Die Kreuzlinger Pfarrer sollen live ins Internet: Ein Vorschlag, der heftig diskutiert wurde

Nach zähem Ringen entscheidet sich die evangelische Kirchgemeinde für eine Internetübertragung der Gottesdienste. Doch das «Streaming»-Projekt wirft viele Fragen auf.

Urs Brüschweiler
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Kirchbürger Walter Studer bei der Vorstellung des Antrags «Streaming»

Kirchbürger Walter Studer bei der Vorstellung des Antrags «Streaming»

Es war wieder einmal eine turbulente Versammlung. Fast dreieinhalb Stunden dauerte die Zusammenkunft der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen am Dienstagabend. Am heftigsten diskutiert wurde ein Antrag einer Arbeitsgruppe, ein Streaming, also eine Videoübertragung, der Gottesdienste aus der Stadtkirche, zu ermöglichen. Initiiert hatte das Thema Kirchbürger Walter Studer an der Versammlung vor einem Jahr.

Die Firma eines Bekannten aus Muntelier

Jener Walter Studer, der seit Jahren immer wieder mit unzähligen Anträgen und Kritik an der Vorsteherschaft auffällt, war in der Arbeitsgruppe mit dabei und brachte am Dienstag einen ehemaligen Geschäftsfreund mit. Dessen Firma Auris aus Muntelier im Kanton Freiburg unterbreitete der Kirchgemeinde eine Offerte für die Anschaffung und Installation einer entsprechenden Anlage für insgesamt 34000 Franken. Die jährlichen Hostingkosten sollen 13800 Franken betragen.

Werden solche Podcasts wirklich geschaut?

In der Versammlung entflammte eine Diskussion, ob solche Podcasts denn wirklich genutzt würden. Es sei der Gemeinschaft nicht förderlich, wenn alle zu Hause den Gottesdienst schauten, meinte eine Kirchbürgerin. Pfarrer Damian Brot sagte, man müsse ständig neue Kanäle suchen, das Evangelium zu verkünden. Walter Reinhard, Geschäftsführer der Auris, erklärte grob, wie das Konzept mit zwei Roboterkameras funktionieren würde und dass das Kirchenpersonal mit etwa 10 Minuten Aufwand pro Sendung für die technische Bedienung rechnen müsse.

Geld lieber in die Jugendarbeit investieren

Einige Kirchbürger wollten das Geld lieber in die Jugendarbeit investieren und auch die fehlende Zweitofferte wurde angemahnt und angeregt. Fehlender Datenschutz wurde von einer Frau moniert: Sie wolle nicht, dass alle sie sehen können, wenn sie in der Kirche sitze. Die im Antrag aufgeführte Verbuchung der Finanzierung mit der Verrechnung eines Restkredits für die Projektierung aus dem vergangenen Jahr, nannte ein Kirchbürger «Buchhalterische Trickserei».

Das Geschäft war bereits zurückgewiesen

Chaotisch wurde die Geschichte, als man zur Abstimmung schritt. Zuerst kam ein Antrag auf Rückstellung des Geschäfts auf das nächste Jahr erfolgreich durch. Unter lautem Protest forderte Walter Studer dann jedoch, man müsse jetzt noch über den generellen Antrag abstimmen, wozu sich Kirchenpräsident Thomas Leuch nach einigen Beratungen breitschlagen liess. Mit 30 Ja- zu 28 Nein-Stimmen bei 11 Enthaltungen hiessen die Kirchbürger das Geschäft gut, um es danach in einer weiteren Abstimmung auf 2020 zu verschieben.

Auch andere Traktanden boten Diskussionsstoff

Auch bei den anderen Geschäften ging die Versammlung zuweilen kontrovers und zäh voran. Die Kirchbürger lehnten es etwa ab, kurzfristig eine Ersatzwahl in die Synode auf die Traktandenliste zu setzen. Das freigewordene Amt müsse zuerst ausgeschrieben werden, verlangte Arnold Baumann. Zum Budget wurden viele Fragen gestellt, welche von Kirchpflegerin Marianne Pfändler grösstenteils souverän beantwortet werden konnten. Der Voranschlag, der ein Minus von 46000 Franken vorsieht, sowie der gleichbleibende Steuerfuss wurden gutgeheissen.

Die Aufgabe der Pfarrwahlkommission

Bei der Einsetzung der Pfarrwahlkommission für die beiden bereits von der Kirchenvorsteherschaft ausgeschriebenen Pfarrstellen kam es zu Diskussionen. Durch die Beschreibung des Stellenprofils greife man der Kommission vor, was Kirchenpräsident Thomas Leuch aber nicht gelten liess. Es sei Aufgabe der Behörde, die Richtung vorzugeben. Ein Antrag, dass die Pfarrwahlkommission ihre Auswahl nicht zuerst der Vorsteherschaft präsentiert, sondern gleich direkt einen Vorschlag der Versammlung unterbreitet, wurde nach kurzer Diskussion wieder zurückgezogen. Die neunköpfige Pfarrwahlkommission mit den Mitgliedern Thomas Leuch, Andrea Bevelaqua, Damian Brot, Heinz Lanz, Barbara Stäheli, Renata Egli, Bettina Härle, Christian Hauser und Elena Hutterli wurde aber letztlich problemlos gewählt. Der Kirchenpräsident informiert über den Stand des Projekts zur Anpassung und Erneuerung des Kirchgemeindehauses. Man sei ganz klar der Meinung, dass eine grundlegende Sanierung unumgänglich sei. Das fertige Bauprojekt werde am 4. April an einem Infoabend vorgestellt. Am 19. Mai folgt die Volksabstimmung über den Baukredit.

Zwei Rücktritte aus der Kirchenvorsteherschaft

Am Ende der Versammlung gab Leuch bekannt, dass Ruth Trippel und Marc Soltermann aus der Behörde zurücktreten.