Die Liebe hat Opernregisseurin Barbara Tacchini nach Amriswil geführt

Barbara Tacchini ist als Regisseurin und Dramaturgin international gefragt. Kürzlich ist sie nach Amriswil gezogen. Nun führt sie beim Musical «RunggleBuur» des Vereins Mammern Classics Regie.

Seraina Hess
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Barbara Tacchini blickt vom Balkon ihrer neuen Wohnung in die Amriswiler Natur. (Bild: Manuel Nagel)

Barbara Tacchini blickt vom Balkon ihrer neuen Wohnung in die Amriswiler Natur. (Bild: Manuel Nagel)

Auf dem Balkon von Barbara Tacchinis frischbezogener Wohnung reihen sich Blumenkisten und -töpfe aneinander. Überbleibsel aus ihrem Garten in Liestal, wo sie bis vor wenigen Wochen lebte. Jetzt wohnt sie in Amriswil und pendelt täglich nach Mammern an den Untersee. Die Opernregisseurin führt zum ersten Mal Musical-Regie, und zwar beim «RunggleBuur», der am Freitagabend Premiere feiert.

Noch bis zum 7. September

«RunggleBuur», das Musical am See, wird noch bis Samstag,
dem 7. September, im Zelt in Mammern aufgeführt. (seh)

Tickets
www.mammernclassics.ch

Barbara Tacchini, die insgesamt 15 Jahre in Deutschland lebte und an der Staatsoper in Hannover sowie an der Jungen Oper Stuttgart als Regisseurin und Dramaturgin wirkte, hat sich den Lebensmittelpunkt diesmal nicht aufgrund der Arbeit ausgesucht. Für einmal war es die Liebe, die Tacchini in die Ostschweiz, in die Region Oberthurgau nach Amriswil verschlagen hat. Sie sagt:

«Geschehen ist das über einen langen Umweg.»

Ein Umweg von über 8000 Kilometern und zurück, um genau zu sein. 2015 reiste sie in einer Reisegruppe durch die Mongolei, unter anderem mit Pferden zu Nomaden. Auf der dreiwöchigen Tour lernte sie einen Amriswiler kennen – ihren heutigen Partner Roman Bärlocher.

Zuerst pendelten die beiden jedes Wochenende entweder nach Amriswil oder nach Stuttgart, bis Tacchini schliesslich in die Schweiz zurückkehrte. In die Heimat nach Liestal, weil sie fortan als Dramaturgin und Musikvermittlerin im Kammerorchester Basel wirkte.

Tür an Tür mit dem Partner

Die Entscheidung, mehr freie Projekte anzunehmen, und der Zufall brachten das Paar dann aber noch etwas näher: Im Mehrfamilienhaus, in dem Roman Bärlocher lebt, wurde auf demselben Stockwerk, gleich vis-à-vis, eine Wohnung frei. Dort lebt Barbara Tacchini seit Juni, Tür an Tür mit ihrem Partner.

«Es ist ideal: So behält trotzdem jeder seinen freien Gestaltungsraum.»

Möglich war der Umzug aber nur, weil sie in Amriswil auf gute Zug-Anbindungen zählen kann. Denn Barbara Tacchini ist als Freischaffende beruflich viel unterwegs. Etwa als Kulturagentin im Kanton St.Gallen, die sich um Kulturvermittlung an Schulen kümmert. Selbst die Fahrt nach Mammern im Kanton Thurgau dauert eine Stunde, und vor der heutigen Uraufführung hat sich die Probenarbeit auch über die Wochenenden ausgedehnt.

Im neuen Musical des Komponisten und Texters David Lang fand Barbara Tacchini Themen, die sie besonders interessieren. Die Geschichte dreht sich um die Hauptfigur Jack, den Runggle Buur, der vom heimischen Hof als Schauspieler in die Welt hinaus zog und heimgekehrt ist, um den väterlichen Betrieb zu übernehmen, nachdem der Vater gestorben war. Eine Frau hat er nicht – und als sich jemand in ihn verliebt, zweifelt er daran, ob er der Liebe tatsächlich eine Chance geben soll.

Im Zoo gejobbt und Gärtnerin gelernt

Kann man auf eine Beziehung bauen, wenn man sich auf einer Reise kennenlernt? Funktioniert der Umzug weg von der Grossstadt auch beruflich? Solch entscheidende Lebensfragen sind Barbara Tacchini nicht fremd. Ebenso wenig das Leben auf dem Land, sagt sie.

Das Landwirt-Dasein kennt sie gut, zumal der Bruder ihres Partners in Sommeri einen Hof führt.

«Ich bin richtig stolz darauf, nun einen Bauern in der Familie zu haben – diese Arbeit fasziniert mich.»

Schon während der Matura fühlte sich die heute 55-Jährige der Natur verbunden. Sie jobbte im Zoo Basel und absolvierte später eine Gärtnerlehre, bevor sie schliesslich doch Musikwissenschaften studierte.

Der Umzug nach Amriswil ist zwar noch frisch, die Verbundenheit durch die vielen Besuche in den vergangenen Jahren dennoch gross. Sie bezeichnet Amriswil als eher praktisch, als Einkaufsstadt ohne Städtli-Charakter, der ein Treffpunkt wie ein samstäglicher Markt gut täte. Gleichzeitig schwärmt sie vom Bootshaus beim Biessenhofer Weiher, wo sie immer wieder Zeit verbringt. Von der Nähe zum See. Und vom Duft der Natur, den sie auf ihrem Balkon zwischen all den Pflanzen besonders ausgeprägt wahrnimmt.