe aus. So frage sie sich zum Beispiel, ob sie das richtige Thema gewählt habe und ob die ausgewählten Lieder zur Predigt passten. «Das ist aber normal.»

Zudem sei es ein Vorteil, dass sie schon in beiden Kirchen gepredigt habe. «Ich weiss, wo ich stehen soll und wo die Osterkerze platziert ist.» Denn wenn man scheitere, dann an den einfachen Dingen. Nun sei sie gespannt und wolle endlich die Kirchgemeinde kennen lernen. Sie hält einen Moment inne und sagt: «Ein Gottesdienst ist keine Aufführung. Da hat Nervosität keinen Platz.»

Der erste Gottesdienst von Pfarrerin Irena Widmann findet am kommenden Sonntag, 20. Oktober, ab 9.45 Uhr in der Kirche Kurzrickenbach statt.

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