Die Kultur sucht sich ihren Weg: Das Kreuzlinger Kult-X wird aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Der Aufbau des Kulturzentrums im Schiesser-Areal geht voran. Neue Räume kommen hinzu und die Freiwilligen gestalten sie mit viel Kreativität. Aber die Entwicklung geht nicht so rasch von Statten, wie es sich Betriebsleiterin Christine Forster wünscht.

Urs Brüschweiler
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Programm- und Betriebsleiterin Christine Forster im «verwunschenen» Garten des Schiesser-Areals.

Programm- und Betriebsleiterin Christine Forster im «verwunschenen» Garten des Schiesser-Areals.

(Bild: Andrea Stalder)

Das Kult-X liegt im Dornröschenschlaf. Es sind nicht nur die fehlenden Veranstaltungen im Kreuzlinger Kulturzentrum, auch der verwunschene Garten und viele Baustellen in den Räumen verleiten zu diesem Vergleich mit dem grimmschen Märchen.

Dass es bald zur Wiedererweckung kommt und Leben einkehrt in und um das Schiesser-Areal an der Hafenstrasse, dafür setzt sich allen voran Christine Forster ein. Seit 2019 hat sie die Programm- und Betriebsleitung des im Aufbau befindlichen Projekts inne. Auf einem Rundgang durch die in die Jahre gekommene Gewerbeliegenschaft im Stadteigentum berichtet sie, wo es zuletzt vorwärtsging, aber auch, wo es noch harzt.

Vor dem Gebäude wehen die Fahnen.
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Neu im obersten Geschoss der Bewegungsraum. Er ist vorwiegend dem Tanz gewidmet und wurde von den Helfern entsprechend mit Spiegeln ausgestattet.
Im Multifunktionssaal stehen momentan eine Bar und eine Tribüne. Hier finden regelmässig auch Kinoabende statt. Er soll künftig auf die unterschiedlichsten Weisen genutzt werden.
Vielleicht einmal der grosse Theatersaal: Leopold Huber vom See-Burgtheater hat vorderhand mit seiner Beleuchtung ein besonderes Ambiente gezaubert. Momentan ein Sitzungszimmer und Proberaum.
Im Bistro im Erdgeschoss haben Helfer den Teppich entfernt und den Boden saniert. Eine kleine Küche soll zudem eingebaut werden.
Nach Abschluss der Sanierung sollen in diesem Raum Kino und Konzerte stattfinden.
Der Garten ist noch wild, aber das Verwunschene macht ihn reizvoll.
Luftaufnahme des Schiesser-Areals.
Ausenaufnahme des Anbaus.

Vor dem Gebäude wehen die Fahnen.

(Bild: Andrea Stalder)

Im Moment ist wegen Corona sowieso tote Hose. «25 Veranstaltungen mussten wir in den letzten Monaten absagen. Wir haben die Zeit genutzt, um im Bereich der Raumgestaltung etwas voranzukommen und das Programm für die neue Saison ab September flott zu machen», sagt Christine Forster. «Eventuell veranstaltet das Filmforum Kuk ab dem 18. Juni nochmals vor der Sommerpause Kino, das wäre natürlich schön.»

Neue Räume bringen neue Möglichkeiten

Eine Handvoll ehrenamtlicher Helfer war fleissig. Im künftigen Bistro etwa wurde der Teppich herausgerissen und in Fronarbeit der Boden abgeschliffen und versiegelt, ein Stockwerk über dem bereits bestehenden Kino- und Konzertsaal gibt es neu den Bewegungsraum. Hier hat das Team des Kult-X eine neue Spiegelwand und Vorhänge montiert. Seit dem 11. Mai werden bereits wieder Tanzstunden durchgeführt, so gut es eben möglich ist in der aktuellen Situation. Im grossen Saal im Anbau, wo ein Theater entstehen soll, finden jetzt Sitzungen und Proben statt.

«Wir wollten im Sommer
eigentlich so richtig loslegen.»

Das sagt Christine Forster. Ein Eröffnungsfest war geplant, viele der Veranstalter haben für den Herbst im Kult-X Events gebucht. Doch ist es nicht nur das Virus, das bremst, sondern auch die Prozesse im Hintergrund, die Nerven kosten. Für die neuen Veranstaltungsräume fehlen aktuell Bau- beziehungsweise Umnutzungsbewilligungen. Ausserdem steht der kostspielige Umbau des Saals zu einem Theater auf der Kippe. «Wir prüfen jetzt andere Möglichkeiten und bleiben dran», sagt Forster.

«Improvisieren heisst die Devise und dabei die gute Laune nicht verlieren.»

Die Situation sei schwierig, weil man nicht genau weiss, wo man steht. Aber man ist dennoch guter Dinge: Die Motivation der Helfer und Zugewandten ist nach wie vor da.

«Leute, welche die Räume besichtigen, sind begeistert.»

Der Bedarf für ein Kulturzentrum an zentraler Lage in Kreuzlingen und nahe an Konstanz sei zweifellos vorhanden. Über 200 Veranstaltungen stehen in der neuen Spielzeit auf dem Plan, knapp 100 sind es allein von September bis Dezember. «Das Kino ist schon heute ein Riesenerfolg.»

Auch wenn mit dem Z88 ein wichtiger Player abgesprungen ist, drängten neue Veranstalter hinein. Mit der Gesellschaft für Musik und Literatur, der Ludothek, der Musikschule oder der «Xlinger» Brauerei wird verhandelt. Und die Programmleiterin kann aus einem reichen Füllhorn weiterer Ideen schöpfen.

Das Unperfekte macht den Reiz dieses Ortes aus

Derweil geht die handfeste Arbeit auch nicht aus. Der noch etwas wilde Garten wird aufgehübscht und Möglichkeiten für kleinere Sanierungen und kreative Raumgestaltungen gibt es an jeder Ecke. Die Chance liegt im Kleinen. Und Christine Forster ist sich auch bewusst: «Der Reiz dieses Ortes macht genau das Unperfekte aus.»

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