Interview

Die Liebe hielt sie in Sommeri

Am 10. Februar stellt sich Priska Rechsteiner für eine dritte Amtszeit als Gemeindepräsidentin zur Verfügung. Sie erzählt, weshalb sie keinen Gegenkandidaten hat, ob sie über das Pensionsalter noch weitermacht und ob es Interessenkonflikte mit der Schule gibt.

Manuel Nagel
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Priska Rechsteiner blickt ihrer dritten Amtszeit als Gemeindepräsidentin von Sommeri entgegen. (Bild: Donato Caspari)

Priska Rechsteiner blickt ihrer dritten Amtszeit als Gemeindepräsidentin von Sommeri entgegen. (Bild: Donato Caspari)

Priska Rechsteiner, in Hefenhofen und Amriswil haben sich gleich drei Kandidaten um das Gemeindepräsidium beworben. In Sommeri sind Sie die einzige Kandidatin. Ist die Gemeinde zu wenig attraktiv, dass Sie am 10. Februar keine Konkurrenz haben?

Ich glaube nicht, dass wir zu wenig attraktiv sind. Bei uns stellt sich der gesamte Gemeinderat zur Wiederwahl. So ist es fast gegeben, dass da keine Gegenkandidatur entsteht, weder bei den Gemeinderäten noch bei dem Gemeindepräsidium.

Sehen Sie auch noch einen anderen Grund?

Ein anderer Aspekt sind die Parteien. Im Dorf haben wir praktisch keine Parteien, die ihre Kandidaten in einem Amt sehen wollen. Bei uns sind die Wahlen dadurch reine Personenwahlen.

Oder machen Sie einfach Ihre Sache so gut, dass niemand gegen Sie antreten will?

Der Gemeinderat geniesst Vertrauen bei der Bevölkerung, das wir uns in den letzten acht Jahren erarbeitet haben. Dies ist aber nicht nur mein Verdienst, sondern ist eine Teamarbeit.

Alle Bisherigen treten erneut zur Wahl an

Nebst Präsidentin Priska Rechsteiner (Allgemeine Verwaltung, Bau, Finanzen, Soziales) treten auch die vier übrigen Gemeinderäte zur Wiederwahl an: Vizepräsident Martin Roth (Strassen, Verkehr, Volkswirtschaft), Joachim Oswald (Gesundheit), Rudolf Roffler (Umwelt, Versorgung) und Armin von Holzen (Öffentliche Sicherheit, Kultur und Freizeit). Bis auf Martin Roth von der SVP sind alle Kandidaten parteilos. (man)

Hinweis
Am Wahlsonntag, 10. Februar, lädt der Gemeinderat um 17 Uhr zum Wahlapéro in den «Löwen».

Vor 39 Jahren kamen Sie aus Oberägeri nach Sommeri. Was hat Sie hierher verschlagen?

Nach meiner Ausbildung zur Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin, wie es damals hiess, habe ich in der Bildungsstätte meine erste Stelle angetreten. Ich unterrichtete damals vor allem Kochen und Ernährungslehre. Da habe ich meinen Mann kennen gelernt und bin hier im Thurgau geblieben. Also war es der Liebe wegen.

Fühlen Sie sich immer noch etwas als Zugerin, oder sind Sie schon ganz Thurgauerin?

Ich bin definitiv zur Thurgauerin geworden. Ich lebe ja schon fast doppelt so lange im Thurgau, als ich im Kanton Zug zu Hause war.

Priska Rechsteiner ist schon seit acht Jahren die Gemeindepräsidentin von Sommeri. (Bild: Donato Caspari)

Priska Rechsteiner ist schon seit acht Jahren die Gemeindepräsidentin von Sommeri. (Bild: Donato Caspari)

Mehr als ein Viertel Ihres Lebens sind Sie schon politisch tätig für Ihre Gemeinde. Vor den zwei Legislaturen als Präsidentin sassen Sie vor 2011 bereits acht Jahre im Gemeinderat. Was war und ist die Motivation, sich für die Allgemeinheit einzusetzen?

Ich wollte etwas zurückgeben. Ich finde, wir sind privilegiert, wenn wir an einem so schönen, geordneten, sicheren Ort leben dürfen. Darum habe ich mich entschlossen, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Das habe ich noch keine Sekunde bereut.

Gibt es da gelegentlich auch Abnützungserscheinungen nach so langer Zeit?

Nein, ich gehe jeden Tag gerne auf die Gemeinde zum Arbeiten. Es ist eine sehr abwechslungsreiche, interessante Arbeit.

Als Sie an die Spitze der Gemeinde gewählt wurden, reduzierten Sie Ihr Pensum als Textile Werklehrerin von 85 auf 40 Prozent, um die 30-Prozent-Stelle ausüben zu können. Wie hat das Wechselspiel der beiden Berufe seither funktioniert?

Das funktioniert sehr gut. Ich schätze die Arbeit mit den Kindern. Dieses ist mir auch sehr wichtig. Die Abwechslung ist so noch viel grösser und es hilft, am Boden zu bleiben.

Gab es auch Situationen, in denen Sie als Angestellte der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri mit ihrem Amt als Sommerer Gemeindepräsidentin in einen Interessenkonflikt gerieten?

Nein, in so eine Lage kam ich noch nie.

Bei den Wahlen vom 10. Februar ist sie die einzige Kandidatin. (Bild: Donato Caspari)

Bei den Wahlen vom 10. Februar ist sie die einzige Kandidatin. (Bild: Donato Caspari)

Kann man als Gemeindepräsidentin in einer der kleinsten Gemeinden im Thurgau mehr bewirken, als in einer grösseren Ortschaft oder gar einer Stadt wie Amriswil?

Ich glaube nicht unbedingt. Die Arbeit ist ja grundsätzlich die gleiche. Auch wir müssen die selben Wege einhalten, wie es eine Stadt muss. Es kann sein, dass bei einer kleinen Gemeinde wie Sommeri eventuell gewisse Wege kürzer sind, da wir verschiedene Stellen im gleichen Büro zusammen vereinen.

Ihre Vorgängerin Silvia Schwyter sass im Grossen Rat. Weshalb hatten Sie nie solche Ambitionen?

Ich bin parteilos, da ist es mir nicht naheliegend für den Grossen Rat zu kandidieren, da keine Partei im Hintergrund «stupft».

Bringt das Amt als Kantonsrat überhaupt einen Mehrwert für die Gemeinde? Wie haben Sie das bei Silvia Schwyter empfunden?

Es kann sein, dass es ein Mehrwert ist, da aber einige Gemeindepräsidenten im Grossen Rat Einsitz haben, denke ich, sind wir gut vertreten. Da wir in der Regionalplanungsgruppe und auch sonst recht gut vernetzt sind, kommen wir auch so an unsere Informationen. Silvia Schwyter hatte aber sicher ab und zu einen Wissensvorsprung.

(Bild: Donato Caspari)

(Bild: Donato Caspari)

Sie werden am nächsten Sonntag 60 Jahre alt. Ist das somit auch Ihre letzte Amtsdauer, oder können Sie sich vorstellen, auch über das Pensionsalter hinaus weiterzumachen und Gemeindepräsidentin zu sein?

Ich denke mir, wenn es meine Gesundheit zulässt, ich noch immer Freude an meiner Tätigkeit habe, mich die Einwohnerinnen und Einwohner noch wollen, kann es durchaus sein, dass ich noch länger in diesem Amt tätig sein werde.

Ihr Sohn Raphael bewarb sich im November um das Amt des Gemeindepräsidenten in Hefenhofen, hat sich aber nach dem ersten Wahlgang zurückgezogen. Was ist, wenn er einst Ihre Nachfolge in Sommeri antreten wollte?

Das wird nicht der Fall sein.

Falls doch, würden Sie ihn ermutigen oder ihm davon abraten?

Ich würde mich da nicht einmischen. Das habe ich auch bei seiner Kandidatur in Hefenhofen nicht gemacht. Fest steht jedoch, dass Sie auch die nächsten vier Jahre hier Gemeindepräsidentin sein werden.

Welches sind Ihre Ziele für diese Legislatur?

Wir wollen die Ortsplanrevision abschliessen. Zudem müssen verschiedene Reglemente und Verordnungen, wie das Personalreglement oder die Gemeindeordnung, angepasst werden. Schön wäre auch, wenn es uns gelingen würde, die neue Druckerhöhungsanlage bis zum Ende der Legislatur 2023 zu erstellen.