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Die Nazi-Vergangenheit eines Fasnachters

Eigentlich wollte die Narrengesellschaft Niederburg dem Liedermacher und Büttenredner Willi Hermann ein Denkmal setzten. Untersuchungen ergaben jedoch, dass der Komponist eine Nazi-Vergangenheit hat. Die Fasnacht geht dieses Jahr darum ohne Hermann-Lieder über die Bühne
Urs Brüschweiler
Willi Hermann (1907-1977). (Bild: Archiv Südkurier)

Willi Hermann (1907-1977). (Bild: Archiv Südkurier)

Es war ein Schock für die Freunde der Konstanzer Fasnacht. Zum 111. Geburtstag von Willi Hermann am 23. November 2018 plante die Narrengesellschaft Niederburg eine Gala zu Ehren des Büttenredners und Liedermachers. Von ihm Stammen viele lokale Schlager wie etwa, «Ja, wenn der ganze Bodensee» oder «Mädle, wenn vu Konstanz bisch».

Um den Lebenslauf des Mannes zu ergründen, trat der «Südkurier» an Stadtarchivar Jürgen Klöckler heran, der die Nazi-Vergangenheit Hermanns ans Licht brachte. «Es ist mittlerweile völlig eindeutig», sagt der Konstanzer Historiker Tobias Engelsing.

«Er war hauptberuflich Propagandist der NSDAP und mutmasslich auch an Kriegsverbrechen beteiligt.»

Hermann war 1943 als Unteroffizier unmittelbar dabei, als auf der griechischen Insel Kefalonia tausende italienische Kriegsgefangene durch deutsche Truppen exekutiert wurden. Es sei Hermann gelungen, dass seine braune Vergangenheit im Schweigen der Nachkriegszeit in Vergessenheit geriet, beziehungsweise totgeschwiegen wurde.

Keine Relativierung der Verbrechen

Die Konstanzer Fasnachtsgesellschaften hätten die Lieder von Hermann gestrichen, berichtet Engelsing, was er für absolut richtig hält. In einem Aufsatz im Magazin «Seemoz» bezog nun erneut klar Stellung gegen die Verharmlosung von Taten aus der NS-Zeit.

Eine Petition zur Rettung des fasnächtlichen Liedgutes, die von etwas über 500 Personen in Konstanz unterzeichnet worden war, ist mittlerweile auch gestoppt worden. «Es darf keine Relativierung dieser Verbrechen geben», sagt Engelsing. Statt sich selber zu Opfern zu machen, weil man Lieder nicht mehr singen dürfe, sollte man zuerst an die Opfer der Nazis denken, sagt Engelsing. «Die Zeit geht weiter. Es gibt viele andere schöne Lieder.»

Der Forschungsbericht des Konstanzer Stadtarchivars Jürgen Klöckler ist hier abrufbar.

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