Die Kreuzlinger Berufsrichter treten als Trio an. Bei den Laienrichtern mischen sich die Grünen ein.

Die Wahlen ans Bezirksgericht Kreuzlingen vom 9. Februar versprechen nur bei den nebenamtlichen und Ersatz-Richtern Spannung.

Martina Eggenberger Lenz / Urs Brüschweiler
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Fühlen sich privilegiert im Job: Jürg Roth, Ruth Faller und Thomas Pleuler.

Fühlen sich privilegiert im Job: Jürg Roth, Ruth Faller und Thomas Pleuler.

(Bild: Reto Martin)

Die Freude am Job ist Ruth Faller, Thomas Pleuler und Jürg Roth nicht vergangen. Dabei hatten die Juristen in den letzten vier Jahren eine sehr hohe Arbeitslast zu tragen. Die Gerichtspräsidentin sagt:

«Wir haben bis an unsere Kapazitätsgrenze gearbeitet – und darüber hinaus.»

Insbesondere die Bewältigung des Falls Kümmertshausen hat das kleine Team herausgefordert. «Da haben wir schon ein, zwei Flaschen Sekt aufgemacht, als der durch war», erinnert sich der Verfahrensleiter Thomas Pleuler an den Abschluss des aufwendigsten Mordfalls, den die Thurgauer Justiz je zu bewältigen hatte.

Am Kreuzlinger Gericht wurde auch am Fall des Kinderkrippenbetrügers, des Schafwerfers, des Tötungsdelikts bei der Tägerwiler Badi oder der Herzklinik gearbeitet. «Wir haben das alles darum so gut geschafft, weil wir einander unterstützen», betont Ruth Faller.

Bezirksrichter sind auch ein bisschen Psychologen

Die Gerichtspräsidentin, ihr Vize und der dritte Berufsrichter funktionieren so gut miteinander, dass sie gemeinsamen Wahlkampf für ihre Wiederwahl am 9. Februar machen. Konkurrenz haben sie keine. «Aber wir nehmen die Volkswahl ernst», sagt Faller. Die drei vertreten die gleichen Werte. «Rechtssicherheit und Berechenbarkeit sind uns wichtig», erklärt Pleuler.

Die Richter verstehen sich ausserdem als Dienstleister. Wer mit dem Gericht in Berührung komme, stehe unter emotionalem Stress. Faller meint:

«Unsere Arbeit hat nicht nur den rechtlichen, sondern auch den psychologischen Aspekt.»

Es sei eine Aufgabe des Gerichts, zu vermitteln. Insbesondere als erste Instanz bestehe da meistens noch eine Möglichkeit, man könne deeskalierend wirken. «Scheidungen, Nachbarschaftsstreitigkeiten, alles hat eine Vorgeschichte.»

Ein Drittel des Arbeitspensums des Bezirksgerichts betrifft familienrechtliche Angelegenheiten. Die Fragestellungen seien da heute viel komplexer als früher, erklärt Jürg Roth.

Väter wollen sich auch nach einer Trennung bei der Kinderbetreuung einbringen. Gerichte müssen entscheiden, welche Arbeitspensen Müttern zugemutet werden können.

«Bei schwierigen Entscheidungen sind wir doppelt froh um unsere Laienrichter, die offen mitdiskutieren können.»

Die Justiz soll unpolitisch sein

Die Präsidentin sagt, dank der Laienrichter und der Gerichtsschreiber arbeite man mit dem 10-Augen-Prinzip. «Die Laien sind für mich auch ein wichtiges Bindeglied zur Gesellschaft.» Volksnah bleiben, das ist der SP-Frau wichtig. Thomas Pleuler gehört der CVP an, Jürg Roth der FDP. Sie sagen aber: «Die Justiz sollte unpolitisch sein.» Das Gericht sei dafür da, die Gesetze umzusetzen. Faller sagt:

«Unsere
Aufgabe ist, das Gesetz
umzusetzen. Egal wie wir darüber
denken.»

Dennoch mischt Pleuler als Gemeinderat in der Lokalpolitik mit und Faller hat als Unterstützerin der Hort-Erweiterung Farbe bekannt. Auf dem Richterstuhl spiele das Parteibuch keine Rolle. Aber die Parteizugehörigkeit sage etwas über den Menschen aus, findet Pleuler. Für den amtsjüngsten Kollegen Jürg Roth ist das Engagement der anderen kein Problem. «Wir ticken alle ähnlich.»

Die Grünen möchten auch mitmischen bei der Verteilung

Am 9. Februar werden nicht nur die Berufsrichter neu gewählt. Vier nebenamtliche Richter gibt es am Bezirksgericht. Von den bisherigen Amtsinhabern treten die SVP-Vertreter Erwin Imhof (nach 12 Jahren) und Roland Werner (nach 24 Jahren) nicht mehr zur Wahl an.

Als wählerstärkste Partei möchte die Volkspartei unbedingt ihre beiden Sitze halten, auch weil sie keinen Berufsrichter stellt. Mit den bürgerlichen Parteien CVP, FDP und EVP sei man übereingekommen, dass man die Kandidaten gegenseitig unterstütze, erklärt SVP-Wahlleiter Erwin Imhof.

So schickt man Erwin Odermatt aus Hugelshofen und Patrick Staub aus Bottighofen ins Rennen, um die Sitze bei den Laienrichtern zu halten. Christina Fäsi (EVP) und Marianne Raschle (CVP) treten als Bisherige erneut an.

Dieses Päckli durchbrechen möchten aber die Grünen, indem sie Edgar Kaeslin aus Kreuzlingen portieren. Mit fünf Kandidaten kommt es somit zu einer Kampfwahl. Grünen-Vizepräsident Jost Rüegg sagt:

«Mit zunehmender Bedeutung wollen wir uns auch in andere Bereiche einmischen.»

Rüeggs Tochter Denise Stäheli aus Tägerwilen tritt zudem für die Grünen als Ersatzmitglied am Bezirksgericht an. Auch hier kommt es darum zur Kampfwahl: Thomas Gisler (CVP), Brigitte Haldimann (EVP) und Enzo Schrembs (FDP) verteidigen als Bisherige ihre Sitze. Als Friedensrichter kandiert nur Amtsinhaber Walter Scherb (SVP).