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Die Melodie des Webens erklingt in Weinfelden

Lis Surbeck ist gelernte Weberin. Ihr Wissen über diese Handwerkskunst gibt sie in ihrem Atelier weiter. Ideen für ihre Projekte schöpft sie aus der Natur und ihrem Alltag.
Janine Bollhalder
Lis Surbeck in ihrem Webatelier.

Lis Surbeck in ihrem Webatelier.

«Einen regelmässigen Anschlag übt man ein ganzes Leben lang», sagt Lis Surbeck. Sie sitzt an einem Webstuhl in ihrem Atelier an der Hubgasse 5 in Weinfelden. Hier bietet sie Webkurse für Interessierte an. «Es gibt mehr Frauen als Männer, die heute eine Ausbildung in diesen Beruf machen. Interessant ist aber, dass Weben ursprünglich ein Männerberuf war», sagt sie schmunzelnd, «die Frauen haben nur gespult und eingefädelt.»

Selbst frönt sie schon ihr Leben lang der Weberei. «Die schönen Stoffe meiner Mutter haben mich inspiriert», erzählt sie, «sie hat mir die Melodie des Webens vorgesummt.»

Eine Komposition aus dem Wischen des Schiffleins zwischen den Fäden hindurch, dessen Anschlag an den Webrahmen und das Klackern der Holzstäbe.

Einen unverkennbaren Rhythmus, welcher die Arbeit jedes Webers begleitet. Ein musikalisches Muster, das sich aus dem Muster des Stoffs ergibt. An diese Melodie des Webens halte sie sich bis heute.

Vom Webstuhl auf den Bauernhof

Mit 20 Jahren machte sie am Heimatwerk in Richterswil ihre Ausbildung als Weberin. «Erst wollte ich einen Pflegeberuf erlernen. Ich dachte, dass weben altmodisch sei», sagt sie. Doch als sie in den 1970er Jahren ihre zweieinhalbjährige Ausbildung begann, war das Weben wieder im Trend.

Heute allerdings kann man als Handweberin nur noch überleben, wenn man moderne und unkonventionelle Ideen habe. «Genügend Stoffe zu produzieren, wäre keine Kunst», sagt die 67-Jährige, «aber Käufer dafür zu finden, ist schwierig. Die Einzelstücke sind sehr teuer.» Dafür trage niemand anderes das Gleiche.

Die Melodie des Webens macht Lis Surbeck nachdenklich hinsichtlich der Zukunft.

Die Melodie des Webens macht Lis Surbeck nachdenklich hinsichtlich der Zukunft.

Und die Einzelstücke werden nach individuellen Kundenwünschen gestaltet. Surbeck findet es schade, dass Mode heute so schnelllebig ist. Sie ist nicht modeinteressiert, aber schaut sich gerne an, welche Farben «in» sind.

In ihrem Webatelier können die Teilnehmer eigene Projekte verwirklichen. Sie will auch ihnen die Melodie des Webens weitergeben oder ihnen helfen, diese zu finden. Es gibt keinen konventionellen Kursstart. «Wer dieses Handwerk erlernen will, kann sich einfach bei mir melden», sagt Lis Surbeck. Sobald ein Kursteilnehmer mit seinen Projekten fertig ist, wird ein Platz frei.

«Die Teilnehmer können so lange bleiben, wie sie Freude haben und meine Hilfe brauchen.»

Das könne auch mehrere Jahre dauern. Momentan sind alle Webstühle besetzt. Es werden Halstücher, Schals und Badezimmerteppiche gewebt. «Viele Teilnehmer haben Zuhause selbst einen Webstuhl», sagt sie. Lis Surbeck hat das Weben nie ganz aufgegeben, die Melodie nie aufgehört, zu summen. Selbst als sie mit ihrem Mann einen Landwirtschaftsbetrieb führte, arbeitete sie in kleinen Pensen als Weblehrerin. Vor 22 Jahren hat sie sich aber entschieden, das Weben wieder zu ihrer Haupttätigkeit zu machen.

Inspiration von der Kräuterfrau

In ihren Jahren als aktive Weberin hat Surbeck viele gleichgesinnte Frauen getroffen. Seit 2004 ist sie Mitglied der Regionalgruppe am Bodensee, einer Gemeinschaft von Webinteressierten.

«Es ist wichtig, dass wir uns zusammenschliessen, denn das Weben ist eine einsame Tätigkeit».

Lis Surbeck sagt: «Jeder sitzt Zuhause an seinem Webstuhl. Wir müssen uns aktiv zusammenschliessen». Ebenfalls wirkt sie bei deren Untergruppe «rote Kette» mit. Vom 24. August bis 1. September stellen die Frauen ihre Projekte zum Thema «zwei» aus. Dort präsentiert Surbeck Stoffe mit pflanzlich gefärbten Fäden. Inspiriert dazu wurde sie durch ihre Bekanntschaft mit der Kräuterfrau Ortrud Steiner.

Doch die Zukunft stimmt für Surbeck auch eine etwas nachdenkliche Melodie an:

«Ich frage mich oft, wer dieses Atelier weiterführen wird. Als Weberin kann man heute fast nur dann Geld verdienen, wenn man sein Wissen weiterverkauft.»

Das Wissen um eine uralte Handwerkskunst. Das Wissen um eine Melodie, die im gleichmässigen Rhythmus des Webens weiterlebt. Das Wissen der Weberin von Weinfelden.

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