Die Kultur hat auch so genug Platz im Kreuzlinger Schiesser-Areal

Der Weggang des Wäscheunternehmens Schiesser aus Kreuzlingen verändert die Pläne für das «Kult-X» nicht.

Urs Brüschweiler
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Das Schiesser-Areal besteht aus der alten Villa an der Hafenstrasse, dem gleichalten Ostflügel und dem später gebauten Mitteltrakt. Das Wohnhaus an der Bodanstrasse gehört ebenfalls der Stadt Kreuzlingen. Im Westen befindet sich die alte Molkerei. (Bild: Reto Martin)

Das Schiesser-Areal besteht aus der alten Villa an der Hafenstrasse, dem gleichalten Ostflügel und dem später gebauten Mitteltrakt. Das Wohnhaus an der Bodanstrasse gehört ebenfalls der Stadt Kreuzlingen. Im Westen befindet sich die alte Molkerei. (Bild: Reto Martin)

Die Meldung hatte auch den Stadtrat überrascht. Die Firma Schiesser gab letzte Woche bekannt, dass sie ihren Standort in Kreuzlingen aufgeben wird.

Konkret bedeutet dies: Verschiedene von ihr gemietete Räumlichkeiten an der Hafenstrasse 6 werden per Ende Jahr frei. Der Schiesser-Store, wenige Meter weiter am Boulevard, ist davon nicht betroffen und wird weiterhin bestehen bleiben.

Schiesser wollte ins Obergeschoss umziehen

Der Gebäudekomplex zwischen Hafen- und Bodanstrasse – Schiesser-Areal genannt – befindet sich seit 2008 im Eigentum der Stadt Kreuzlingen. Im Fokus der Öffentlichkeit standen die Liegenschaften in den vergangenen Jahren nicht wegen des Unterwäsche-Produzenten, sondern weil sich darin das Kulturzentrum Kult-X im Aufbau befindet.

«Der Wegzug von Schiesser hat auf die Entwicklung des Kulturzentrums nur indirekt einen Einfluss»

erklärt Stadträtin Dorena Raggenbass bei einem Rundgang durch das verwinkelte Areal. Das Textilunternehmen belegt aktuell noch 500 Quadratmeter Gewerbefläche. Das sind Büros in der alten Villa an der Hafenstrasse, sowie je einen Raum für die Konfektion und für Lager im Hauptteil des Komplexes; alles im erhöhten Erdgeschoss. «Der Plan war eigentlich, dass Schiesser ins Obergeschoss umzieht», sagt Dorena Raggenbass.

Wo heute noch die Konfektion ist, soll bald das Musiklokal des Kult-X seinen Platz finden. Hauptnutzerin wird das «Z88» sein, dessen heutiges Lokal an der Hauptstrasse im nächsten Frühling zu Gunsten des Hallenbads Egelsee abgebrochen wird. Und wo sich heute das Lager von Schiesser befindet, ist langfristig ein hoher Raum für Theater und Kino vorgesehen. Diese Pläne werden durch den Schiesser-Wegzug gar nicht tangiert, betont die Stadträtin.

«Die Räume im ersten Obergeschoss, welche wir bislang für Schiesser freigehalten haben, können wir nun aber per sofort neu vermieten.» Als Ganzes oder einzelne Räume, da sei man sehr flexibel. Am Grundsatzentscheid, dass im Schiesser-Areal eine Mischnutzung durch Kultur und Gewerbe stattfinden soll, hält der Stadtrat fest. Allerdings ziehe man da keine strikten Grenzen.

Dorena RaggenbassStadträtin Kreuzlingen(Bild: Donato Caspari)

Dorena Raggenbass
Stadträtin Kreuzlingen
(Bild: Donato Caspari)

«Dort kann auch ein weiterer Kulturbetrieb einziehen, wenn er die Miete zahlt.»

Von der städtischen Mietsubvention profitieren können aber nur die für den Kulturbetrieb definierten Räume.

Ein Haus für verschiedenste Nutzungen

Auf dem Areal eingemietet sind heute zudem ein Architekturbüro und die Thurgauische Kunstgesellschaft mit dem Kunstraum. Im Ostflügel, wo 2012 mit «Kultur im Shop» der Anstoss zum Kulturzentrum geschah, ist für die Zukunft ein Bistro angedacht. «Wenn es möglich ist, mit einem Zugang zum Garten», sagt Dorena Raggenbass. Und für die Kreuzlinger Klausengesellschaft, die im kommenden Frühling ebenfalls eine neue Heimat benötigt, seien im Untergeschoss des Mitteltrakts Räume reserviert.

Entscheid über Investitionen steht an

Nach den Sommerferien erwartet der Stadtrat von den Architekten die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für eine Raumaufteilung im Kult-X. Im jetzt laufenden zweiten Jahr des Pilotprojekts könne man auch die gemachten Erfahrungen in das Betriebskonzept einfliessen lassen. Sobald das passiert ist, wird der Stadtrat den weiteren Fahrplan festlegen. Stadträtin Dorena Raggenbass geht davon aus, dass im Frühjahr 2020 eine Volksabstimmung ansteht. Dabei werde es einerseits um die Übertragung der Liegenschaften vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen und andererseits um Investitionen in den Umbau und die Infrastruktur gehen, sowie um die künftigen Betriebskosten zu Lasten der Stadt. «Es wird dabei aber nicht entschieden: ‹Kulturzentrum Ja oder Nein?›, sondern es geht um die Frage, wie stark die Stadt das Kulturzentrum zusätzlich bezuschussen und vorantreiben will.»