«Die Leistung soll nicht auf Noten reduziert werden» - Kreuzlinger Schulpräsidentin spricht über die Rolle der Schule

Seraina Perini, Kreuzlinger Schulpräsidentin, stand am Sonntagmorgen im Dialoggottesdienst

Judith Schuck
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Die Kreuzlinger Schulpräsidentin Seraina Perini im Gespräch mit Pfarrer Damina Brot.

Die Kreuzlinger Schulpräsidentin Seraina Perini im Gespräch mit Pfarrer Damina Brot.

Bild: Donato Caspari (Kreuzlingen, 15. November, 2020)

Gitarrenschülerinnen und -schüler der Musikschule Kreuzlingen gaben in der evangelischen Stadtkirche den Einstieg zum Thema Schule mit einem eher düsteren Stück vor: «The Wall» von Pink Floyd. Roger Waters schrieb den Song, weil er während seiner Schulzeit schlechte Erfahrungen machte. «Lehrer, lasst uns Kinder in Ruhe!», heisst es im Refrain.

Seraina Perini sei zwar nicht unbedingt aus reiner Begeisterung für ihre Schulzeit Schulpräsidentin geworden. «Aber meistens bin ich schon gerne hingegangen.» Gegenüber Pfarrer Damian Brot und der Gemeinde stand sie am Sonntag im Dialoggottesdienst Red und Antwort.

Kinder sollen selbstverantwortliche Persönlichkeiten werden

In ihren Augen müsse die Schule das grosse Ziel verfolgen, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, selbstverantwortliche Persönlichkeiten zu werden, «die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.» Auf die Frage, wie wichtig Noten seien, antwortete sie: Die Leistungen sollten nicht auf Noten reduziert werden.

«Die Schülerinnen müssen regelmässig ein Feedback bekommen, wo sie gerade stehen.»

Diese Rückmeldungen könnten sie dann selbst reflektieren. «Wenn es uns gelingt, den Schülern ihre Stärken und Schwächen bewusst zu machen, haben wir viel erreicht.» Sie selbst sieht in ihrem Vater und der im September verstorbenen US-amerikanischen Richterin und Frauenrechtlerin Ruth Bader Ginsburg ihre Vorbilder. Sie verkörperten für sie Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

Wünschenswert: Absprache und klare Positionierung

Weiter wollte der evangelische Pfarrer von ihr wissen, was sie vom islamischen Religionsunterricht in Kreuzlingen halte: «Wir bekommen gute Rückmeldungen und ich bin vom Konzept der begleiteten Integration überzeugt.» Dazu gehöre auch die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Gemeinden untereinander. Wenn sie einen Wunsch an die Kirchgemeinden stellen dürfe, sei dies eine bessere Absprache, um die Planungen reibungsloser koordinieren zu können.

Dazu, inwiefern sich Kirche politisch einmischen solle, vertritt Perini eine ambivalente Haltung: Die Kirche solle sich klar zu Themen positionieren, doch der Mensch müsse immer vor der Politik stehen. «Die Seelsorge spielt eine wichtige Rolle für die Gesellschaft.»