Die Mowag-Arbeiter sollen es richten: Der Stadtbus nach Tägerwilen braucht mehr Passagiere

Ein Jahr nachdem Tägerwilen und Kreuzlingen ihre Beiträge erhöht haben, läuft die Linie 907 nicht wie erhofft.

Kurt Peter
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Die Haltestelle Industrie in Tägerwilen soll dafür sorgen, dass die Mowag-Angestellten vermehrt den Stadtbus nutzen.

Die Haltestelle Industrie in Tägerwilen soll dafür sorgen, dass die Mowag-Angestellten vermehrt den Stadtbus nutzen.

(Bild: Reto Martin)

«Die neue Linie muss sich einspielen», sagt der Tägerwiler Gemeindepräsident Markus Thalmann. Er ruft die Bevölkerung dazu auf, «dazu beizutragen, dass die Linie 907 eine langfristige Zukunft hat.» Er sei guten Mutes, dass die Passagierzahlen in diesem Jahr steigen würden, dies hänge mit der Mowag in Tägerwilen und dem Umzug der Schwihag ab Sommer dieses Jahres zusammen.

Was sich sicher ebenfalls günstig auswirken werde, seien die Vergünstigungen für Mowag-Angestellte, die mit dem Tarifverbund Ostwind ausgehandelt worden seien.

Am 5. Dezember 2017 beschloss die Tägerwiler Gemeindeversammlung, einen um 90'000 Franken höheren Defizitbeitrag an die Buslinie 907 zu leisten. Dies wurde nötig, nachdem der Kanton seinen Defizitbeitrag von 50 Prozent auf die vorgeschriebenen 15 Prozent gesenkt hatte. Seit 2019 bezahlt die Gemeinde 175'000 Franken jährlich.

Insgesamt ein Rückgang zu verzeichnen

Der Kreuzlinger Gemeinderat stimmte am 3. Mai 2018 ebenfalls einer Erhöhung seines Defizitbeitrages auf 265'000 Franken jährlich zu. Dies zeitlich auf die Versuchsphase von vier Jahren beschränkt. In einer ersten Bilanz zeigte sich nun, dass sich die Fahrgastzahlen auf der Linie, die neu auch die Tägerwiler Industrie bedient, nicht erhöht haben.

Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau der Kreuzlinger Bauverwaltung, sagt:

«Im Fahrplanjahr 2019 wurden auf der Linie 907 rund 132'000 Fahrgäste gezählt, leider ist insgesamt ein Rücklauf zu verzeichnen.»

Dieser Rückgang sei insbesondere nach der Preiserhöhung des Tarifverbundes festgestellt worden. Die Startschwierigkeiten mit Fahrplanwechsel 2018/2019 betreffend den Anschlüssen am Bahnhof Kreuzlingen seien schnell behoben gewesen, erklärt er weiter. Der Fahrpreis sei inzwischen wieder reduziert worden, weitere Anpassungen und Verbesserungen wie der Anschluss der Tägerwiler Industrie liessen auf Zuwachs hoffen.

Die Linie 907 sichert den Viertelstundentakt in Kreuzlingen vom Quartier Ribi-Brunegg ins Zentrum. Stadtrat Ernst Zülle betont:

«Ein Wegfall der Linie Ende 2022 hätte grosse negative Folgen.»

Aus Sicht der Stadt dürfe es keinen Angebotsabbau im öffentlichen Verkehr geben, im Gegenteil, er solle kontinuierlich ausgebaut werden.

«Wir sind überzeugt, dass die neue Linienführung in Tägerwilen die Fahrgastzahlen wieder steigen lassen.»

Ein Halbstundentakt im Gebiet Ribi-Brunegg sei keine Option. Die Linie 907 verbindet am Sonntag das Quartier mit dem Kreuzlinger Zentrum. Auch dies wäre bei einem Wegfall eine negative Auswirkung, hält Ernst Zülle fest.

Falls wieder erwarten die Gemeinde Tägerwilen und der Kreuzlinger Gemeinderat nach der Versuchsphase dem Erhalt der Linie 907 nicht zustimmen würden, müssten andere Optionen geprüft werden.

«Wir wollen den Stadtbus noch intensiver bewerben, ein Anfang machte der Weihnachtsbus am Weihnachtszelt. Weitere Aktionen werden wir mit der Buskommission besprechen.»
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